Mittwoch, 26. November 2008

Wissenschaftsstreit: Kontroverse um mögliche Mars-Fossilien

Gab es einst leben auf dem Mars? | Coypright: NASA/ESA

Die Nachricht von "Leben auf dem Mars" ging 1996 um die Welt, als Forscher erklärten, im Innern eines Meteoriten vom Mars Fossilien einer mikrobiellen Lebensform gefunden zu haben, selbst US-Präsident Clinton ließ es sich damals nicht nehmen, die sensationelle Entdeckung persönlich zu verkünden. Doch schon kurze Zeit später regte sich Widerstand gegen diese Interpretation. Seither wird der vermeintlich erste Beweis für "Leben auf dem Mars" in Frage gestellt und kontrovers diskutiert - doch es sollte nicht bei einem kontroversen Fund bleiben.

Bei dem Meteoriten mit der Kennung "Allan Hills (ALH) 84001" handelt es sich um einen 1,94 kg schweren Brocken, der 1984 im Allan-Hills-Eisfeld in der Antarktis gefunden wurde, jedoch erst 1993 Marsmeteorit identifiziert wurde und hauptsächlich aus grobkörnigem kataklastischen Orthopyroxenit besteht. Einst war er Bestandteil der Kruste des Roten Planeten, wurde dann jedoch - vermutlich durch den Impakt eines Asteroiden vor etwa 15 Millionen Jahren - von der Marsoberfläche weggeschleudert und landete vor cirka 13.000 Jahren auf der Erde.

Fossilisiertes Marsbakteriums? Elektronenmikroskopaufnahme von ALH 84001 | Copyright: NASA

1996 untersuchte das Team um David S. McKay den Meteoriten unter dem Elektronenmikroskop und fand in seinem Innern eine Struktur, die sie als Spuren fossiler Nanobakterien deuteten. Auch die magnetithaltigen Karbonateinschlüsse, so die Forscher, seien dafür bekannt, dass die von irdischen Bakterien produziert werden können. Zudem fanden die Wissenschaftler polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH) innerhalb der Karbonate, wie sie beim Zerfall von Bakterien entstehen können. Kritiker wenden hingegen ein, dass selbst die Existenz von irdischen Nanobakterien, also kleinste Bakterienformen, noch nicht eindeutig nachgewiesen sei und sich auch die anderen gefundene Merkmale ebenso durch nicht-biologische, rein chemische Prozesse erklären ließen.

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Die Strukturen im Innern des Marsmeteoriten Shergotty (u.) gleichen irischen Bakterien (o.) | Copyright: NASA

Auch in den Marsmeteoriten Nakhala und Shergotty stießen Forscher auf Merkmale, die an irdische Bakterien erinnern. Dr. Everett Gibson, Geochemiker am NASA Johnston Space Center in Houston fand in den Meteoriten ähnliche Merkmale, wie sie zuvor schon in ALH 84001 gefunden wurden. Da Nakhala vor rund 1,3 Milliarden Jahren und Shergotty vor rund 175 Millionen Jahren vom Mars abgesprengt wurden, würde dies bedeuten, dass es zumindest zischen diesen Zeiten mikrobielles Leben auf dem Mars gegeben hätte. Doch auch diese Interpretation der Spuren im Innern der Meteoriten werden kontrovers diskutiert und mögliche nicht-biologische Ursprünge von Kritikern nicht ausgeschlossen. Was auch immer die kugelförmigen Strukturen sind, sie fanden sich eingeschlossen im Innern der Meteoriten - stammen also eindeutig vom Mars selbst und wurden nicht - wie ebenfalls spekuliert wurde - erst auf der Erde mit Mikroben kontaminiert.

Mikroskopaufnahme (Microsopic Imager Sol 034) | Copyright: NASA/JPL/Cornell/USGS

Auch eine Struktur die vom NASA Mars-Rover Opportunity fotografiert wurde, wird unter Forschern als mögliches Fossil kontrovers diskutiert. Sie wurde am 34. Tag der Mission (Sol 34) in der Region Meridiani Planum fotografiert und misst gerade einmal sechs mal drei Millimeter. Sie wird von unabhängigen Marsforschern wie dem Astronom Richard C. Hoagland mit versteinerten Ur-Seelilien verglichen.

Die Ähnlichkeiten belegt Hoagland anhand von fotografischen Vergleichen:



Ob Hoagland und seine Kollegen mit dieser Interpretation jedoch recht haben oder nicht, wird wohl zumindest am Beispiel jener Struktur auf den Fotos von Sol 34 niemals geklärt werden können, denn kurz nach der Aufnahme zerstörte der Fräsbohrer des Roboters genau diese Stelle, an der sich zuvor noch ein möglicher Beweis für einstiges höher entwickeltes Leben auf dem Mars befunden hatte unwiederbringlich. Kritiker hingegen sehen in dem Detail nichts weiter als die versteinerten Reste von ehemals getrockneten und dabei segmentierten Lehms.

Mars-Spirelli (l.): Eine fossilisierte Foraminifere wie sie in ähnlicher Form auch auf der erde vorkommen (r.)? | NASA/JPL/Cornell/USGS

Durch die aktuelle Berichterstattung im Morgenfernsehen des US-amerikanischen Nachrichtensenders CNN bekannt, ist zudem eine weitere Aufnahme des Opportunity-Rovers. In dem Detail der Aufnahmen vom 30. Missionstag (Sol 030), die ebenfalls in der Region Meridiani Planum aufgenommen wurden, glauben die Befürworter auffallender Ähnlichkeiten einzelligen Amöben, so genannten Foraminiferen, zu erkennen. Mit 1,3 Millimetern Länge und etwa 0,1 Millimetern Durchmessern gleicht das Detail tatsächlich irdischen Foraminiferen (s. Abb.). Das Problem, diesen Fund als tatsächliches biologisches Fossil anzuerkennen, besteht für Kritiker jedoch in diesem Fall darin, dass derartige weiche Lebensformen nur sehr selten versteinern. Zudem würde man - zumindest auf der Erde - nicht nur ein Exemplar, sondern eine ganze Vielzahl von Foraminiferen erwarten.

Fossilien einstiger biologischer Organismen bleiben also vorerst hauptsächlich Inhalt kontroverser Spekulationen. Wirklich eindeutige Beweise liegen bislang noch nicht vor...

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