Mittwoch, 1. Juli 2009

Kontroverse um Apostelgrab: Handelt es sich tatsächlich um die Gebeine des Paulus?

Mittelalterliche Darstellung des schreibenden Paulus | Copyright: Public Domain

Düsseldorf/ Deutschland - Nachdem die deutsche Archäologin Carola Jäggi bezweifelt hat, dass sich die Knochenfunde im Paulusgrab zu Rom wissenschaftlich eindeutig dem Apostel zuordnen lassen, ist ein Forscherstreit um die Möglichkeit der Zuordnung entstanden. Der deutsche Historiker Michael Hesemann widerspricht Jäggi und nennt Gründe und mögliche Aussichten für eine genaue Zuordnung.

"Wir haben von Paulus keine DNA, wir haben nichts, was wir vergleichen können", zitiert die Nürnberger Zeitung die Lehrstuhlinhaberin für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Erlangen. Deshalb sei es ihr schleierhaft, wieso der Fund als Sensation bezeichnet werde. "Denn dass in einem Sarg Knochen liegen, gehört sich für ein Grab." Anhand von Einzelknochen im Beckenbereich lasse sich lediglich beweisen, dass es sich um einen Männerknochen handle. Mit Radiokarbon könne unter Umständen zudem nachgewiesen werden, dass die Funde aus dem ersten oder zweiten nachchristlichen Jahrhundert stammten. Es könnten jedoch die Gebeine irgendeines Mannes aus jener Zeit sein.

Ganz anders beurteilt der deutsche Historiker Michael Hesemann, Autor des Sachbuches "Paulus von Tarsus. Archäologen auf den Spuren des Völkerapostels", den Fall. Auf "Paulusjahr.info" erläutert Hesemann: "Dass Paulus in Rom das Martyrium erlitt ist seit Ende des 1. Jahrhunderts bezeugt, von seinem Grab an der Via Ostiense berichten Quellen aus dem 2. Jahrhundert. Tatsächlich war die römische Tradition so eindeutig, dass Kaiser Konstantin der Große einen römischen Friedhof überbauen ließ, als er für Paulus eine Memorialbasilika stiftete. Das wurde von den Römern als schwere Störung der Totenruhe, als Sakrileg, verstanden. Er muss also sehr gewichtige Gründe gehabt haben, um diesen Platz zu wählen. Es ist absurd, zu glauben, er hätte diesen Aufwand über dem Grab eines anonymen Sklaven oder aufgrund irgendeiner frommen Spekulation betrieben."

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
>>> HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen <<<

Natürlich, so Hesemann, sei es unmöglich, die Echtheit der Paulus-Gebeine durch eine DNA-Probe zu beweisen. Trotzdem, erklärte der Historiker, gäbe es eine Reihe von Kriterien, die für eine zukünftige Untersuchung der Knochen relevant wären.

Hesemann weiter: "Wir wissen jetzt schon einmal, dass er im 1. Jahrhundert lebte, was zumindest nicht gegen eine Identifikation mit Paulus spricht. Der Tote muss dann natürlich ein Mann gewesen sein, der im Alter von 55-59 Jahren eines unnatürlichen Todes starb - er wurde geköpft. Aus seinen Selbstbeschreibungen, aus der frühchristlichen Ikonografie und aus den Apostelromanen des 2. Jahrhunderts wissen wir, dass Paulus klein und schmal war, also von feinem Knochenbau. Er hat nie schwere körperliche Arbeit gekannt, zum Broterwerb war er als Zeltmacher tätig, übte also ein leichtes Handwerk aus. Er berichtet von häufigen Krankheiten, wahrscheinlich litt er unter einer Form der Malaria. Für die forensische Anthropologie liegt also ein ziemlich klares Profil vor."

Auch eine DNA-Untersuchung könnte weitere Indizien liefern, glaubt der Historiker: "Paulus hinterließ zwar keine Nachkommen, aber wir wissen, dass er ein Jude aus dem Stamme Benjamin war - entfernte Verwandte könnte es also durchaus geben."

Hesemann: "Wenn diese Kriterien erfüllt sind, kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass es Paulus war. Ist auch nur eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, sind Zweifel angebracht. Bislang aber bin ich zuversichtlich."

>>>WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA<<<

Paulusgrab wurde bereits geöffnet und untersucht!
29. Juni 2009


Wird das Grab des Völkerapostels Paulus geöffnet?
29, Juni 2009


Phantombild des Apostels Paulus von Tarsus
3. Mai 2008


Bücher zum Thema:

- - -

Quellen: paulsujahr.org / grenzwissenschaft-aktuell.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE