Dienstag, 11. Dezember 2012

Online-Kontroverse um Medwedews Alien-Gag


Standbild aus dem vollständigen Interview-Mitschnitt, vor Beginn von Medwedews Antwort (s. Video Nr. 2 i.d. Meldung).
| Copyright/Quelle: PEN / http://www.youtube.com/watch?v=NDZmaww9vos


Moskau (Russland) - Der angeblich unbeabsichtigte Mitschnitt einer Antwort des russischen Präsidenten Dmitri Anatoljewitsch Medwedew auf die Frage einer Journalistin, was er über Außerirdische und deren Besucher auf der Erde wisse, sorgt derzeit vor allem im Internet für Kontroversen und aufblühende Verschwörungstheorien. Dabei sind sich UFO-Forscher und politische Beobachter mehrheitlich einig in der Interpretation der Aussage, als gut gespielten Gag des Präsidenten.

In Deutschland ist es vornehmlich die Initiative "Exopolitik Deutschland" (exopolitik.org) die sich derartiger Verlautbarungen von Politikern annimmt. Auch in diesem Fall haben die Aktivisten um Robert Fleischer seit der Veröffentlichung der Mitschnitte auf diversen Online-Video-Plattformen und -kanälen die Hintergründe recherchiert und zunächst eine Übersetzung aus dem Russischen erstellt.

Video 1

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Reporterin: "Herr Ministerpräsident, Sie wissen ja absolut alles. Nun sind ja zum Beispiel auf der Erde Außerirdische angekommen, so kleine Wesen..." (Rest unverständlich)

Medwedew: "Ich sage es Ihnen zum ersten und letzten Mal. Zusammen mit dem Atomkoffer wird dem Präsidenten eine spezielle Mappe übergeben. Auf dieser ist geschrieben: 'Absolut geheim'. Und sie ist vollständig, umfassend den Außerirdischen gewidmet, die unseren Planeten besuchten. Gleichzeitig übergibt man dem Präsidenten einen Bericht von absolut geheimen Spezialdiensten, die sich mit der Kontrolle dieser Ankömmlinge auf dem Territorium unseres Landes befassen. Diese beiden Mappen werden mit dem Atomkoffer bei Ende einer Präsidentschaft dem neugewählten Präsidenten übergeben. Weitere detaillierte Informationen über dieses Thema können Sie bekommen, wenn Sie sich den bekannten Dokumentarfilm 'Men in Black' anschauen."

Reporterin: "Wieviele von 'ihnen' sind unter uns?"

Medwedew: "Wie viele unter uns sind, werde ich nicht sagen. Denn das kann Panik auslösen."


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Zu den Hintergründen des Videos berichtet Exopolitik.org folgendes:

"Am 7. Dezember 2012 um 9 Uhr mitteleuropäischer Zeit übertrugen fünf russische Fernsehsender (Erstes russisches Fernsehen, Rossija-1, REN TV, NTW und Doschd) eine Live-Debatte mit dem amtierenden Ministerpräsidenten der Russischen Föderation, Dmitri Medwedew. Die Nachrichtenagentur Reuters erhielt das Live-Video der Sendung nach eigenen Angaben als Pool-Signal. (Quelle: Reuters)

Zur Erklärung: In der Regel wird der Live-Videofeed von Nachrichtenagenturen bereits übertragen, noch bevor das eigentlich zu übertragende Ereignis begonnen hat; hier wurde der Videofeed zu Reuters offenbar nicht zeitgleich mit Ende der Sendung beendet.

In der Sendung selbst hatte sich Medwedew zuvor zu den vier wichtigsten Kritikpunkten geäußert, die derzeit gegen die russische Regierung vorgebracht werden: die Gesetze über Nichtregierungsorganisationen (NGO) und ausländische Agenten, über Kundgebungen und Verleumdung sowie die Strafgesetze über Landesverrat. (Quelle: RIA NOVOSTI)

Nach Ende dieser Sendung beantwortete Medwedew eine Reporterfrage - nach Angaben von Reuters habe er dabei (angeblich) nicht gewusst, dass die Mikrofone noch eingeschaltet waren. Es ist nicht klar, auf welche Weise das Video seinen Weg in die Öffentlichkeit fand - das YouTube-Video lässt jedoch darauf schließen, dass der Clip im Rahmen einer Nachrichtensendung im russischen Fernsehen lief, da unmittelbar nach Ende des Interviewausschnitts eine Moderatorin im Studio zu sehen ist."

Tatschlich ist es beim Anblick der Bilder und des Interviews mehr als fraglich, dass Medwedew hier geglaubt haben soll, die Kameras wären ausgeschaltet. Zu professionell setzt er das Interview fort und wird dabei schließlich auch weiterhin gezielt gefilmt, fotografiert und macht ganz und gar nicht den Eindruck, als fühle er sich gerade medial "unbeobachtet".


Nachdem zunächst noch einige Beobachter an einem Scherz Medwedews zweifelten, wurde kurze Zeit später ein weiteres Video veröffentlicht, das nun auch sozusagen die Vorgeschichte sowie die einleitende Frage der Reporterin offenbart:

Video 2

Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

Die vollständige Frage an Medwedew lautet also: "Es gibt die allgemeine Meinung, dass der anstehende (quasi frisch gewählte) Präsident eine Vielzahl an Mappen bekommt..." (an dieser Stelle beginnt Medwedew zu lachen) "...auf denen 'Top Secret' steht..." (Medwedew lacht jetzt nicht mehr) ..."und dort stehen alle Geheimnisse der Welt drin, und dass Sie absolut alles wissen..." Der Rest der Frage der Reporterin ist bereits aus dem 1. Video bekannt (s. Video u. Übersetzung o.).

