https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de


Montag, 3. Mai 2010

Thermale Bohrkopfsonde soll auf Europa nach Leben suchen

Thermale Bohrkopfsonde soll Europas Eiskruste erforschen | Copyright: grewi.de (Collage im Hintergrund) / Hong Kong Polytechnic University

Hong Kong/ China - Ein internationales Team aus Wissenschaftlern und Ingenieuren hat eine maulwurfsgroße thermalen Bohrkopfsonde entwickelt, mit dem sie in den eisigen Panzer des Jupitermondes Europa eindringen wollen, um hier nach Spuren von Leben zu suchen. Schon 2020 könnte die Mission in das Jupitersystem aufbrechen.

Nachdem sie zunächst innerhalb eines sogenannten Penetrators im Eispanzer des Mondes platziert wurde, sollen rotierende Bohrköpfe und Hitze es der Sonde erlauben, sich nach und nach immer tiefer durch den auch von Gestein durchsetzten Eispanzer des Jupitermondes zu bohren und zu schmelzen.

Gemeinsam mit Kollegen der "Hong Kong Polytechnic University" und des "Institut für Weltraumforschung" in Graz hat das Team um Peter Weiss vom französischen "Centre national de la recherche scientifique" (CNRS), den Prototyp in der Januar-Ausgabe der Fachzeitschrift "Advances in Space Research" vorgestellt.

Modell des Aufbaus des Jupitermondes Europa | Copyright: NASA/JPL

Eingesetzt werden soll die Sonde in der gemeinsamen "Europa-Jupiter-System-Mission" (EJSM) von NASA und ESA, an der sich möglicherweise auch Russland und Japan beteiligen wollen.

Wie das "Astrobiology"-Magazin der NASA berichtet, könnte die Mission zunächst aus mehreren Satellitensonden bestehen, während Russland eine Landeeinheit in Auge hat, wie sie auf früheren Geräten basieren soll, die schon bei der, allerdings gescheiterten, Mission "Mars 96" eingesetzt werden sollten.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Will man auf Europa nach Spuren von Leben suchen, so müssen entsprechende Einheiten tiefer als zwei Meter in den Eispanzer des Mondes vordringen, da in höheren Schichten die Strahlung und Partikelbeschuss jegliche biologischen Spuren vernichtet.

Statt einer wesentlich aufwendigeren weichen Landung einer Landeeinheit, handelt es sich bei einer Penetrator-Einheit um eine Sonde, die sich bei einer ungebremsten Aufschlags-Landung mehrere Meter in den zu untersuchenden Himmelskörper - in diesem Fall in den Eispanzer von Europa - bohrt, während an der Oberfläche ein Kommunikationsmodul platziert wird, mit dem die Sonde über Kable verbunden ist. Die Hitzesonde soll sich dann von der im Boden steckenden Spitze dieses Penetrators weiter in den Eispanzer vorarbeiten und dadurch gleichzeitig eine Kontamination mit irdischen Mikroben oder Verunreinigungen des Eises von außen ausschließen.

Mit diesem Verfahren, so hofft Weiss, könnte die Sonde schlussendlich eine Tiefe von 10 Metern erreichen und hier den Eispanzer durch Aufschmelzen des Eises beproben und nach Spuren von Leben suchen. Auch wenn die NASA bereits Konzepte von Tauchbootsonden in der Antarktis getestet habe, erlaube es die derzeit zur Verfügung stehende Technologie jedoch noch nicht, bis in den wahrscheinlich unter dem Eispanzer verborgenen Ozean vorzustoßen, da dieser - so vermuten Wissenschaftler - zwischen einigen wenigen bis zu mehreren dutzend Kilometern dick sein könnte. Alleine das Verstauen der Kabel, die für den Datentransfer notwendig wären, stelle laut Weis ein großes Problem für eine derartige Technologie dar.

Auch, wie sich der verborgene Ozean unterhalb des Eispanzers aufbaue, sei bislang noch unbekannt. So könnte sich unterhalb des festen Eises eine dicke Schicht aus Eisschlamm und erst darunter der eigentliche Wasserozean befinden. Auch wie tief dieser Ozean ist, sei immer noch Inhalt von Spekulationen - wenn es ihn überhaupt gibt.

Vision einer U-Boot-Sonde im Ozean von Europa | Copyright: NASA

Bisherige Forschungs-U-Boote, die auf der Erde zum Einsatz kamen, stießen erst bis in eine Tiefe von rund 11 Kilometern vor, wogen mehrere Tonnen und benötigten Schiffe an der Wasseroberfläche. All dies sei für eine Mission zum Jupitermond ungeeignet, da diese - nicht nur aus Kostengründen – so leicht wie möglich sein muss.

"Institute, wie sie immer noch die Entwicklung von Untersee-Sonden für Europa vorantreiben, sollten von Hollywood und nicht von der NASA finanziert werden", so Weiss.

Bislang wurde die Hitzesonde bereits unter hohem Druck und im Vakuum erfolgreich getestet, die Forscher arbeiten nun jedoch daran, den Bohrkopf noch leistungsfähiger zu machen. In Folgetests, soll die Einheit auch im Zusammenspiel mit dem Penetrator getestet werden.

Ob die Bohreinheit jedoch überhaupt zum Einsatz kommen wird, steht derzeit noch in den Sternen. Eine Mission, die nur aus Satellitensonden im Orbit des Mondes besteht, könnte zwar viele neuen Informationen über die Beschaffenheit von Europa erbringen, hätten jedoch nicht die Möglichkeit das eis selbst vor Ort zu untersuchen. Eine Nachfolgemission, die erst dann mit einer Bohrsonde ausgestattet werden würde, käme in einem solchen Fall jedoch nicht vor 2040 in Frage.

"Ohne einer solche Sonde bekämen wir zu unseren Lebzeiten keine eindeutige Bestätigung über die Astrobiologie auf Europa oder gar im sonstigen Sonnensystem jenseits der Erde", so Weiss.

+ + + WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA + + +

Eisige Monde um Jupiter und Saturn könnten lebensfreundlich sein

17. Dezember 2010
Forscher identifizieren mögliche Landestellen auf Jupitermond Europa
27. August 2009
Black Smoker - Einblicke in mögliches Leben auf Jupitermond Europa
21. Januar 2009
Wellengang könnte Meere auf Jupitermond Europa aufheizen
11. Dezember 2008
Forscher fordern Suche nach Leben auf Jupitermond Europa
30. November 2008

Bücher zum Thema:

- - -

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / astrobio.net
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE