Der globale Transport flüchtiger Kohlenwasserstoffe verläuft auf Titan von Süden nach Norden – Ein Prozess, der sich aber langfristig auch wieder umkehren kann. | Copyright: NASA/JPL/Caltech/Univ. of Arizona/Cassini Imaging TeamPasadena/ USA - Lange Zeit rätselten Wissenschaftler über die ungleichmäßige Verteilung der Seen aus flüssigem Methan und Ethan auf den beiden Hemisphären des Saturnmondes Titan, finden sich die meisten dieser Seen doch auf der Nordhalbkugel des Mondes. US-Forscher glauben nun die Erklärung für die Asymmetrie in der Exzentrizität der Saturnumlaufbahn gefunden zu haben. Ähnliche Prozesse sind wahrscheinlich auch auf der Erde für Eiszeiten-Zyklen verantwortlich.
Wie die Forscher um Professor Oded Aharonson vom "California Institute of Technology" (Caltech) in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature Geoscience" darlegen, zeigte eine Auswertung der Radar-Aufnahmen der Cassini-Sonde, dass es auf der Titan-Nordhalbkugel fast 20 Mal mehr Seen aus aufgrund niedriger Temperaturen verflüssigter Kohlenwasserstoffe gibt als im Südpolargebiet des Saturnmondes. Viele von ihnen erscheinen darüber hinaus nur halb gefüllt oder gänzlich leer.
Zunächst vermuteten Wissenschaftler, dass diese Asymmetrie fundamentale Unterschiede der beiden Hemisphären offenbaren würden, beispielsweise Unterschiede in der Topographie, welche dazu führen könnten, dass die flüssigen Niederschläge auf einer der Hemisphäre eher einsickerten oder abflossen als auf der anderen. Eingehende Untersuchungen der Daten konnten jedoch keine solcher Unterschiede bestätigen.
Auch jahreszeitliche Mechanismen, die sich auf Titan alle 15 Erdenjahre abwechseln und auch hier auf den beiden Halbkugeln entgegensetzt verlaufen, bergen Probleme, wenn sie als Erklärung für die asymmetrische Verteilung der Seen herangezogen werden. Zwar könnten die häufigeren Niederschläge im Winter die unterschiedliche Häufigkeit der Seen erklären, 15 Jahre würden jedoch nicht ausreichen, um die mehrere hundert Meter tiefen nördlichen Seen zu füllen bzw. wieder austrocknen zu lassen. Zusätzlich könnte dieses Modell nicht erklären, warum es im Norden auch fast drei Mal so viel leere Seen gibt wie auf der Südhalbkugel.
Das Team um Aharonson hat sich nun stattdessen auf die Exzentrizität der Umlaufbahn des Saturns konzentriert, wie sie gleichzeitig natürlich auch dessen Monde betrifft. Ähnlich wie auch die Erde und andere Planeten unseres Sonnensystems, so umkreist auch Saturn die Sonne nicht auf einer kreisrunden sondern entlang einer elliptischen Umlaufbahn. Deswegen sind der Saturn und seine Trabanten während des Sommers auf der Südhalbkugel des Mondes um 12 Prozent näher an der Sonne als während des Nordsommers. In der Folge sind die nördlichen Sommer lang und eher mild, während der Süden heiße und kürzere Sommer erlebt.
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"Unser Modell schlägt vor, dass aufgrund dieser orbitalen Ausrichtung die Differenz zwischen Niederschlag und Verdunstung während der entsprechenden Jahreszeiten auf der Nord- und Südhalbkugel nicht gleich sind", erläutert Aharonson. "Daraus ergibt sich ein Netto-Transport von Methan von Süd nach Nord und dieses Ungleichgewicht führt dann zu einer Akkumulation des Methans - und damit zur Bildung von mehr Seen auf der nördlichen Hemisphäre.“
Diese Situation sei jedoch nur aktuell stimmig und könnte sich in einigen zehntausend Jahren wieder ändern. Auch hierfür liegt der Grund in der Umlaufbahn des Saturns, die sich im Laufe der Zeit immer wieder ändert. Auf der Erde, werden solche Prozesse als Milankowich-Zyklen bezeichnet. Es handelt sich um Variationen, die mit Veränderungen der Sonnenstrahlung verbunden sind, wie sie die globale Verteilung des Wassers in Form von Gletschern beeinflusst und auch als Auslöser der Zyklen von Eiszeiten gelten. "Auf Titan gibt es langfristige Klimazyklen im globalen Transport von Methan. Diese bilden Seen und graben Seebecken. In beiden Fällen finden wir Hinweise auf diese Prozesse eingebettet in die geologischen Strukturen", so Aharonson.
"Vielleicht haben wir hier ein Beispiel von Langzeit-Klimawandel, der analog zu den Milankowich-Klimazyklen der Erde sind, nun jedoch auf einem fremden anderen Himmelskörper des Sonnensystems"
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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / caltech.edu