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Donnerstag, 18. Oktober 2007

Todesfall Dr. David Kelly – Keine Fingerabdrücke auf vermeintlicher Selbstmord-Waffe

Der ehemalige Biowaffenexperte des britischen Verteidigungsministeriums Dr. David Kelly | Quelle: dailymail.co.uk

London/ England – Neue Untersuchungen der vermeintlichen Selbstmordwaffe geben Verschwörungstheorien um den angeblichen Selbstmord des Experten für Biowaffen und Berater des englischen Verteidigungsministeriums Dr. David Kelly neuen Auftrieb. An dem Gärtnermesser konnten die Untersucher der Polizei keine Fingerabdrücke finden.

Am 18. Juni 2003 wurde Kelly in einem Waldstück wenige Kilometer entfernt von seinem Wohnsitz mit durchschnittenen Pulsadern und eine leeren Schachtel Schmerztabletten tot aufgefunden. Bislang, so der abschließende Bericht der Untersuchungskommission unter Lordrichter Brian Hutton, gab es keinerlei Anzeichen für eine Fremdeinwirkung – eine Meinung, die nun ernsthaft in Frage gestellt wird, zumal am Tatort auch keine Handschuhe gefunden wurden.

Verschwörungstheoretiker nehmen an, dass Kelly, der im Auftrag der Vereinten Nationen als verantwortlicher Waffeninspektor an der ersten Kontrollmission im Irak beteiligt war, und als Hauptquelle für einen
BBC-Bericht gilt, welcher der britischen Regierung vorwarf, Geheimdienst-Berichte über irakische Massenvernichtungswaffen aufgebauscht zu haben, sich unter dem starken Druck der britischen Regierung das Leben genommen habe – oder sogar ermordet worden sei. Kelly starb einen Tag nachdem er als Quelle des BBC-Berichtes öffentlich bekannt wurde. Nach Bekantwerden von Kellys Funktion als BBC-Quelle, wurde der Wissenschaftler von Regierungsmitgliedern auch in der Öffentlichkeit unter „unerträglichen Druck“ gesetzt, wie seine Witwe später erklärte.

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Der liberaldemokratische Abgeordnete Norman Baker, der eigene forensische Untersuchungen angestellt hatte, fordert nun die Wiederaufnahme des Falles: „Die fehlenden Fingerabdrücke gehören zu den Indizien, die mich zu der Überzeugung kommen lassen, dass Dr. Kelly ermordet wurde. (...) Wenn man sich mit einem solchen Messer auf diese Weise selbst tötet, hinterlässt man zwangsläufig Fingerabdrücke – und wer sich selbst umbringen will, macht sich nicht auch noch die Mühe, die Fingerabdrücke abzuwischen“, zitiert die englische „Daily Mail“ den Abgeordneten.

Auch über die Art der angeblich tödlichen Wunde an Kellys Handgelenk wundert sich Baker. Hier sei nämlich die Ellenarterie durchtrennt worden – eine Arterie, die - von Nerven und Sehnen geschützt - nur schwer zugänglich sei. Es sei, so Baker, also sehr unwahrscheinlich dass jemand durch einen einzigen Schnitt durch diese Arterie verbluten könne, ohne dass die Blutgerinnung den Blutausfluss zuvor stoppt. Man hätte sehr viel Kraft benötigt, um die Sehnen mit einem stumpfen Messer wie der angeblichen Selbstmordwaffe zu durchtrennen – zudem sei dies auch sehr schmerzhaft. Laut Angaben des britischen Statistikamtes war Dr. Kelly das einzige vermeintliche Selbstmordopfer, das aufgrund einer durchtrennten Ellenarterie 2003 verstorben sei.

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Weitere unabhängige Mediziner hegten schon nach Vorlage des Hutton-Reports Zweifel an dessen Schlussfolgerungen und zeigten Unstimmigkeiten in den Obduktionsberichten auf. So hätte weder die Schnittwunde noch die gefundene Medikamente zum Tod führen können. Zudem bestätigten Freunde und Verwandte von Kelly immer wieder, dass dieser nie suizidale Tendenzen gezeigt habe – gerade da die Hochzeit seiner Tochter kurz bevor stand.

Die Witwe von Dr. Kelly ist hingegen weiterhin von der Selbstmordtheorie des Hutton-Reports überzeugt und wollte laut „Daily Mail“ auch kein Kommentar zur neuen Situation abgeben. Ein Polizeisprecher bestätigte indes erneut, dass auf dem Messer keinerlei Fingerabdrücke gefunden wurden. Dies ändere jedoch nicht die offizielle Erklärung für seinen Tod.

Quelle: dailymail.co.uk
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