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Dienstag, 16. Februar 2010

Ungeahnt hohe Vielfalt organischer Moleküle im Murchison-Meteorit

Der 1969 in Australien niedergegangenen Murchison-Meteorit und aus diesem gelöste Partikel | Copyright: US Dept. of Energy / Public Domain

Neuherberg/ Deutschland - Im Innern des vor 40 Jahren im australischen Victoria niedergegangenen Meteoriten haben Wissenschaftler Hunderttausende von unterschiedlichen Kohlenstoffverbindungen und damit Millionen möglicher organischer Moleküle entdeckt. Auch wenn es sich dabei nicht um Spuren von Leben handelt, so stellen die Verbindungen doch die Grundbausteine des Lebens dar und erlauben einen Blick zurück auf die Zustände des frühen Sonnensystems und möglicherweise sogar darüber hinaus.

Bei dem Murchison-Meteoriten handelt es sich um einen sogenannten CM2-Chondrit, von dem nach seinem Niedergang über Australien am 28. September 1969 rund 100 Kilogramm Material geborgen werden konnte. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Murchison-Fragmente zu den frühesten Materialien unseres Sonnensystems gehören und möglicherweise sogar älter sind als die Sonne selbst.

Die Ergebnisse einer neuen Untersuchung des Meteoriten haben Forscher um Philippe Schmitt-Kopplin vom "Institut für ökologische Chemie" am "Helmholtz Zentrum München" in Neuherberg im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.

"Als wir die Fragmente zum ersten Mal untersuchten und die Komplexität sahen, waren wir sehr erstaunt und aufgeregt. Aufgrund dieser Informationen ist es möglich Aussagen über Vorgänge bei der Geburt des Sonnensystems machen zu können", zitiert die BBC den Wissenschaftler.

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Im Innern des Meteoriten stießen die Forscher auf mehr als 14.000 verschiedene Moleküle bestehend aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Schwefel und Phosphor. Da diese räumlich jeweils unterschiedlich aufgebaut sein können, ergeben sich daraus Millionen unterschiedlicher möglicher organischer Substanzen.

Durch die Identifikation der zahlreichen unterschiedlichen Chemikalien, glauben die Forscher, dass es im frühen Sonnensystem eine weitaus größere molekulare Diversität gab als auf der Erde selbst. Möglicherweise, so vermuten die Wissenschaftler, formte sich Murchison vor mehr als 4,65 Milliarden Jahren. In diesem Fall könnte der Meteorit durch die später das Sonnensystem bildenden Ur-Nebel gereist sein und dabei die organischen Moleküle aufgenommen haben.

Bereits zuvor wurde der Murchison-Meteorit eingehend untersucht, wobei Vorläufer-Moleküle von Nukleinbasen, also den Bausteine der Nukleinsäuren DNA und RNA, gefunden wurden (...wir berichteten). Bei der aktuellen Studie handelt es sich jedoch um die erste nicht nur auf direkt mögliche biologische Vorformen ausgerichtete Analyse, welche die große Vielzahl von kohlenstoffbasierten Chemikalien nachweisen konnte.

Aus den aktuellen und zukünftigen Analysen erhoffen sich die Forscher auch Rückschlüsse über die - möglicherweise außerirdische - Herkunft, Entstehung und Evolution des Lebens auch auf der Erde.

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Studie: Meteorit beinhaltete Moleküle des Lebens

16. Juni 2008

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / bbc.co.uk / sciencedirect.com / pnas.org / helmholtz-muenchen.de
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