Montag, 30. Dezember 2013

Autor will Rätsel um "Djatlow-Pass-Unglück" gelöst haben


Eine der wohl letzten Aufnahmen der Gruppe selbst, zeigt einige Mitglieder noch am 1. Februar 1959 im Basislager. Das Foto stammt aus einer Filmrolle, die von den Suchtrupps vor Ort gefunden wurde. | Copyright: gemeinfrei

Malibu (USA) - Das "Unglück am Djatlow-Pass" gilt sowohl unter Bergwanderern als auch unter Freunden des Rätselhaften auch noch nach bald 55 Jahren als Mysterium und als Grundlage so mancher Gruselgeschichte am Lagerfeuer: In der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 1959 fanden neun ski-wandernde Studenten des Polytechnischen Instituts des Ural am östlichen Hang des Berges Cholat Sjachl im nördlichen Ural einen ebenso mysteriösen wie bis heute ungeklärten Tod. Seither spekulieren Wissenschaftler, Forscher und Laien darüber, was sich damals im Lager der Wanderer am "Berg der Toten" ereignet hatte. Ein US-amerikanischer Autor glaubt nun eine Erklärung für die mysteriösen Vorfälle und Umstände gefunden zu haben.

Nachdem die Gruppe noch bis zum 20. Februar 1959 von ihrer Tour nicht zurückgekehrt war, begab sich eine Gruppe von freiwilligen Studenten und Lehrern - später auch mit Unterstützung von Armee und Miliz mit Flugzeugen und Hubschraubern - auf die Suche nach den Vermissten.


Am 26. Februar erreichten die Rettungsteams das verlassene Camp der Gruppe. Das Zelt der Skiwanderer war stark beschädigt. Eine Spur von Fußabdrücken führte hangabwärts zur Grenze eines nahegelegenen Waldes, an dessen Rand der Suchtrupp die Überreste eines Feuers sowie die ersten beiden Leichen entdeckten. Beide waren barfuß und nur mit Unterwäsche bekleidet. In wenigen hundert Metern Entfernung fanden sich dann auch drei weitere Leichen. Die Leichen der restlichen Mitglieder der Gruppe wurden erste zwei Monate später unter meterhohem Schnee entdeckt.



Originalaufnahme des Suchtrupps am stark beschädigten und verlassenen Zelt der Gruppe. | Copyright: gemeinfrei

Untersuchungen der Todesfälle kamen damals zu dem Ergebnis, dass die Wanderer ihr Zelt von innen aufgeschlitzt und dieses barfuß und nur leichtbekleidet verlassen hatten. An den Leichen fanden sich keine Anzeichen eines Kampfes. Dennoch wiesen zwei Opfer Schädelbrüche auf, zwei andere hatten gebrochene Rippen, und einem weiblichen Opfer fehlte sogar die Zunge. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Kleider radioaktiv verseucht waren, während eine Quelle dieser Strahlung vor Ort nicht ausgemacht werden konnte. Zudem berichteten Angehörige, allerdings erst nach den Beerdigungen, dass die Haut der Opfer tief gebräunt ausgesehen habe und die Haare komplett grau gewesen seien.


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Sowjetische Untersucher legten sich abschließend nur darauf fest, dass "höhere Gewalt" zu den Toden führte. Der Zugang zu dem Gebiet wurde für drei Jahre nach dem Unglück gesperrt.



Gruppenbild von vier der insgesamt neun Gruppenmitglieder. | Copyright/Quelle: Dyatlov Memorial Foundation

Die Ergebnisse der Untersuchungen fasst die deutsche Wikipedia wie folgt zusammen:

Eine gerichtliche Untersuchung wurde sofort nach dem Fund der ersten fünf Todesopfer begonnen. Die Obduktion fand keine tödlichen Verletzungen, was zum Schluss führte, dass alle an Unterkühlung gestorben waren. Eine Person hatte einen kleinen Riss im Schädel, von dem allerdings angenommen wurde, dass es keine tödliche Verletzung war.
Die Untersuchung der vier im Mai gefundenen Leichen zeigte ein anderes Bild. Drei Körper wiesen schwere Verletzungen auf: Die Leiche von Thibeaux-Brignolle hatte schwere Schädelfrakturen und Dubunina und Solotarew wiesen Rippenbrüche auf.

