Donnerstag, 26. Mai 2011

Studie: Auch Deutschland droht bei einem landesweiten Stromausfall eine nationale Katastrophe

Archiv: Elektrizität | Copyright: Mircea Madau / Public Domain

Karlsruhe/ Deutschland - Schon lange warnen Wissenschaftler unter anderem der NASA (...wir berichteten) vor dramatischen Auswirkungen landesweiter Stromausfälle, etwa in Folge starker, in Richtung Erde gerichteter Sonnenstürme. Unabhängig von einem solchen konkreten Szenario, haben Wissenschaftler des "Karlsruher Instituts für Technologie" (KIT) nun generell das Szenario eines deutschlandweiten langandauernden Stromausfalls durchgespielt und kommen zu dem Schluss, dass in einem solchen Fall auch Deutschland eine nationale Katastrophe drohen würde.

Strom ist allgegenwärtig: Telefon, Kühlschrank und Licht funktionieren dank ständiger Energiezufuhr. Wir sind angewiesen auf eine unterbrechungsfreie Stromversorgung für Ampeln, U-Bahnen und Wasserwerke, Krankenhäuser, Computer und Industrieproduktion, so die Pressemitteilung des KIT, (kit.edu). Welche katastrophalen Folgen ein großflächiger und langandauernder Stromausfall hätte, zeigen KIT-Forscher in ihrer Studie, die in Berlin im Rahmen einer Veranstaltung des Innen- sowie des Forschungsausschusses des Deutschen Bundestages vorgestellt wurde.

"In den letzten Jahren haben Stromausfälle in Europa und Nordamerika einen nachhaltigen Eindruck von der Verletzbarkeit moderner Gesellschaften gegeben", erläutert KIT-Studienleiter Thomas Petermann die Ausgangslage. Schon 2003 wurde aufgrund eines Stromausfalls im kanadischen Ontario eine Woche lang der Notstand ausgerufen. Im Münsterland waren im November 2005 eine viertel Million Menschen bis zu sieben Tage vom Stromnetz abgeschnitten. Damit einher gingen der Ausfall von Haushaltstechnik wie Telefon, Heizung und Fernsehen sowie Versorgungsengpässe bei Nahrung und Wasser.

Obwohl damals die Unterbrechung der Stromversorgung allenfalls einige Tage andauerte und begrenzt auftrat, zeigten sich schon hier massive Funktions- und Versorgungsstörungen, Gefährdungen der öffentlichen Ordnung sowie Schäden und Produktionsausfälle in Milliardenhöhe. Bei einem großflächigen und länger andauernden Stromausfall wäre eine Potenzierung dieser Effekte mit dramatischen Konsequenzen zu erwarten.

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"Eine detaillierte, systematische Analyse der Folgen haben wir nun vorgelegt", sagt Petermann, der stellvertretend auch das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag leitet. "Wir haben untersucht, wie sich ein langandauernder und großflächiger Stromausfall auf die Gesellschaft und ihre kritischen Infrastrukturen auswirken könnte und wie Deutschland auf eine solche Großschadenslage vorbereitet ist." Die Studie trägt den Titel "Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften - am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung".

"Im Ernstfall würde laut Studie bereits nach wenigen Tagen im betroffenen Gebiet die bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen zusammenbrechen. Ein Stromausfall würde die sofortige Unterbrechung der Kommunikation via Telefon und Fernsehen bedeuten, die Produktion in Betrieben läge still. Wenn nach einigen Stunden auch die Batterien leer sind und die Notstromaggregate keinen Kraftstoff mehr hätten, wären auch Handys unbrauchbar und in Krankenhäuser die Intensiv- und Dialysestationen kaum noch zu betreiben.

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Die öffentliche Sicherheit wäre ernstlich gefährdet, der grundgesetzlich verankerten Schutzpflicht für Leib und Leben seiner Bürger kann der Staat nicht mehr gerecht werden. Die Wahrscheinlichkeit eines langandauernden und das Gebiet mehrerer Bundesländer betreffenden Stromausfalls mag gering sein. Träte dieser Fall aber ein, kämen die dadurch ausgelösten Folgen einer nationalen Katastrophe gleich. Diese wäre selbst durch eine Mobilisierung aller internen und externen Kräfte und Ressourcen nicht beherrschbar, allenfalls zu mildern."

Weitere Anstrengungen, so die Forscher, seien deshalb auf allen Ebenen erforderlich, um "die Durchhaltefähigkeit der kritischen Infrastrukturen kurz- und mittelfristig zu erhöhen sowie die Kapazitäten des Katastrophenmanagements weiter zu optimieren. Der Stromausfall als ein Paradebeispiel für Schadenswirkungen, die sich kaskadenförmig fortpflanzen, sollte deshalb auf der Agenda der Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft weiterhin hohe Priorität haben, auch um die Sensibilität für diese Thematik in Wirtschaft und Bevölkerung zu erhöhen."

- Den vollständigen Bericht finden Sie HIER

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Quellen: kit.edu / grenzwissenschaft-aktuell.de
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