"Es erscheint nun besser nachvollziehbar, wie Medwedew die Frage der Reporterin aufgefasst hat", kommentiert Fleischer: "Erstens deutet Medwedews Lachen darauf hin, dass er die Frage eher als scherzhaft betrachtete, bevor er eine scheinbar todernste Antwort gab. Zweitens hat die Reporterin ihm mit ihrer Frage nach 'Mappen' für den frisch gewählten Präsidenten eine regelrechte Steilvorlage für seine Antwort geliefert. Es erübrigt sich also auch die oben aufgeworfene Frage, wie Medwedew sich in so kurzer Zeit eine derart komplexe Antwort überlegen konnte. Somit fällt auch der Eindruck weg, dass Medwedew ein vorbereitetes Statement äußerte."

Schon vor Veröffentlichung des zweiten Videos zeigten sich auch russische UFO-Forscher und Beobachter von einem Scherz Medwews überzeugt: "Der in Kiew geborene US-Journalist Paul Stonehill, der als Experte für das UFO-Forschungsprogramm der Sowjets gilt, hält die Äußerung Medwedews für 'kruden russischen Humor': 'Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew hat sich hier bei seiner Aussage einen Witz über Aliens erlaubt; dieser Ansicht sind angesehene russische und ukrainische UFO-Forscher und Autoren von UFO-Büchern. (...) Einer meiner ukrainischen Kollegen erwähnte, dass niemand in den früheren Sowjetrepubliken (...) das für bare Münze nimmt, und dass es dem Humor von Medwedew entspricht.' (Quelle: presidentialufo.com)

Obwohl die Aussage Medwedews weithin und selbst unter UFO-Forschern und Exopolitik-Aktivisten, die "sich zum Ziel gesetzt haben, die Verschleierung der außerirdischen Präsenz auf der Erde nicht länger hin zu nehmen", da die "überwältigenden Beweise für außerirdische Besucher, die in den Massenmedien geführte hypothetische Debatte über deren Existenz überflüssig" mache, sowie politische Beobachter die Aussagen Medwedews als offenkundiger Gag des russischen Präsidenten gilt, sorgt das Video weiterhin nicht nur im Internet für Kontroversen und befeuert weiterhin Verschwörungstheorien, die selbst bis in Europäische Parlament vorgedrungen sind.

Der umstrittene italienische EU-Abgeordnete der rechtspopulistischen Partei "Lega Nord", der schon im Juni 2010 eine schriftliche Erklärung zur Beendigung der UFO-Geheimhaltung ins EU-Parlament eingebracht hatte, äußerte sich laut der italienischen Tageszeitung "Il Fatto Quotidiano" wie folgt zum Video und zu Medwedews Antwort: "Ich weiß mit Sicherheit, dass sie uns ausspähen, sie halten uns unter Kontrolle. (...) Sie haben Angst, dass wir Atomwaffen anwenden könnten. Medwedew ist die Wahrheit herausgerutscht (...) Es gibt ein Komplott, um diese vernichtende Realität geheim zu halten. Dies hat mir ein linker Europaparlamentarier gesagt, ein gewissenhafter Forscher." Jetzt will Borghezio EU-Parlament mobilisieren und hofft dabei auf parteiübergreifende Unterstützung: "Die Politik kann dieser Frage nicht länger ausweichen". Ob Borghezio damit Erfolg allerdings haben wird, darf bezweifelt werden - wurde doch schon seiner erster Parlamentserklärung aufgrund seiner rechtskräftigen Verurteilung wegen rassistischer Übergriffe nicht gerade viel Aufmerksamkeit zuteil. Das Outing Medwedews Aussage als Gag-Antwort durch das zweite, längere Video, dürfte sein Übriges in dieser Sache bewirken.

Eine Verschwörungstheorie ganz anderer Art wirft die Berichterstattung der deutschen zeitung "Die Welt" über Medwedews angeblichen "Mikrofon-Patzer" auf und fragt, ob es sich bei dem Video und dessen Veröffentlichung im Internet um eine PR-Aktion des Ministerpräsidenten selbst handelt. Die ursprüngliche Quelle des Videos sei schließlich und ausgerechnet der staatliche Sender "Russia Today" gewesen. Laut "Die Welt" vermuten russische Medien einen PR-Schritt, "um Medwedjews Popularität beim Internet-Publikum zu erhöhen". Darauf deute auch das Video selbst hin: "...für einen Zufall ist die Bewegung der Kamera, die Medwedjews Gesicht folgt, zu genau." Wurde das Video also doch mit einer bestimmten Absicht gestreut? Als PR-Material für Medwedew ist es jedenfalls doch eher ungeeignet, schlussfolgert "Die Welt" - hatte sich Medwedew im selben Interview u.a. doch auch abfällig über polizeiliche Ermittler in seinem Land geäußert.

Schlussendlich steht zudem die Frage im Raum, wieso der eigentlich wichtige Einstieg aus dem ersten Video herausgeschnitten wurde? War es etwa die Absicht des entsprechenden YouTube-Users, dem Betrachter vorzugaukeln, dass Medwedew hier eine ernsthafte Antwort gibt?

- Weitere Informationen auch zu den Aussagen anderer russischer Politiker bezüglich UFOs und Außerirdischen und dem sowjetischen UFO-Forschungsprogramm "SEKTA" finden Sie auf den Seiten von Exopolitik.org.

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Quellen: youtube.com, exopolitik.org
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