Dienstag, 14. August 2007

ANORGANISCHE LEBENSFORMEN IN PLASMA MÖGLICH

Archiv: Hubble-Panoramaaufnahme des Carinanebels | Copyright: NASA/ESA

Russland, Deutschland, Australien – Einem internationalen Team von Wissenschaftlern ist es gelungen, Bedingungen zu simulieren, unter denen sich innerhalb von Plasmafeldern anorganische Partikel zu Strukturen anordnen können, deren Merkmale und Verhalten den Definitionen für Leben entsprechen.

Wie „Physorg.com“ berichtet, belegen die Versuchsergebnisse, dass es jenseits unserer Erde Lebensformen geben könnte, die nicht auf organischen Kohlenstoff-Molekülen basieren. Ähnliche Umstände fänden sich zum Beispiel in interstellarer Materie.

Gemeinsam mit dem „Max-Planck Institut für extraterrestrische Physik“ in Garching und der „University of Sydney“ in Australien hat V. N. Tsytovich vom Physikalischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau das verhalten komplexer Ansammlungen von anorganischer Materialien in Plasmafeldern studiert. (Unter Plasma versteht man den gasförmigen, so genannten „Vierten Aggregatzustand“ jenseits der festen, flüssigen und gasförmigen Zustände, in dem freie Elektronen und ionisierte Atome vorkommen.)

Wie das Team im „New Journal of Physics“ berichtet, gelang der Nachweis der bisher lediglich vermuteten Selbstorganisation dieser Partikel mittels eines Computermodels. Darin zeigte sich, dass sich das Plasma polarisiert und sich dabei mikroskopisch kleine, korkenzieherförmige Stränge fester Partikel bilden. Diese spiralförmigen Strukturen sind elektrisch geladen, ziehen einander an und interagieren miteinander. Zudem zeigten sich im Modell Verhaltensveränderungen, wie sie sonst charakteristisch für biologische Moleküle, wie etwa DNS (DNA) und Proteine, sind. So können sich die Strukturen teilen oder gabelförmig aufspalten, um Kopien der Originalstruktur zu erzeugen, die dann erneut mit Nachbarstrukturen interagieren können um gemeinsam weitere Strukturen zu bilden. Dabei kommt es teilweise sogar zu evolutionsartigen Prozessen, wenn etwa schwache Strukturen zusammenbrechen und lediglich die stärkeren sich im Plasma „vermehren“.

Da sich die notwendigen Plasma-Eigenschaften überall im Kosmos finden, spekulieren die Forscher nun, ob sich auf dieser Weise auch innerhalb interstellarer Staubfelder ein derartiges lebendiges Verhalten entwickelt haben könnte.

Anzeige:

- - -

Zugleich gehen sie noch einen Schritt weiter, denn derartige Plasmen können sich auch innerhalb der Erdatmosphäre – etwa in Blitzen – bilden. Möglicherweise haben sich darin lange vor der Entstehung des organischen Lebens auf unserem Planeten entsprechen anorganische Lebensformen entwickelt, die dann als Vorlage für die Entwicklung des heutigen organischen Lebens gedient haben.

„Diese komplexen, sich selbst-organisierenden Plasmastrukturen zeigen alle Eigenschaften auf, um sie als anorganisches Leben bezeichnen zu können“, zitiert „Physorg.com“ den Plasmaforscher Tsytovich, „sie verhalten sich eigenständig, reproduzieren und entwickeln sich weiter.“

Quellen: phsyorg.com / IoP / op.org/EJ/njp
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE