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Donnerstag, 12. Juni 2008

Einhorn-Rehbock in Italien

Seltene Laune der Natur: Der toskanische einhörnige Rehbock "Prinz" | Coypright: csn.prato.it

Prato/ Italien – In der Toskana sorgt derzeit ein leibhaftiges Einhorn für weltweites Medieninteresse. Auch Forscher sehen darin den Beweis, dass der Mythos vom Einhorn einen wahren Hintergrund haben könnte.

Der Rehbock, der von Schulkindern auf den Namen Prinz getauft wurde, ist gerade einmal zehn Monate alt und lebt im Wildreservat Prato und trägt statt den gewohnten zwei Geweihen lediglich ein einziges Gehörn mitten auf der Stirn.

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Gilberto Tozzi, Direktor des "Centro di Scienze Naturali" (CSN) in Prato zeigt sich stolz über den Schützling, der derzeit weltweit für Schlagzeilen sorgt: "Das ist der Beweis, dass das legendäre Einhorn wirklich existiert haben kann." Ähnliche morphologische Eigenheiten von einzelnen Tieren, hätten in früheren Zeiten durchaus die Grundlage für die Lebenden rund um die Fabelwesen sein können.

Bislang galten hauptsächlich die Zähne des Narwals als Ursprung für den Mythos, da sie jahrhundertelang als vermeintliche Einhorn-Hörner gehandelt wurden.

Hintergrund: Das Einhorn

"Gezähmtes Einhorn" im Palazzo Farnese, von Domenichino, um 1602 | Copyright: Public Domain

Das „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“ (1927) erläutert zum Einhorn folgendes:

„Das Einhorn wird als ein wildes, ungeheuer starkes Tier meist in Pferdegestalt, aber auch antilopen- oder bocksartig gedacht und trägt als Haupteigentümlichkeit ein langes, spitziges, gewundenes Horn mitten auf der Stirn. Auch hat e eine wulstartige Erhebung auf dem Kopf, worin man wohl einen Karfunkelstein sah. Das Tier stirbt in Gefangenschaft. Es ist einsiedlerisch und hasst männliche Wesen.

Von den Sagen über das Einhorn ist sein Kampf mit den Löwen bemerkenswert; dieser stellt sich vor einen Baum und weicht dem anstürmenden Einhorn blitzschnell aus, sodass es sein Horn tief in den Stamm einbohrt und dadurch wehrlos wird. Gelegentlich wird das auch von Menschen, die vom Einhorn angegriffen werden, so gemacht. Vor allem aber war die Sage von seinem Fang durch eine reine Jungfrau verbreitet, zu der das sonst so wilde Einhorn traulich herankommt und seinen Kopf in ihren Schoß legt.

Bücher zum Thema:

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(...) Im Volksglauben hatte das Horn des Einhorns die größte Bedeutung; es galt als kostbarer Talisman, man fertigte Amulette und Ringe daraus. 1416 ließ der Herzog Johann von Burgund an ein Stück Einhorn einen Griff machen, 1565 gab Friedrich II. von Dänemark sein Einhorn gegen eine große Summe als Pfand, ein „probiert und ein rechtes natürliches“ Einhorn wird 1568 für die Pfalz gesichert. Man bezahlte diese Hörner teuer, und so wurde Handel damit getrieben.

(Anm. d. Redaktion v. grenzwissenschaft-aktuell: Die Hörner mit den man im Mittelalter Handel trieb, waren meist Narwalzähne oder passende fossile Funde.)

Man brauchte sie, um festzustellen, ob etwas gift enthalte, so Karl der Kühne, der das Stück eines Einhorns stets auf seiner Tafel hatte, aber auch zu sonstigen Heilzwecken. Daher kommt das Einhorn auch als Giebelschmuck vor, und als Wappentier in der Heraldik war es sehr beliebt; so führten es Dietmar von Aist, der englische Dichter Chaucer, die Markgrafen von Este; da es die Könige von Schottland im Wappen trugen, kam es auch in das englische Staatswappen. Auch Schillers Adelswappen zeigt den Oberleib eines Einhorns.

Die Fabeleien vom Einhorn sind kein bodenständiger deutscher Volksglaube gewesen, sondern sie beruhen, wie die anderen europäischen Einhornsagen, sämtlich auf gelehrter, literarischer Überlieferung aus dem Altertum.“

Die verschiedenen antiken Darstellungen (u.a.: Ktesias, Leibarzt des Artaxerxes II. Memnon; Meganthenes; Physiologos) gehen wahrscheinlich auf eine Vermischung verschiedener altindischer Sagen zurück. Zum einen auf Schilderungen des indischen Nashorns (Rhinozeros), das eine besondere Rolle in der buddhistischen Symbolik spielt - galt es doch in der buddhistischen Literatur als Sinnbild der Tugend, Friedfertigkeit und Weltabgewandtheit. Auch dürfte bei einigen frühen Beschreibungen des Tieres ein Einfluss babylonisch-assyrischer Fabelwesen nachklingen. Zum anderen die weitverbreitete altindische Geschichte eines Einsiedlers mit dem Namen „Einhorn“ (Ekasrnga), den eine Königstochter mit Vorbedacht betört und ihn mit dieser List in den Palast ihres Vaters bringt, wo er die furchtbare Dürre des Landes mit seiner Wunderkraft beseitigen soll.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / csn.prato.it

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