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Montag, 18. August 2008

England: Tägliche Überwachung total

London/ England - Sie sind überall: Private und staatliche Überwachungskameras im öffentlichen Raum und Datenerfassungssysteme etwa an Geldautomaten Geschäften, Banken und Restaurants. Doch kaum irgendwo werden die Bürger derart permanent ausspioniert, wie in Großbritannien. Wöchentlich werden 3254 Daten über den Durchschnittsbürger erhoben, aufgezeichnet und gespeichert.

Der "Sunday Telegraph" hat nun herausgearbeitet, wie sehr nicht nur die britische Regierung ihre Bevölkerung überwacht und dabei auch auf die Daten der privaten Sicherheitskameras und Kreditkartentransfers von Geschäften und Banken zurückgreift.

Dabei handelt es sich um Aufzeichnungen über das Einkaufsverhalten, die mittels Kunden- und Payback-Karten erhoben werden, über Telefonverbindungen, E-Mails, Navigationssysteme bis hin zu Sucheingaben im Internet. Alle diese Daten werden mindestens ein Jahr gespeichert und ihre Verwendung ist meist unbekannt. Sicher ist, dass Behörden und Regierung auf sie zurückgreifen können, wenn es etwa um Strafverfolgung und Terrorfahndungen geht.

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Kritiker sehen in der Datenspeicherung die Gefahr, dass zukünftig auch präventiv gegen vermeintliche Terrorverdächtige lediglich aufgrund einer Auswertung der über sie gespeicherten Daten vorgegangen werden könnte

Alleine der mobile Telefonverkehr des Durchschnittsbürgers von drei Anrufen und mindestens zwei SMS-Nachrichten, führt zur Speicherung der Verbindungsdaten, sowie der jeweiligen Position und dessen Bewegungsrichtung - und dies nicht nur in Großbritannien.

Auch Internetprovider speichern persönliche Daten über die Zugriffe und den Datenverkehr in World Wide Web, sowie E-Mail-Inhalte und Basisdaten. In England werden alle diese Daten von einer Firma namens "Phorm" ausgewertet, um die Online-Gewohnheiten der Briten zu studieren.

Auch Suchmaschinen wie Google, Yahoo & Co speichern neben der entsprechenden IP-Adresse auch die gesuchten Inhalte. Alleine in England sucht jeder Internetnutzer pro Tag nach rund 70 Schlagwörtern.

Was die wenigsten Kunden wissen, Kundenkarten und Payback-Systeme dienen nur in zweiter Linie dem eigentlichen Kundenservice in Form von Rabatten und Sonderaktionen. Anhand der Einkaufdaten lassen sich präzise Verhaltensmuster ablesen und ein erstaunliches Persönlichkeitsprofil jedes einzelnen Kunden erstellen. Alleine der Kauf von Hygieneartikeln lässt intime Rückschlüsse auf das Privatleben und über den medizinischen Zustand der Karteninhaber zu.

Den größten Anteil an öffentlicher Spionage im öffentlichen Raum, nehmen laut dem "Telegraph" in England jedoch jene Daten ein, die mittels privater und staatlicher Überwachungskameras erstellt werden. Innerhalb eines Tages wird demnach der britische Durchschnittsbürger von rund 300, teilweise verdeckten, Überwachungskameras gefilmt. Alleine im Londoner U-Bahnuntergrund gibt es mehr als 8500, in den Zügen 1550 und in den Bussen der Metropole sage und schreibe bis zu 60.000 derartiger Kameras, deren tägliche Daten jeweils mindesten 14 tage lang aufbewahrt werden. Insgesamt, so schätzte eine unabhängige Studie im Jahr 2002, sind in ganz Großbritannien ca. 4,2 Millionen Kameras aktiv. Die Zahl dürfte sich seither wesentlich vervielfacht haben.

Laut einer Studie der Menschenrechts-Organisation "Privacy International" (PI) wird in Deutschland die Privatsphäre der Bürger im EU-weiten Vergleich zwar noch relativ gut geschützt, doch auch hier verschlechtern sich die Werte Jahr für Jahr in gleichem Maße, wie die Überwachung durch private und staatliche Stellen zunimmt.

HIER finden Sie die Auswertung der PI-Studie aus dem Jahr 2007

Bücher zum Thema:

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Quellen: telegraph.co.uk / grenzwissenschaft-aktuell.de / privacyinternational.org
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