Montag, 26. November 2012

Hat der Mars-Rover "Curiosity" Beweise für existierendes Leben auf dem Mars gefunden?


Archiv: Aus 55 Einzelaufnahmen der "Arm-Camera" zusammengestelltes Selbstportrait des Mars-Rovers "Curiosity". | Copyright: NASA/JPL-Caltech/Malin Space Science Systems

Pasadena (USA) - Seit der Chefwissenschaftler der aktuellen Mars-Rover-Mission der NASA, John Grotzinger, vergangene Woche eine "historische Entdeckung auf dem Mars" angekündigt hat - ohne jedoch weitere Details bekannt zu geben (...wir berichteten 1, 2, 3)- wird weltweit darüber spekuliert, was genau der Mars-Rover "Curiosity" auf dem Roten Planeten gefunden haben könnte. Während die meisten Experten davon ausgehen, dass der Rover eindeutige Beweise für vorhandene organische Stoffe auf dem Mars gefunden hat, die es dann jedoch noch auf ihren biologischen oder geologischen hin zu überprüfen gilt, sehen einige Astrobiologen in dieser Möglichkeit zugleich sogar Beweise für noch heute existierendes Leben auf dem Mars.

Wie der ehemalige NASA-Wissenschaftler und heutige Astrobiologe an der University of Buckingham Gilbert V. Levin gegenüber dem "NewScientist" erklärte, könnte der positive Nachweis organischer Stoffe seine Behauptung bestätigen, dass die NASA bereits mit den Analysen der Viking-Sonden 1976 eigentlich Beweise für aktives Leben auf dem Mars gefunden hatte.

Zuletzt hatte Levin gemeinsam mit Kollegen im vergangenen Frühjahr (2012) eine auf dem heutigen Wissensstand basierende Neuuntersuchung der Daten der "Labeled Release"-Experimente (LR) der NASA-Marssonde "Viking 1" präsentiert. In ihrer damals im "International Journal of Aeronautical and Space Sicences" veröffentlichten Studie kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, "dass diese (neuen) Ergebnisse eine deutliche Unterstützung der Schlussfolgerung darstellen, dass die Viking-LR-Experimente tatsächlich noch vorhandenes Leben auf dem Mars entdeckt haben", (...wir berichteten).


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Sollte "Curiosity" nun Beweise für organische Stoffe auf dem Mars gefunden haben, wie dies viele Beobachter hoffen, "so würde dies auch das letzte Hindernis für meine Interpretation der LR-Ergebnisse aus dem Weg räumen", so Levin gegenüber dem "NewScientist" (newscientist.com).

Während die Entdeckung organischer Moleküle alleine noch nicht als Beweis für Leben gelten würde, wäre das Vorhandensein dieser Stoffe andererseits für sich betrachtet aber auch noch keine Sensation, sondern vielmehr geradezu zu erwarten, da organische Stoffe mit Meteoriten im ganzen Sonnensystem verteilt werden.

Der Umstand, dass die Ergebnisse der LR-Experimente jedoch ursprünglich derart interpretiert wurden, dass es - zumindest in der Grabungstiefe im Boden der Viking-Landestelle - keinerlei organische Moleküle gab, schloss die Vorstellung von aktuell vorhandenem Leben nach irdischem Vorbild geradezu kategorisch aus und - so kritisieren einige Forscher - bremste die Bestrebungen einer weiteren Suche nach Leben auf dem Mars für viele Jahre aus.

Zugleich zeigt sich Levin überzeugt, dass selbst wenn die aktuelle Entdeckung auch die letzten Argumente gegen seine Interpretation auflösen würde, das vorherrschende Paradigma, nachdem Viking kein Mars-Leben gefunden hat, nicht von heute auf Morgen umkehren würde.

Auch Chris McKay vom Ames Research Center der NASA zeigt sich gegenüber dem "NewScientist" diesbezüglich vorsichtig: "Das wäre wahrscheinlich nicht so aufregend, wie die zahlreichen Internetgerüchte (über die Entdeckung)". Dabei gehört McKay mit großer Sicherheit zu jenem Personenkreis, der schon heute ganz genau weiß, was "Curiosity" auf dem Mars gefunden hat.

Zugleich teilt McKay aber mit Levin die Ansicht, dass der Nicht-Nachweis organischer Stoffe durch Viking und die spätere Phoenix-Sonde auf dem Mars alleine noch nicht automatisch auch dortiges aktives Leben ausschließen kann, da in der chilenischen Atacama-Wüste rekonstruierte Viking-LR- und Phoenix-Experimente trotz dort zweifelsfrei vorhandener organischer Stoffe, diese nicht nachweisen konnten (...wir berichteten).

Spätestens am 7. Dezember wissen wir alle mehr. Dann endet das Herbsttreffen der "American Geophysical Union" (AGU), auf dem Grotzinger die angekündigte Entdeckung präsentieren will.

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Quelle: newscientist.com
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