Donnerstag, 1. März 2012

Forscher sieht Wahrscheinlichkeit für katastrophalen Mega-Sonnensturm noch vor 2020 bei 12 Prozent

Sonnensturm | Copyright: NASA/JPL

San Diego/ USA - Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erde noch vor dem Jahr 2020 einem gewaltigen Sonnensturm mit katastrophalen Auswirkungen ausgesetzt sein wird, hat ein US-Forscher aktuell mit knapp 12 Prozent errechnet. Die Auswirkungen eines solchen Ereignisses könnten Billiarden von Dollar kosten und es könnte rund zehn Jahre dauern, bis sich unsere technologisierte Gesellschaft von den Folgen erholt hat.

Zwar sei ein derartiges Ereignis relativ selten, doch der letzte Sonnensturm mit gravierenden Auswirkungen bis hin zur Erdoberfläche immerhin auch schon 150 Jahre her. Damals beobachtete der englische Astronom Richard Christopher Carrington am 1. September 1859 durch sein Teleskop eine gewaltige Explosion auf der Sonne, die sich als sehr heller, nur wenige Minuten andauernder Lichtblitz äußerte. Diese Explosion zählt heute zu den zehn stärksten jemals beobachteten sogenannten Flares. Rund 20 Stunden später erreichte die dabei ausgeschleuderte koronale Materie sowie die dabei ausgesandte Strahlung die Erde und löste einen geomagnetischen Sturm aus, der sogar die Kompassnadeln beeinflusste.

Der schönste Effekt von Sonnenstürmen Richtung Erde, die Nord- und Südlichter, wie sie für gewöhnlich über den Polarregionen der Erde beobachtet werden können, waren damals selbst noch von Kuba, Hawaii und Nordchile aus zu sehen. Während der gewaltige Sonnensturm des sogenannten Carrington Events also wundersame Lichterspiele an die Himmel zauberte, sorgten die geladenen Partikel allerdings auch bis hinunter zur Erdoberfläche für schwere Schäden, als etwa Telegrafenleitungen Feuer fingen und die entsprechend zeitgenössischen Telekommunikationsnetzwerke zusammenbrachen.

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Die Wahrscheinlichkeit, dass es innerhalb der kommenden zehn Jahre erneut zu einem vergleichbaren Ereignis kommt, hat der Weltraumphysiker Pete Riley von "Predictive Science" im kalifornischen San Diego nun im Fachmagazin "Space Weather" mit rund 12 Prozent ermittelt.

Zu dieser Einschätzung, das berichtet "Wired Science" (wired.com), kommt Riley anhand seiner Datenauswertung historischer Datenbanken zur Sonnenaktivität, aus welcher er ein Verhältnis zwischen Größe und Vorkommen von Sonneneruptionen herleitet.

Für unsere heute umso mehr von elektrischer Technologie abhängige Gesellschaft könnte ein mit dem Carrington Event vergleichbarer Sonnensturm katastrophale Konsequenzen haben. So könnten auch und gerade heute Telekommunikations-, Navigations-, und Energienetzwerke beschädigt oder gar zerstört und sogar der einfache Empfang von Radiosignalen unterbrochen werden. Schon ein im Vergleich zu 1859 milderer, wenn auch weiterhin starker geomagnetischer Sturm brachte 1989 das kanadische Stromnetzwerk zum erliegen, woraufhin Millionen von Menschen für bis zu neun Stunden ohne Strom waren.

Auch die NASA hat in einer Studie ein Worst-Case-Szenario erstellen lassen und in diesem 2009 veröffentlichten Bericht vor den katastrophalen Auswirkungen schon für das damals noch 2012 erwartete Aktivitätsmaximum des aktuellen Sonnenzyklus, das mittlerweile eher 2013 erwartet wird, gewarnt (...wir berichteten). Wissenschaftler des US-amerikanischen National Research Council schätzen, dass ein mit dem Carrington Event vergleichbares Ereignis einen Schaden von bis zu zwei Billiarden US-Dollar anrichten würde und sich unsere Zivilisation etwa 10 Jahre lang nur schwer von den Folgen erholen würde. Durch vorzeitige Gegenmaßnahmen, etwa Energiespeicherung durch die Anbieter oder die Dezentralisierung der immer noch gewaltigen teilweise mehrere Länder und Kontinente verbindenden Netzwerke könnten diese Auswirkungen jedoch abgemildert werden. Derartige Maßnahmen sind bislang jedoch erst in Planung.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / agu.org / predsci.com / wired.com

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