Mittwoch, 30. November 2011

Studie zeigt: Auch Raben verwenden Gesten

Wissenschaftler haben beobachtet, dass Raben (Corvus corax) setzten ihre Schnäbel ähnlich wie Hände ein. | Copyright: Mila Zinkova, cc-by-sa 3.0

Seewiesen/ Deutschland - Wie so viele Fähig- und Eigenheiten zuvor, so galt bislang auch das Zeigen oder Hochhalten von Gegenständen, um damit Aufmerksamkeit zu erregen, als alleinig dem Menschen und unseren nächsten lebenden Verwandten, den Menschenaffen eigen. Deutsche und österreichische Ornithologen konnten nun jedoch erstmals nachweisen dass auch Raben solche hinweisenden Gesten benutzen, um das Interesse eines potenziellen Partners zu prüfen oder eine bestehende Beziehung zu stärken.

Wie die Wissenschaftler um Simone Pika vom "Max Planck Institut für Ornithologie" (orn.mpg.de) und Thomas Bugnyar von der "Universität Wien" erläutern, beginnen Kinder von frühester Kindheit an die Aufmerksamkeit und das Verhalten von Erwachsenen auf äußere Dinge zu lenken. Besonders hinweisende Gesten wie zum Beispiel die "Zeigegeste" ("da"; "dort") oder das "Hochhalten von Objekten" ("nimm dies") werden von Kindern erstmalig im Alter von neun bis zwölf Monaten vor dem Gebrauch erster Worte verwendet. "Man nimmt an, dass diese hinweisenden Gesten den Auftakt zur Verwendung von Symbolen und somit menschlicher Sprache darstellen und ihnen relativ komplexe Intelligenzleistungen zugrunde liegen. Hinweisende Gesten sind somit Meilensteine in der Entwicklung menschlicher Sprache."

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Erstaunlicherweise sind Beobachtungen vergleichbarer Gesten allerdings schon bei unseren nächsten lebenden Verwandten, den Menschenaffen, relativ selten. Schimpansen (Pan troglodytes) etwa in Uganda verwendet spezifische Kratzgesten, um anderen Artgenossen mitzuteilen, an welcher Körperstelle sie gelaust werden möchten. "Hinweisende Gesten sind evolutionär gesehen also ein sehr seltenes Phänomen und wurden bislang nur bei den Primaten nachgewiesen", stellen die Forscher in ihrer im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlichten Studie fest.

Ein solches Verhalten, das konnten die Ornithologen nun zeigen, ist jedoch nicht nur auf Menschen und Menschenaffen beschränkt. Über zwei Jahre hinweg untersuchten Pika und Bugnyar das non-vokale Verhalten von individuell markierten Vögeln einer wilden Rabenkolonie im Cumberland Wildpark im österreichischen Grünau. Die Forscher beobachteten, dass Raben ihre Schnäbel ähnlich wie Hände einsetzen, um Objekte wie zum Beispiel Moos, kleine Steine und Zweige hochzuhalten und einander zu zeigen. "Diese Verhaltensweisen waren vorwiegend an Individuen des anderen Geschlechts gerichtet und führten dazu, dass sich die Empfänger des Signals zu den signalisierenden Individuen hin orientierten. Anschließend interagierten die Raben miteinander, zum Beispiel durch Schnäbeln oder gemeinsames Bearbeiten des Objektes."

Wie Krähen, so gehören Raben und Elstern zur Familie der Rabenvögel und übertreffen die meisten anderen Vogelarten an Intelligenz. In vielen Intelligenztests schneiden sie sogar ähnlich gut ab wie Menschenaffen. "Raben im Besonderen zeichnen sich durch eine komplexe paar-spezifische Kommunikation, eine relativ lange Phase der Partnerwahl und einen hohen Grad an Kooperation zwischen Paaren aus."

Die Studie der Wiener und Seewiesener Vogelforscher zeigt, dass sich differenzierte Gestik besonders bei solchen Arten entwickelt hat, die auch ein hohes Maß an Kooperationsfähigkeit besitzen. "Gestenstudien haben sich viel zu lange nur auf Primaten beschränkt. Das Geheimnis um den Ursprung menschlicher Sprache kann aber nur gelöst werden, wenn wir über den Tellerrand hinausschauen und die Komplexität von Kommunikationssystemen anderer Tiergruppen mit einbeziehen und ergründen", sagt Simone Pika.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / orn.mpg.de
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