Dienstag, 27. September 2011

Dresdner Codex: Digitalisierter "Maya-Kalender" jetzt vollständig online

Darstellung der "Großen Flut" im "Codex Dresdensis". | Copyright/Quelle: SLUB, slub-dresden.de

Dresden/ Deutschland - Nach heutigem Kenntnisstand ist der "Codex Dresdensis" das älteste und qualitätvollste erhaltene Buch der Maya und spielt somit auch in den Sagen und Legenden, aber auch in der modernen Mythenbildung und Erforschung der Maya-Kultur eine wichtige Rolle. Das Werk ist im Besitz der "Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek" (SLUB) in Dresden und steht seit kurzem vollständig digitalisiert online zur Verfügung.

Forscher vermuten, dass es sich um eine im Kontext mexikanisch beeinflusster Mayakultur entstandene Abschrift oder Neuausgabe einer älteren, nicht erhalten gebliebenen Vorlage aus dem Südgebiet der klassischen Mayakultur handelt", erläutert die Internetseite der Bibliothek (slub-dresden.de). "Aufgrund der Anfangs- und Enddaten der astronomischen Konjunktionen datierte J. Eric S. Thompson die Abschrift auf 1200 bis 1250. Somit könnte der Codex aus dem nördlichen Yucatán stammen, wo zwischen 1200 und 1450 das letzte große Gemeinwesen der Mayas existierte."

Seit Jahren sorgt besonders der Kalender für weltweites Interesse, endet bzw. beginnt er doch mit am 21. bzw. 23. Dezember 2012 aufs Neue (ohne, dass jedoch eine weitere Periode danach beannt ist) und provozierte so spätestens seit den 1970er Jahren eine Vielzahl esoterischer und New Age-Theorien, Veränderungs- und Weltuntergangszenarien.

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Mit der Veröffentlichung des Dresdner Originals in hochaufgelöster Qualität will der Direktor der SLUB Thomas Bürger "die Geheimnisse und Gerüchte um den Maya-Kalender nicht noch anheizen, sondern einfach gute Informationen bieten."

Gegenüber dem MDR erklärte Bürger, dass das Interesse am "Codex Dresdensis" recht groß sei. Fast täglich erhalte die Bibliothek Anrufe aus Mexiko sowie anderen Teilen Lateinamerikas und der Welt. Unter den Interessierten seien "Wissenschaftler, Privatleute und auch 'Freaks'".

Der Kodex selbst besteht aus 39 doppelseitig beschriebenen, ursprünglich als Leporello gefalteten Blättern aus Feigenbaumrinde, die in 2 Streifen mit einer Gesamtlänge von 3,56 m zwischen Glasplatten in der Schatzkammer der SLUB ausgestellt sind. Er zeigt Hieroglyphen, Bilder und Symbole, mit denen Maya-Priester ihr Wissen über Krankheiten, Erntezeiten, religiöse Handlungen, Opferungen und Astronomie der Nachwelt erhielten und enthält verschiedene Almanache, Weissagungskalender, astronomische Tafeln, rituelle Vorschriften und zahlreiche Götterdarstellungen.

Neben anderen Maya-Aufzeichnungen in Madrid, Paris und Mexiko-Stadt beinhaltet nur das Dresdner Dokument einen Kalender und ein Apokalypse-Bild, auf dem eine Art Sintflut begleitet von mythischen Drachengestalten zu sehen ist (s. Abb.). Der Kalenderteil konnte Ende des 19. Jahrhunderts von dem Dresdner Bibliothekar Ernst Wilhelm Förstemann entschlüsselt werden. Zugleich gilt das Gesamtwerk als Schlüsseldokument für die Entzifferung der Maya-Hieroglyphen und für die Erforschung der Astronomie, Kosmologie und Zeitrechnung der Maya.

- Die Spezialseiten der SLUB zum "Dresdner Kodex" mit Ansicht- und Downloadfunktion (PDF) finden Sie HIER

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / slub-dresden.de / mdr.de
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