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Donnerstag, 15. Mai 2008

Konferenz über Biosicherheit: Wer zahlt für Schäden durch Gentechnik?

Archiv: Maisanbau | Copyright: Walter J. Pilsak / GNU FDL

Bonn/ Deutschland - In dieser Woche treffen sich internationale Experten in Bonn, um über die Weiterentwicklung der weltweiten Regelungen zur Biosicherheit zu diskutieren. Immer noch ist ungeklärt, wer haftet, wenn normale oder gar biologisch angebaute Lebensmittel durch den Anbau genmanipulierter Pflanzen in der Nachbarschaft gentechnisch verunreinigt worden sind.

In den vergangenen zehn Jahren, so berichtet "Greenpeace.de", wurden insgesamt 216 Kontaminationen in 57 Ländern belegt, obwohl der Anbau von Gen-Pflanzen global bislang keine große Rolle spielt. Gleichzeitig sei völlig offen, wer haftet, wenn beispielsweise die Maisernte eines kenianischen Kleinbauern gentechnisch verunreinigt worden ist.

Im Vorfeld der Vorfeld der CBD (Konvention über biologische Vielfalt) wird nun über eine Weiterentwicklung der am 11. September 2003 im Cartagea Protokoll festgehaltenen weltweite Biosicherheit diskutiert. Geregelt soll darin der grenzüberschreitende Handel und Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen, und Fragen zu Haftung und Wiedergutmachung diskutiert und beantwortet werden.

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"Das Nachsehen haben bislang die Geschädigten, ob es um ihr Einkommen oder ihre Gesundheit geht. Nirgendwo ist international geregelt, wer für Schäden aufkommen muss. Keine Versicherung ist bereit, die Risiken der Gentechnik abzudecken", erläutert Greenpeace.

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Doch die Verhandlungen sind schwierig, da sich der Anbau von Gen-Pflanzen heute im Wesentlichen auf vier Länder konzentriert: USA (Spitzenreiter mit 53 Prozent), Argentinien, Brasilien und Kanada. "Naturgemäß sind weder Staaten wie die USA noch die Gentechnikkonzerne an strengen Haftungsregeln interessiert."

Seltsam sei jedoch, so Greenpeace weiter, dass diejenigen, die am lautesten behaupten, dass die Gentechnik sicher sei, sich zugleich am meisten gegen verbindliche Haftungsregeln sträuben.

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Den Grund kann Barbara Kamradt, Gentechnikexpertin von Greenpeace recht genau erklären: "Es ist doch völlig klar: Wer den Schaden verursacht, muss für ihn geradestehen. Die Konzerne müssen haften."

Zu den Hintergründen erläutert die Umweltschutzorganisation in Ihrer Pressemitteilung Folgendes: "Gen-Pflanzen gehören neben der Urwaldzerstörung zu den großen Gefahren auch für die Artenvielfalt. 75 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Kultursorten sind im 20. Jahrhundert verschwunden. Industrielle Landwirtschaft, Monokultur, Chemie und Gentechnik - das ist das Paket, das die Vielfalt in der Nahrungsmittelerzeugung bedroht.

Die industrielle Landwirtschaft setzt auf Massenproduktion und Monokultur. Monokultur ist anfällig für Schädlinge. Gegen Schädlinge wird die Chemiekeule hervorgeholt. Gen-Pflanzen sind resistent gemacht gegen die Chemiekeule oder so verändert, dass sie ihr eigenes Gift produzieren.

Die großen Agrokonzerne wie Monsanto und Syngenta verdienen an beidem: an der Chemiekeule und der Gen-Saat. Der neue Agrosprit-Boom heizt den Drang zur Monokultur auf Kosten der Artenvielfalt weiter an."

Das Register der angemeldeten Genmais-Standortflächen 2008 finden Sie HIER

Quellen: greenpeace.de / grenzwissenschaft-aktuell.de


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Anbauflächen für Genmais 2008, 5. Februar 2008
Etikettenschwindel: Große Koalition einigt sich über Gentechnikgesetz, 15. Januar 2008
Bio-Patente: Die Globale Bedrohung, 5. Dezember 2007
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Durchbruch in der Gentechnik: Forscher programmieren Gewebezellen zu Stammzellen, 21. November 2007
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