Montag, 8. September 2014

DNA-Analyse soll Jack the Ripper identifiziert haben


DNA-Analysen legen nahe, dass Aaron Kosminski der legendäre "Ripper" war. | Copyright: Public Domain

London (England) - Mit einer "World Exclusive"-Schlagzeile machte am Wochenende die britische "Mail on Sunday" von sich reden und erklärte, dass ein Amateurforscher gemeinsam mit Genetikern die Identität des legendenumwobenen Massenmörders Jack the Ripper 126 nach dessen Taten mittels DNA-Analysen offenbaren konnte. Demnach soll es sich bei dem Ripper um den Friseur und polnischen Immigranten Aaron Kosminski gehandelt haben.

Die mindestens fünf Morde an Prostituierten in Stadtviertel Whitechapel im Londoner East End im Herbst 1888 sorgten von jeher für eines der größten Mysterien der Kriminalgeschichte und zugleich natürlich auch für so manche Spekulation, Verschwörungstheorie und Inhalte zahlreicher Bücher, Dokumentationen und Kinofilme.


Wie die "Mail" berichtet, fanden sich die DNA-Spuren auf einem Schal, der bei der Leiche eines der Ripper-Opfer, der Prostituierten Catherine Eddowes, gefunden und auf dem das Blut der Frau als auch ihres Mörders entdeckt wurde.



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Der Schal selbst wurde 2007 von dem Geschäftsmann Russel Edwards auf einer Auktion ersteigert und die DNA-Analyse mit Hilfe des als Experte für genetische Kriminialbeweise bekannten Molekularbiologen und Forensikexperten Dr. Jari Louhelainen von der Liverpool John Moores University analysiert. Am 9. September erscheint Edwards Buch "Naming Jack the Ripper" erstmals auf Englisch.


Anhand der Blutspuren und neuster Analysemethoden gelang es Louhelainen nicht nur 126 Jahre alte DNA aus dem Material zu extrahieren, sondern diese auch mit der von Nachkommen Eddowes und Kosminski erfolgreich zu vergleichen.

Zunächst zeigte eine mikroskopische Analyse und eine Untersuchung mittels Infrarot-Spektroskopie, dass es sich um arterielles Blut handelte, das nur vom blutigen Aufschlitzen Catharine Eddowes selbst stammen konnte. Auch Spuren von Nierenzellen, deuteten auf den Mord an der Prostituierten hin, da dieser vom Ripper eine Niere entfernt worden war.


Untersuchungen mit Hilfe von UV-Licht offenbarten dann auch Spermaspuren auf dem Schal, die - so die Argumentation der Kriminalisten - nur vom Mörder, also von Jack the Ripper selbst stammen konnten.



Zeitgenössische Darstellung der Auffindung er Leiche eines der Opfer von Jack the Ripper.

Aus den Blutspuren konnte mitochondriale DNA der weißen Blutzellen gewonnen werden. Da diese sog. m-DNA nur von den Müttern vererbt wird, brauchten die Forscher zur Bestätigung, dass es sich tatsächlich um das Blut von Eddowes handelt eine Vergleichsprobe mit einem Nachkommen der Prostituierten, wie sie sich in der Person einer Ur-Ur-Urenkelin von Catharine Eddowes fand.


Der Nachweis des Täters anhand der Spermaspuren war hingegen schon schwieriger, da die Spermien-DNA bereits zerfallen war. Aus diesem Grund konzentrierten sich die Forscher auf die Suche nach Epithelzellen der Harnröhre, aus der die Ripper-DNA extrahiert werden konnte. Anhand eines Vergleich mit der DNA von Nachkommen der Tatverdächtigen konnte schlussendlich dann Kosminski als Jack the Ripper identifiziert werden


Kosminski galt schon während der eigentlich Untersuchungen als einer der Hauptverdächtigen und auch in den folgenden Jahrzehnten wurde er neben dem Enkel von Königin Victoria, Prince Albert Victor, dem Spätimpressionisten Walter Sickert oder auch dem früheren Premierminister William Gladstone immer wieder als einer der Hauptverdächtigen diskutiert.


Zwar galt Kosminski schon während der ersten polizeilichen Untersuchungen als paranoid-schizophren, litt an auditiven Halluzinationen und wurde als "ein sich selbst misshandelnder, masturbierender Frauenhasser" beschrieben, doch hatte die Polizei außer einer passenden Zeugenbeschreibung nicht genügend Beweise an der Hand, um ihn länger als 24 Stunden festzusetzen. Danach verbrachte er den Rest seines Lebens in zeitgenössischen psychiatrischen Anstalten.


Die Analysen, so zeigt sich Edwards überzeugt, "belegen nun nicht nur, dass der Schal (dessen Herkunft lange Zeit als umstritten galt) tatsächlich jener Schal war, der im September 1888 neben der blutüberströmten Leiche von Catherine Eddowes gefunden wurde, sondern auch, dass sich darauf auch das Blut eines der Hauptverdächtigen, Aaron Kosminsk, befindet."

Mit Veröffentlichung der Analyseergebnisse treten aber auch schon erste Kritiker auf den Plan. Diese bemängeln zum einen, dass die Ergebnisse zuerst in der "Mail on Sunday" und nicht in einem Fachartikel veröffentlicht wurden und auch, dass ein solcher Artikel bislang auch bei keinem wissenschaftlichen Fachjournal zur Expertenbegutachtung (Peer Review) eingereicht, geschweige denn publiziert wurde. Zudem könnten Spermienspuren des in Whitechapel lebenden Kosminskis auch auf andere Weise auf den Schal einer Prostituierten gelangt sein. Zudem sei die Aufklärung eines der angeblichen Ripper-Morde nicht zwangsläufig auch der Beweis dafür, dass besagter Täter auch für die Morde an den anderen Frauen veranwtortlich war.


- Den vollständigen Artikel der "Mail on Sunday" finden Sie HIER


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Quelle: dailymail.co.uk
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