Die Kraft, die dafür nötig war, verglich ein Experte mit der eines Autounfalls. Bemerkenswert ist, dass die Leichen keine äußerlichen Wunden aufwiesen. Einer der beiden Frauen fehlten Teile ihres Gesichtsschädels, da sie unter der Eisdecke mit dem Gesicht in einem Fluss lag.


Zwischenzeitlich wurde angenommen, dass Angehörige des Volkes der Mansen die Gruppe angegriffen hatten, da diese in ihr Land eingedrungen war. Die Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Umstände der Tode nicht zu dieser Theorie passen. Nur die Fußabdrücke der Wanderer waren zu sehen. Zudem waren keine Anzeichen für einen Kampf zu finden, und das Gebiet, in dem die Leichen gefunden wurden, zählte auch nicht zu bedeutenden, heiligen Plätzen des indigenen Volkes, die sie gegebenenfalls hätten verteidigen wollen.


Es gibt Beweise für das fluchtartige Verlassen des Zeltes während der Nacht.


Obwohl die Temperatur sehr niedrig war (ca. -25 °C bis -30 °C) und ein starker Wind wehte, waren die Toten nur leicht bekleidet. Einige hatten nur einen Schuh an, während andere gar keine trugen, sondern nur Socken. Weitere trugen Fetzen, abgeschnitten von der Kleidung der Toten.


In den noch vorhandenen Teilen der damaligen Untersuchungsakten wird folgendes festgestellt:


- Sechs der Gruppenmitglieder starben an Unterkühlung und drei an tödlichen Verletzungen.


- Es gab keine Hinweise auf weitere Personen neben den neun Wanderern am Cholat Sjachl oder in der Nähe.


- Das Zelt wurde von innen aufgeschlitzt.


- Die Opfer starben sechs bis acht Stunden nach ihrer letzten Mahlzeit.


- Spuren beim Camp zeigten, dass alle Personen inklusive derer, die verletzt gefunden wurden, eigenständig das Lager zu Fuß verließen.


- Bezüglich der Annahme eines Angriffs von Mansen erklärte ein Arzt, dass die tödlichen Verletzungen bei den drei Leichen nicht von Menschenhand erzeugt werden konnten, "weil die Kraft der Stöße zu stark war und keine Weichteile verletzt wurden".


- Forensische Strahlungstests zeigten hohe Dosen an radioaktiver Strahlung an den Kleidungsstücken der Opfer.


Das letztendliche Urteil war, dass alle Gruppenmitglieder an einer "höheren Gewalt" starben. Die Untersuchung wurde offiziell im Mai 1959 wegen der "Abwesenheit einer schuldigen Partei" eingestellt. Die Akten wurden in einem geheimen Archiv versteckt. Kopien tauchten erst in den 1990ern auf, allerdings fehlen einige Seiten.
Zur Erklärung für die bizarren Umstände wurden seither verschiedenste Theorien angeführt. Während die einen Vermuten, dass die Studenten Opfer einer Militäroperation oder gar eines geheimen Nukleartests wurden (letzteres sollte die gemessene Strahlung erklären, für die jedoch vor Ort keine Quelle gefunden werden konnte) und es in der Folge zu Vertuschungsversuchen durch die Behörden und Militärs kam, vermuten andere Theorien eine exotischer bis übernatürliche Ursachen. So sind es vornehmlich die bizarren Todesumstände und die inneren schweren Wunden, zudem das Fehlen der Zunge eines Opfers, die für einige Beobachter in Richtung bekannter Phänomene wie Tierverstümmelungen oder auf einen Angriff eines mystischen Wesens, ähnlich einer Poltergeisterscheinung oder der vampirartigen sogenannten Chupas deuten.


Weiteres Gruppenbild einiger Teilnehmer kurz vor dem Aufbruch. | Copyright: gemeinfrei

Damit einhergehend wird das "Unglück am Djatlow-Pass" von einigen Autoren immer wieder auch bizarren Ausformungen des UFO-Phänomens zugeschrieben. Tatsächlich berichtete eine andere Gruppe von Wanderern, die ca. 50 Kilometer südlich des Unglücksorts unterwegs war, in der Nacht des Unglücks ungewöhnliche, orangefarbene Kugeln am Nordhimmel beobachtet zu haben. Ähnliche "Kugeln" wurden in Iwdel und angrenzenden Gebieten von verschiedenen unabhängigen Augenzeugen sowie dem meteorologischen Dienst und dem Militär zwischen Februar und März 1959 beobachtet. Eine später für diese Sichtungen präsentierte Erklärung vermutet, dass es sich bei diesen "Kugeln" um den Schweif von R-7-Interkontinentalraketen gehandelt habe.


Andere Autoren wiederum sehen eine Kombination aller zuvor genannten Faktoren als des Rätsels Lösung an - eine Vorstellung, die gerade auch Eingang in die filmische Rezeption der Ereignisse, beispielsweise im Hollywood-Shocker "Devil's Pass" im Stile der sog. Found-Footage-Filme (bsp. Blair Witch Project) Eingang fand.



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Der Umstand, dass die offiziellen Untersuchungsakten umgehend unter Verschluss gerieten und selbst in den später aufgetauchten Akten bis heute einige Seiten fehlen, spielte in den Folgejahren der natürlich auch Mythenbildung und Spekulation rund um das Ereignis am später nach dem Gruppenanführer Igor Djatlow benannten Djatlow-Pass zu.


In seinem neuen Buch "Dead Mountain: The Untold True Story of the Dyatlov Pass Incident" beschreibt nun der US-Autor Donnie Eichar seine Theorie zu den Vorgängen. Eichar selbst wurde durch die TV-Dokuserie "The Buried Life" bekannt, in der Teilnehmer eine Liste von 100 Dingen "abarbeiten" mussten, die sie noch vor ihrem Tod getan haben wollten.


Eichar erklärt, die Umstände der Ereignisse am Djatlow-Pass vier Jahre lang recherchiert und untersucht zu haben. Er selbst Rekonstruierte zudem die Vorgänge in einer winterlichen Expedition vor Ort.


Gemeinsam mit Dr. Alfred J. Bedard, Jr. und anderen Wissenschaftlern der US- Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) habe will er auf dieser Grundlage eine Theorie entwickelt haben, die besonders das offenbar mehr als irrationale Verhalten der Wanderer erklären könne.


Wie Eichar in einem Interview mit dem "Failure Magazine" (failuremag.com) vorab erläutert, hält er eine besondere Art von wiederkehrenden Höhenwinden, wie sie durch die spezielle Topografie des "Todesberges" hervorgerufen werden können, und damit einhergehende Infraschall-Phänomene für den Auslöser des Panikverhaltens der neun Bergwanderer.


Während sich Eichar über die genauen Spezifikationen im Failure-Interview bedeckt hält und auf sein Buch verweist, ist jedoch von früheren Experimenten hinlänglich bekannt, dass Infraschall (Frequenzen niedriger als 20 Hz), der vom menschliche Ohr in der Regel nicht bewusst wahrgenommen wird, tatsächlich zu panikartigen Zuständen führen kann. Schon der etwa in den Alpen bekannte Föhnwind ist eine starke Infraschallquelle im Bereich von 0,01 bis 0,1 Hz, was auch das von den Anwohnern beschriebene mit dem Föhn einhergehende Unwohlsein erklärt.


Zum Thema

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Während die genauen Auswirkungen auf den Menschen immer noch umstritten sind, vermuten einige Forscher auf der Grundlage von Experimenten, dass Infraschallphänomene - künstlich oder auf natürlichem Wege erzeugt - die Ursache einer ganzen Bandbreite von Phänomenen und Erfahrungen sein könnten, die wie etwa Spuk, Erscheinungen und außerkörperlicher Erfahrungen, allgemein in den Bereich des Paranormalen verlegt werden.


Wie jedoch eine durch natürlich auftretenden Infraschallphänomene erzeugte Panik lediglich zu schweren inneren - aber nicht zu äußeren - Verletzungen, wie sie nicht mit menschenmöglichem Kraftaufwand erzeugt werden können, führen soll bleibt bislang unbeantwortet. (Anm.d.GreWi-Red.: Das Buch "Dead Mountain" lag uns zum bei Redaktionsschluss dieser Meldung noch nicht vor.)


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Quellen: failuremag.com, wikipedia.de
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