Donnerstag, 15. Oktober 2009

Kuriose Theorie um CERN: Verhindert die Zukunft den Start des Teilchenbeschleunigers LHC?

Die Magneten des LHC-Teilchenbeschleunigers des CERN | Copyright: cern.ch

Kopenhagen/ Dänemark - Um den Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) am europäischen Zentrum für Kernforschung (CERN), mit dem nahe Genf die Zusammensetzung der Materie erforscht und mittels auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigter kollidierender Teilchen der Urknall reproduziert werden sollen und exotische Partikel entstehen sollen, ranken sich zahlreiche Gerüchte, Legenden, Verschwörungstheorien aber auch wissenschaftlich fundierte Sorgen darüber, welche Auswirkungen die Experimente haben könnten (...wir berichteten). Eine neue Theorie zweier Wissenschaftler hält zumindest die Befürchtungen nun jedoch für unbegründet, da sie glauben, die zukünftigen Experimente selbst werden den Start der sogenannten Weltmaschine verhindern.

Die Theorie klingt im ersten Moment verrückt, stammt jedoch von den angesehenen (Quanten-)Physikern Dr. Holger Bech Nielsen, Professor vom "Nils Bohr Institut" in Kopenhagen und seinem japanischen Kollegen Dr. Masao Ninomiya vom "Yukawa Institute for Theoretical Physics" in Kyoto.

Laut den Wissenschaftlern könnte es sein, dass es erst gar nicht zu der Befürchteten Entstehung von Schwarzen Löchern kommen wird, da die von den CERN-Wissenschaftlern erhofften Partikel derart "wider die Natur" seien, dass die Natur aus der Zukunft heraus den Start des Teilchenbeschleunigers und somit die Entstehung der widernatürlichen Partikel verhindere.

Ihre Hypothese haben die beiden Wissenschaftler in zwei wissenschaftlichen Artikeln mit dem Titeln "Test of Effect From Future in Large Hadron Collider: a Proposal" and “Search for Future Influence From LHC” dargelegt.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
>>> HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen <<<

Kernstück der theoretischen Überlegungen sind die von den CERN-Forschern erhofften "Higgs Boson"-Teilchen (populär immer wieder auch als Gottesteilchen bezeichnet), hypothetische Austauschteilchen, wie sie im Standardmodell der Elementarteilchenphysik vorhergesagt werden und wie sie in den LHC-Experimenten entstehen sollen.

Laut Nielsen und Ninomiya könnten die Teilchen zu jenem Zeitpunkt vor dem Start der LHC-Experimente zurückschlagen und hier - ähnlich einem Zeitreisenden der zurück in der Vergangenheit seinen eigenen Urgroßvater ermordet - den Start der Experimente verhindern.

Die tatsächlich andauernde Serie von Unfällen, technischen Störungen und nicht zuletzt der Verhaftung eines LHC-Technikers unter Terrorverdacht, sehen die Physiker als möglichen Beleg für die Richtigkeit ihrer Theorie. Zudem verweisen sie auf den Umstand dass der einst in den 1980er Jahren geplante und teilweise sogar baulich fertig gestellte Superconducting Super Collider (SSC) in Texas, an dem ebenfalls Higgs Bosoms erzeugt werden sollten, nie in die Experimentierphase ging und das Projekt 1993 eingestellt wurde, obwohl bereits über 12 Milliarden US-Dollar in der Anlage verbaut und in diese investiert worden waren.

"Unsere Theorie stellt vielleicht ein 'Modell für Gott' dar, der Higgs Bosom derart verabscheut, dass der alles daran setzt, ihre Entstehung zu verhindern", zitiert die "New York Times" Nielsen.

Tatsächlich machten Nielsen und Ninomiya schon im Dezember 2007, also noch bevor der LHC überhaupt hochgefahren wurde, aufgrund ihrer theoretischen Arbeiten die bislang eingetroffene Vorhersage, dass unerwartete "natürliche Ereignisse" den erfolgreichen Start der LHC-Experimente verhindern werden würden.

In ihrer Theorie über die Beeinflussung der anstehenden LHC-Experimente durch "Gott" bzw. die Zukunft gehen die Physiker sogar so weit, dass sie vorschlagen, die Fortsetzung der LHC-Experimente von einem reinen Zufallsexperiment abhängig zu machen, wenn eine zufällig aus einem Kartenstapel aus mehr als einer Million Karten gezogene Karte über Fortsetzung oder Stopp der Experimente entscheiden soll.

Bücher zum Thema:

- - -


Der Trick bei der Sache ist nun, dass der Stapel vornehmlich aus Karten besteht, welche die Fortführung der LHC-Experimente fordern und nur eine Karte deren sofortigen Abbruch verlangt. "Wenn wir also die Entscheidung über den LHC-Betrieb ernsthaft von diesem Experiment abhängig machen würden, so würden wir (aus quantenmechanischer Sicht) auch tatsächlich die 'Stopp-Karte' ziehen, sollten die 'Higgs Bosom'-Teilchen aus natürlichen Gründen nicht entstehen dürfen", so Nielsen.

Bleibt zu erwähnen, dass es sich bei den Ausführungen der Wissenschaftler um rein theoretische, quantenmechanische Denkspiele handelt, wie sie aller Wahrscheinlichkeit für die Entscheidung über die Durchführung der geplanten Experimente mit dem LHC keine rolle spielen werden.

Doch nur selten zuvor war ein klischeebeladener Schlusssatz so treffend, wie im Kontext der Überlegungen von Nielsen und Ninomiya: Die Zukunft wird zeigen, ob die beiden recht haben oder nicht...

>>>WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA<<<

CERN: Neustart des LHC erneut verschoben
29. Juni 2009

CERN stoppt Teilchenbeschleuniger bis Frühjahr 2009

23. September 2008

Teilchenbeschleuniger am CERN kaputt
22. September 2009

CERN: Hacker offenbaren Sicherheitslücken am LHC
13. September 2009

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte weist Eilantrag gegen CERN-Beschleuniger ab
20. August 2009

Erzeugt CERN-Urknall-Experiment einen Zeittunnel?
8. Februar 2008

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / arxiv.org / nytimes.com
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE