Donnerstag, 31. März 2011

Bergbau auf Asteroiden in fernen Planetensystemen als Hinweis auf technologisch entwickelte Zivilisationen

Künstlerische Darstellung eines Exo-Planetensystems mit Asteroidengürtel (Illu.) | Copyright: NASA/JPL-Caltech

Cambridge/ USA - Science-Fiction-Autoren wie Weltraumvisionäre sehen im sogenannten "Asteroid Mining", also dem Abbau von Bodenschätzen auf Asteroiden, schon heute Wege zukünftiger Rohstoffgewinnung über die auf der Erde vorhandenen Rohstoffreserven hinaus. Außerirdische Zivilisationen könnten diese Technologie bereits anwenden - zumindest zeichnet eine aktuelle Untersuchung von schottischen und US-Astronomen ein solches Szenario und vermutet, dass derartige Arbeiten und ihre Randerscheinungen von der Erde aus entdeckt und als solche erkannt werden könnten. Dadurch ergäben sich auch neue Ziele für SETI, die Suche nach außerirdischer Intelligenz.

Sollten zukünftig die irdischen Bodenschätze zur Konstruktion der für unsere derzeitig technologisch entwickelte und ausgerichtete Zivilisation notwendigen Produkte nicht mehr ausreichen, könnten sich zahlreiche erz- und mineralreiche Objekte des Asteroidengürtels als Ausweichkandidaten für den Bergbau der fernen Zukunft anbieten.

Die Astronomen Duncan Forgan von der "University of Edinburgh" und Martin Elvis vom "Harvard Smithsonian Center for Astrophysics" haben dieses Szenario auch für hypothetische, bereits an diesem Punkt und wohlmöglich darüber hinaus angelangte und technologisch entwickelte außerirdische Zivilisationen durchgespielt und unter dem Titel "Extrasolar Asteroid Mining as Forensic Evidence for Extraterrestrial Intelligence" (Extrasolarer Bergbau auf Asteroiden als forensische Hinweise auf außerirdische Intelligenz) vorab auf "arxiv.org" präsentiert. In einer zukünftigen Ausgabe des Fachmagazins "International Journal of Astrobiology" wird die Arbeit ebenfalls schon bald veröffentlichet werden.

Die Forscher kommen in ihrem Artikel zu dem Schluss, dass entsprechende Aktivitäten auf Asteroiden in Trümmergürteln, wie sie dem Asteroidengürtel unseres Sonnensystems zwischen Mars und Jupiter gleichen, bei entsprechender Größe und Intensität, Signaturen entstehen lässt, wie sie schon mit derzeitigen und zukünftige Teleskopprojekten entdeckt und identifiziert werden könnten. Zudem wäre der Nachweis mehrerer der in der Studie erarbeiteten Merkmale gemeinsam in einem Planetensystem ein deutliches Indiz nicht nur für dortiges außerirdisches Leben, sondern auch für dessen technologisch fortgeschrittene Entwicklung.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Ausgehend von den irdischen und somit menschlichen Voraussetzungen für einen Abbau auf erdfernen Körpern im Sonnensystem, vermuten Forgan und Elvis, dass Bergbau auf extrasolaren Asteroiden unterschiedliche Signaturen erzeugen würde:

- Zunächst sollte der Transport bestimmter Substanzen von einem zu einem anderen Ort auch in einem fernen Planetensystem eine charakteristische chemische Signatur im Trümmergürtel um den sonnenfernen Stern erzeugen. Diese Trümmergürtel sollten von Natur aus bestimmte Verhältnisse zwischen den darin vorhandenen Elementen aufweisen, wie beispielsweise mittels Spektroskopie, also der spektralen Analyse des Sternenlichts, analysiert werden kann. Massiver Bergbau auf einem oder mehreren Körpern würde ganz gewiss dieser Verhältnisse verzerren.

- Zweitens sei davon auszugehen, dass entsprechender Bergbau die Größenverteilung der Objekte in den extrasolaren Asteroidengürteln verändern würde. Da es aus technischer Sicht sinnvoller sei, eher große als kleine Körper für den Abbau von Rohstoffen zu nutzen, sollte die Anzahl entsprechend großer Körper hier in einem Verhältnis zusehends schwinden, wie es eine künstlich herbeigeführte Ursache nahe legen würde.

- Zur gleichen Zeit würden entsprechende Arbeiten wahrscheinlich große Mengen an Staub erzeugen, dessen Mengenverhältnis im Asteroidengürtel also in vergleichbarem Maßstab zunehmen müsste. Da entsprechende Arbeiten vermutlich so nahe wie möglich zum Heimatplaneten der die Rohstoffe abbauenden Zivilisation durchgeführt werden würde, könnte dieser entstehende Staub zudem Ringsysteme um nahe gelegene Planeten entstehen lassen (...wir berichteten bereits darüber, wie so etwas am Beispiel der Erde aussehen könnte).

- Schlussendlich, sollten sich entsprechende Aktivitäten auch durch thermale Signaturen abzeichnen, da gerade der entstehende Staub die Wärmeenergie des Zentralgestirns abstrahlen würde, was entsprechend veränderte Asteroidengürtel und herbeigeführte Staubgürtel vergleichsweise einfach sicht- und erkennbar machen würde.

Die Forscher weisen jedoch zugleich darauf hin, dass alle diese Merkmale, für sich und einzeln genommen, auch durch natürliche Prozesse entstehen könnten. Es handele sich also in keinem Fall um einzigartige Hinweise auf außerirdische Bergbauaktivitäten. Sollten jedoch eine Vielzahl oder gar alle Merkmale zusammen in einem Planetensystem entdeckt werden, sei dies ein starker Hinweis darauf, dass diesem System unbedingt mehr Aufmerksamkeit und weiterführende Studien auch im Rahmen der Suche nach außerirdischer Intelligenz (Search for ExtraTerrestrial Intelligence, SETI) gewidmet werden sollten. Tatsächlich könnten die erarbeiteten Signaturen von zukünftigen Planetensuch-Missionen geradezu beiläufig entdeckt werden.

Des Weiteren verweist der "arxiv-Blog" auf eine zusätzliche potentielle Signatur außerirdischen Bergbaus, wie er von Forgan und Elvis erstaunlicherweise nicht diskutiert wird: "Jegliche Form von Antreiben und Maschinen, die entsprechenden Zivilisationen nutzen würden, benötigen irgendeine Antriebsenergie und diese wiederum erzeugt wahrscheinlich ihre ganz eigene Signaturen: Vielleicht künstliche Schadstoffwolken, Abgase oder möglicherweise sogar verbrauchte und beschädigte Reaktoren. Kurzum: Schadstoffbelastungen. Wie wir alle wissen, hinterlassen ungewollte Nebeneffekte von Technologien leider meist die größten Wunden auf und an einem Planeten."

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / arxiv.org / technologyreview.com
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE