Montag, 14. Juni 2010

US-Forscher identifizieren gewaltigen Ur-Ozean auf dem Mars

Computersimulation des einstigen Marsozeans | Copyright: University of Colorado, colorado.edu

Boulder/ USA - In zwei Studien haben Forscher der "University of Colorado" anhand von Satellitenaufnahmen Spuren eines gewaltigen Ur-Ozeans, zahlreicher Flüsse und Flussdeltas identifiziert. Rund ein Drittel der Planetenoberfläche soll demnach vor rund 3,5 Milliarden Jahren von Gewässern bedeckt gewesen sein, ein System, das durch einen Wasserkreislauf, ähnlich jenem auf der Erde, aufrechterhalten wurde.

Wie die Wissenschaftler um Gaetano Di Achille und Brian Hynek in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Nature Geoscience" schreiben, stützt das Ergebnis bisherige Theorien und Modelle, die einen großen, von einem globalen Netzwerk aus Zuflüssen aufrechterhaltenen Ozean während der sogenannten Noachischen Periode des Planeten, vor mehr als drei Milliarden Jahren, vermuten - zu einer Zeit also, als der Rote Planet vulkanisch aktiv und ersichtlich wärmer war als heute.

Durch ihre Arbeit konnten die Forscher 52 Mündungsdeltas einstiger Flüsse ausmachen, von welchen etwa die Hälfte wahrscheinlich die Grenzen des einstigen Ozeans markierten, da sie sich alle in etwa auf gleicher Höhenlage befinden. 29 der Deltas waren demnach entweder mit dem Ur-Ozean, mit dessen Grundwasserspiegel oder aber mit angrenzenden Seen verbunden.

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Die ausführliche Studie basiert auf Satellitenaufnahmen unterschiedlicher Missionen zum Roten Planeten von NASA und ESA, wie sie teilweise bis ins Jahr 2001 zurückreichen. Im Ergebnis schlussfolgern die Forscher, dass es einst auch auf dem Mars einen Wasserkreislauf, ähnlichen wie jenem auf der Erde, mit Niederschlägen, Abflüssen, Wolkenbildung, Eis- und Grundwasserablagerungen, gegeben haben muss.

Diese Falschfarbendarstellung von Rande eines Marskraters in der nördlichen Hemisphäre des Mars könnte durchaus das einstige Aussehen des Mars illustrieren | Copyright: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona

Anhand ihrer Berechnungen vermuten Di Achille und Hynek, dass der einstige Ozean etwa 36 Prozent der Planetenoberfläche mit etwa 124 Millionen Kubikkilometer Wasser bedeckt, was in etwa einem Zehntel der heuten Wassermenge der irdischen Ozeane entspricht, während der Rote Planet selbst nur wenig mehr als halb so groß ist, wie sein blauer Nachbar. Auf den ganzen Planeten verteilt, könnte diese Menge den Mars mit einer Wasserschicht von 550 Metern Tiefe bedecken.

In einer zweiten Studie unter Federführung von Hynek, gemeinsam mit seinen Kollegen Michael Beach und Monica Hoke, wie sie im "Journal of Geophysical Research – Planets" veröffentlicht wurde, haben die Forscher rund 40.000 Flusstäler auf dem Mars identifiziert. Diese Anzahl entspricht in etwa dem Vierfachen der bislang bekannten Menge entsprechender Täler, wie sie die Forscher tatsächlich als einstige natürliche Kanäle deuten.

Ein solches System, so Hynek, konnte nur durch einen atmosphärischen Wasserkreislauf so lange aufrechterhalten werden, dass sich die zahlreichen charakteristischen Strukturen bilden konnten.

Weiterhin grübeln jedoch auch Hynek und seine Kollegen noch über die Frage, wohin die gewaltigen einstigen Wassermengen verschwunden sind. 2013 soll die NASA-Mission "MAVEN" (Mars Atmosphere and Volatile Evolution) zum Roten Planeten aufbrechen um zu helfen, auch diese Frage zu beantworten (...wir berichteten).

Auch für die Suche nach Spuren von Leben auf dem Mars sind gerade die Flussdeltas von großem Interesse, da sie auf der Erde dafür bekannt sind, sehr schnell organische Kohlenstoffverbindungen und andere Biomarker zu begraben. Hierdurch sind die Mars-Deltas auch und besonders für Astrobiologen von Interesse. Die meisten Forscher gehen davon aus, dass Leben auf dem Mars, einst oder sogar noch heute, am wahrscheinlichsten in Form von Mikroorganismen im Marsuntergrund gefunden werden: "Auf der Erde sind Deltas und Seen die idealen Sammelstätten und Bewahrer von Spuren einstigen Lebens", so Di Achille. "Wenn sich auf dem Mars jemals Leben entwickelt haben sollte, bergen Deltas möglicherweise den Schlüssel für unser Verständnis der biologischen Vergangenheit des Mars."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / colorado.edu
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