Samstag, 4. Dezember 2010

Studie belegt erstmals: Lesenlernen verändert das Gehirn

Archiv: Lesendes Mädchen, Gemälde von Charles Edward Perugini | Copyright: Public Domain

Paris/ Frankreich - Zum ersten Mal ist es einem internationalem Forscherteam gelungen nachweisen, dass Lesenlernen das Gehirn verändert. Die Ergebnisse belegen den massiven Einfluss von Bildung auf das menschliche Gehirn, insbesondere den visuellen Kortex und den für Sprache zuständigen Bereich.

Wie das Team unter Stanislas Dehaene vom "Collège de France" und Laurent Cohen von der "Université Pierre et Marie Curie" im der Fachzeitschrift "Science" berichten, haben sie im Rahmen ihrer Studie mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) die Gehirntätigkeit von mehr oder weniger alphabetisierten Erwachsenen gemessen, während sie verschiedenen Stimuli ausgesetzt waren: gelesene oder geschriebene Sätze, gelesene Wörter, Gesichter, Häuser, Objekte, etc.

Die Daten gewannen die Forscher mit Hilfe von 63 Probanden, von denen 10 Analphabeten waren, 22 im Erwachsenenalter das Lesen erlernt hatten und 31 eine ganz normale Schulbildung durchlaufen haben. Die Studie wurde gleichzeitig in Portugal und Brasilien durchgeführt. Bis vor einigen Jahrzehnten kam es in diesen Ländern noch häufig vor, dass Kinder aufgrund ihres sozialen Status nicht die Schule besuchen konnten.

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Das Ergebnis: Wurden den Probanden geschriebene Sätze vorgelegt, zeigten die Lesekundigen im Gegensatz zu den Analphabeten eine erhöhte Aktivität mehrerer Gehirnregionen. Die betreffenden Areale sind für die Verarbeitung visueller und sprachlicher Informationen zuständig.

Die visuellen Areale, die bei den Lesekundigen die geschriebenen Worte dekodieren, haben bei den Analphabeten eine ähnliche Funktion: die visuelle Erkennung von Objekten und Gesichtern.

Der visuelle Kortex organisiert sich teilweise neu, wobei die Worterkennung in Konkurrenz zu anderen Leistungen des visuellen Kortex - der Gesichter- und Objekt-Erkennung - tritt. Gehirne besonders flüssig Lesender brauchen für die Gesichtserkennung nur einen geringen Aufwand.

Die meisten Auswirkungen des Lesenlernens auf den Kortex fanden die Forscher bei den Probanden, die eine ganz normale Schulbildung durchlaufen haben, die gleichen wie bei den Probanden, die erst als Erwachsene das Lesen erlernt haben. Das Gehirn ist also plastisch genug, dass auch das Lesenlernen im Erwachsenenalter noch zu ähnlichen Ergebnissen führt wie in der gewöhnlichen Schulzeit.

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Quellen: cea.fr / grenzwissenschaft-aktuell.de / diplomatie.gouv.fr
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