Pater Pio | Cyopyright: unbek.Turin/ Italien – Der Kapuzinerorden hat Anschuldigungen des Historikers Sergio Luzzatto von der Universität Turin aus dessen Buch über den italienischen Volksheiligen, wonach sich der Mönch seine Stigmata-Wunden mittels Säure selbst zugefügt haben soll.
Der Turiner Historiker Luzzatto legt in seinem kommende Woche erscheinenden Buch „Wunder und Politik im Italien des zwanzigsten Jahrhunderts“ die Aussagen des Apothekers Valentini Vista aus Foggia dar, der den Padre selbst kannte und von diesem über seine Kusine, die ebenfalls eine Apotheke betrieb, um ein Fläschchen Karbolsäure zur Wundbehandlung gebeten wurde. Dies an sich wäre nicht verwunderlich, da Karbolsäure damals ein oft verwendetes Mittel zur Wundsterilisation war. Als Pater Pio später dann jedoch, mit der Bitte um höchste Verschwiegenheit eine tödliche Menge des Nervengiftes Veratrin bestellte, meldete der fromme Apotheker dies seinem Bischof. Die Unterlagen von Vista, darin beinhaltet auch die schriftliche Bestellung des Paters, lagern bis heute im vatikanischen Archiv.
Ähnlich wie schon Apotheker Vista, so sieht auch der Historiker Luzzato in diesen Bestellungen einen Hinweis darauf, dass sie der Padre seinen berühmten Wundmale möglicherweise mittels der Säure selbst zugefügt hatte. So ist es mit Karbolsäure durchaus möglich, sich dauerhafte Wunden zuzufügen, während das muskellähmende Veratrin gegen Schmerzen unempfindlich machen kann. „Statt Veilchenduft, dem Aroma der Heiligkeit“ so Luzzato, „scheint sich von der Zelle des Heiligen die Ausdünstung von Säure und Gift, der Gestank der Schwindelei, verbreitet zu haben.“
Der Sprecher der Kapuziner Antonio Belpiede erklärt hingegen in der Tageszeitung „Il Gionale“, entschieden, dass das Mittel zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Medizin allgemein Verwendung fand. Zudem könne Karbolsäure zwar Verbrennungen auf der Haut hervorufen, nicht jedoch die Hände völlig durchdringende Wunden erzeugen, wie sie bei Pater Pio nachgewiesen wurden.
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Hintergrund: Padre Pio
1887 als Francesco Forgione in Pietrelcina geboren, galt der Katholische Mönch und Priester als Padre Pio schon zu lebzeiten als Heiliger und wird in Italien als eine Art Staatsheiliger verehrt.
Nach der Schule trat Forgione 1903 dem Kapuzinerorden bei und nahm hier seinen Ordensnamen Pio an, legte am 1907 sein Gelübde ab und wurde am 10. August 1910 zum Priester geweiht. Von 1916 bis zu seinem Tode lebte er im Kloster von San Giovanni Rotondo.
Am 10. September 1910 zeigten sich dann erste Hautrötungen, die sich dann ab dem 20. September zu wirklichen Wunden an Händen, Füßen und Brust ausbildeten. Diese so genannten Stigmata werden im katholischen Glauben auf ein intensives Erleben der Leiden Christi zurückgeführt und als dessen Wundmale betrachtet. In einem Brief, den er vier Wochen nach dem Ereignis an seinen Beichtvater, Pater Benedetto von San Marco in Lamis schreibt, berichtet er: "Stell Dir die Qual vor, die ich dabei erlitt und die ich andauernd empfinde, fast alle Tage. Die Wunde am Herzen blutet ständig, besonders von Donnerstagabend bis Samstag" Danach gab es zahlreiche, von der Kirche angeordnete Untersuchungen. Um die Stigmata vor der Öffentlichkeit zu verbergen, trug Pater Pio fingerlose Handschuhe. Dennoch sprachen sich die Ereignisse um ihn schnell im ganzen Land und international herum und immer mehr Pilger kamen, um sich dem Priester als Beichtvater anzuvertrauen. Trotz bzw. gerade wegen dieser steigenden Popularität wurden die Ereignisse von der Kirchobrigkeit oft mit Zweifel und Kritik betrachtet, sodass Padre Pio teilweise sogar verboten wurde, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen.
Ab 1940 war Pater Pio dann auch als Heiler und Prophet tätig und es geht die Legende, dass er 1947 Karol Wojtyla vorhergesagt habe, dass er später Papst (Johannes Paul II.) und in dieser Position auch Ziel eines Attentats werden würde. Auch wurde berichtet, dass der Pater die Fähigkeit zur Bilokation – also der Gabe, sich an zwei Orten zur gleichen Zeit zu befinden – gehabt habe.
1968 starb Pater Pio im Alter von 81 Jahren und über 100.000 Menschen begleiteten ihn auf seinem letzten Weg. Seither gilt San Giovanni Rotondo als beliebte Pilgerstätte. Nachdem die katholische Kirche jahrelang den eriegnissen um Pater io skeptisch gegenüber stand, wurde er 1997 vom Vatikan zum „Ehrwürdigen Diener Gottes“ erklärt und am 2. Mai 1999 von Papts Johannes Paul II. selig gesprochen. Die Zeremonie ging als „Seligsprechung des Jahrhunderts“ in die Geschichte des Vatikans ein, da der gewaltige Peterplatz vor dem Petersdom zu klein war, um alle Gläubigen aufzunehmen. Am 16. Juni 2002 wurde er schließlich heilig gesprochen.
Quellen: grenzwisenschaft-aktuell.de / oecumene.radiovaticana.org / pater-pio.de
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA:
Papst Johannes Paul II. als Flammenwunder, 16. Oktober 2007
C14-Datierung der Reliquien des Heiligen Franziskus von Assisi, 14. September 2007
