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Mittwoch, 21. Oktober 2009

Erstmals Masterstudiengang Homöopathie an deutscher Universität

Das neu eröffnete Gebäude der Europäischen Bibliothek für Homöopathie in Köthen | Copyright: dzvhae.de

Magdeburg/ Deutschland - Ab dem Wintersemester 2010/11 bietet die Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg einen Masterstudiengang Homöopathie an, der in dieser Form so erstmals an eine deutschen Universität eingerichtet werden soll.

Das Angebot des Studiengangs der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften richtet sich vornehmlich an Mediziner, die die homöopathische Weiterbildung bereits abgeschlossen haben. Gemeinsam mit dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) sucht die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg einem fruchtbaren Dialog speziell für homöopathische Ärztinnen und Ärzte.

Das Konzept sieht die Einrichtung eines zweijährigen Studienganges vor, der (nach erfolgreicher Approbation) von Ärzten, Zahn- und Tierärzten und Apothekern berufsbegleitend belegt werden kann.

Gegenüber lautgewordener Kritik an dem Angebot, gerade aus den Reihen naturwissenschaftlicher Schulmediziner, erklärte der Prorektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Prof. Helmut Weiß, gegenüber der "Mitteldeutschen Zeitung" (mz-web.de), Homöopathie führe trotz Kritik zu Heilerfolgen. Es sei jedoch unklar, auf welche Weise das geschieht. "Wir wollen den homöopathischen Ärzten solide Werkzeuge in die Hand geben und sie befähigen, die Ergebnisse ihrer Arbeit kritisch zu bewerten".

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Ein wesentlicher Teil des Studiengangs wird einer systematischen und profunden Ausbildung in Theorie und Praxis der homöopathischen Heilmethode gewidmet sein. Auf diesen Teil des Studiums können bereits absolvierte Fort- und Weiterbildungen in Homöopathie in Teilen angerechnet werden.

Darauf aufbauend sollen die Studierenden in weiteren Modulen in Wissenschaftstheorie und praxisnahen Methoden der Forschung ausgebildet und in der Entwicklung von ärztlicher Professionalität angeleitet werden, was die Reflexion ärztlichen Handelns und eigener Persönlichkeitsbildung in der homöopathischen Praxis einschließt. Hinzu werden gemeinsam mit Erziehungswissenschaftlern Konzepte der Organisationsentwicklung, des Wissensmanagements und der Qualitätssicherung für die Praxis entwickelt.

Ein weiterer sehr wichtiger Bereich, der in Praxis gut in Verbindung mit der Homöopathie zum Nutzen des Patienten anwendbar ist, ist das Wissen um psychosomatische Zusammenhänge, die Schulung der psychologischen Kompetenz des Arztes, und überhaupt die Übung in "sprechender und verstehender Medizin".

Ferner bietet der Studiengang die Möglichkeit der fachspezifischen Vertiefung homöopathischen Wissens, z.B. in Pädiatrie, Gynäkologie, Onkologie, Diätetik und Ordnungslehre, Case-Management bei schweren chronischen Krankheiten etc. In einem weiteren Modul werden spezifische Forschungsmethoden vertiefend erarbeitet. Für zukünftige Dozenten wird die Möglichkeit geboten, die eigene didaktische Kompetenz zu schulen. Praxiszentriertes Projekt- und Qualitätsmanagement inklusive Falldokumentation sind weitere Themenschwerpunkte. Aus all diesen Arbeitsbereichen wird dann vom Absolventen ein Thema für die eigene Masterarbeit gewählt und bearbeitet.

Die Ausbildung wird, da berufsbegleitend, in Form des "blended learning“ erfolgen. Das bedeutet einen hohen Eigenanteil an selbständiger Erarbeitung des Stoffes bei großer zeitlicher Flexibilität. In Internetforen werden die Themen gemeinsam diskutiert werden können. Eine individuelle Betreuung jedes Studierenden ist selbstverständlich. Etwa vier Wochen im Jahr werden Präsenzkurse angeboten. Diese werden in Köthen in der neuen Europäischen Bibliothek für Homöopathie (s. Abb.) stattfinden.

Bücher zum Thema:

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In dem Studiengang werden (homöopathische) Ärzte eng mit Erziehungswissenschaftlern, Soziologen, Sozialmedizinern, Epidemiologen, Psychologen, Medizingeschichtswissenschaftlern und professionellen Vertretern aus anderen angrenzenden Fachgebieten zusammenarbeiten.

Von dem integrativen Konzept verspricht man sich beim DZVhÄ eine starke Resonanz bei schon in der Praxis stehenden homöopathischen Ärzten, aber auch bei Berufsanfängern, die eine Laufbahn im Bereich der homöopathischen Grundlagenforschung, Versorgungsforschung, oder in koordinierenden oder beratenden Funktionen bei Krankenkassen, Krankenhäusern und medizinischen Versorgungszentren anstreben.

Zudem hofft man bei DZVhÄ auf eine zunehmende Öffnung wissenschaftlich und therapeutisch arbeitender Institutionen für Fragen und Konzepte aus dem Bereich der ärztlichen Homöopathie.

Der Studiengang, so der DZVhÄ, "bietet die Chance auf akademischem Niveau in einen kritischen Dialog mit Wissenschaftstheoretikern, Forschern und medizinischen Praktikern einzutreten, die eigenen Beobachtungen und Grundannahmen kritisch zu prüfen. Die Homöopathie lebt bisher aus ihrer erfolgreichen Praxis, die Schärfung ihres theoretischen und methodischen Profils ist seit langem überfällig."

Wissenschaft, so der DZVhÄ, begründe auf Erfahrung und Verstehen "Nur die ständige Reflexion der Erfahrung führt zu neuen Theorien und Modellen, nur die praktische und kritische Erprobung neuer Sichtweisen verdichtet diese zu einem theoretischen Fundament, auf dem neue praktische Erfahrungen und neue Konzepte ihren festen Grund finden. Ziellos ist die Praxis ohne Theorie ebenso wie die Theorie ohne Praxis."

Die Masterarbeiten bieten die Chance, dass einzelne Teilnehmer an konkreten Problemen und wissenschaftlichen Fragestellungen arbeiten. Es könnte z.B. eine Arzneimittelprüfung bearbeitet werden oder die historischen Quellen zu einem Mittel gesichtet werden.

Weitere nformationen zum Studiengang finden sie HIER

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Quellen: grenzwissenschaft.aktuell.de / dzvhae.de / mz-web.de


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