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Dienstag, 16. November 2010

Weltraumteleskop Chandra entdeckt jüngstes nahes Schwarzes Loch

Kombination von Röntgen- und optischen Aufnahmen der Galaxie "M100" mit der Supernova "SN 1979C" (s. Pfeil) | Copyright: Röntgen: NASA/CXC/SAO/D.Patnaude et al, Optisch: ESO/VLT, Infrared: NASA/JPL/Caltech

Cambridge/ USA - Seit der Ankündigung der Entdeckung eines "ungewöhnliches Objekt in unserer kosmischen Nachbarschaft" wurde besonders im Internet hitzig darüber spekuliert, um was für ein Objekt es sich dabei handeln könnte. Auf der angekündigten Pressekonferenz haben NASA-Astronomen das Geheimnis nun gelüftet: Mit dem Weltraumteleskop "Chandra" haben sie Beweise für das bislang jüngste Schwarze Loch in unserer "kosmischen Nachbarschaft" gefunden. Gerade einmal 30 Jahre alt, bietet das junge Schwarze Loch nun ideale Bedingungen der Beobachtung der Entwicklung derart junger Schwarzer Löcher.

Von dieser Beobachtung erhoffen sich Astronomen ein besseres Verständnis drüber, wie Riesensterne Explodieren, welche davon Schwarze Löcher und welche Neutronensterne hinterlassen aber auch über die Anzahl von Schwarzen Löchern in unserer und fernen Galaxien.

Das gerade einmal 30 Jahre alte Objekt ist das Überbleibsel der Supernova "SN 1978C" in der Galaxie M100, die gerade einmal rund 50 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Daten der NASA-Satellitenobservatorien "Chandra", "Swift", des europäischen Observatorium "XMM-Newton" und des deutschen "ROSAT"-Observatoriums zeigten an dessen Stelle schon zuvor eine helle Quelle von Röntgenstrahlen, wie sie sich zwischen 1996 und 2007 nicht verändert hatte. Dieser Umstand legt nahe, dass es sich um ein Schwarzes Loch handelt, welches entweder von Restmaterial der Sternenexplosion "SN 1978C" oder von einem binären Begleiter dieses einstigen Sterns gespeist wird.

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"Wenn unsere Interpretation der Daten korrekt ist, so handelt es sich um das der Erde nächstgelegene Exemplar eines Schwarzen Lochs dessen Geburt beobachtet werden konnte", erläutert der die Studie leitende Wissenschaftler Daniel Patnaude vom "Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics" in Cambridge.

Die Forscher nehmen an, dass die 1979 von einem Amateurastronom entdeckte Supernova "SN 1979C" entstand, als ein Stern von der etwa 20-fachen Masse unserer Sonne kollabierte. Schon zuvor konnten zahlreiche neue bzw. junge Schwarze Löcher anhand ihrer Gammastrahlenausbrüche (GRBs) entdeckt werden. "SN 1979C" unterscheidet sich jedoch von diesen, da es unserem Sonnensystem wesentlich näher gelegen ist und zu einer Klasse von Supernovae zählt, die nicht mit GBRs einhergehen. Eine Theorie sagt voraus, dass die meisten Schwarzen Löcher im Universum dann entstehen, wenn der Kern eines Sterns kollabiert dabei aber keine GRBs entstehen. "Es könnte sich also um das erste Mal handeln, dass die Entstehung eines normalen Schwarzen Lochs beobachtet werden konnte", erklärt Abraham Loeb, ebenfalls vom "Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics". "Allerdings ist es sehr schwer, die Geburt dieser Kategorie von Schwarzen Löchern zu beobachten, da jahrzehntelange Röntgenbeobachtungen notwendig sind, um sie zu identifizieren.

Auch wenn die Beweise für ein erst kürzlich entstandenes Schwarzes Loch sprechen, könnte es sich aber auch um einen ebenso jungen und schnell rotierenden Neutronenstern (Pulsar) mit mächtigen Partikelwinden handeln, wie sie für die Röntgenstrahlung verantwortlich sein könnten.

Diese Hubble-Aufnahme zeigt Nebelgase in der Umgebung werden durch den Pulsar im Krebsnebel mitgeführt du dabei zur Strahlung angeregt | Copyright: NASA/ESA

In einem solchen Fall würde es sich bei dem Objekt in "SN 1979C" um das jüngste und hellste Beispiel eines sogenannten " Pulsarwind-Nebels" um dem jüngsten bislang bekannten Neutronenstern handeln. Das bislang jüngste und bekannteste Beispiel ist der Pulsar im Krebsnebel mit einem Alter von rund 960 Jahren.


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov
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