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Donnerstag, 1. April 2010

Wissenschaftler bestätigen: Kröten sahen Erdbeben voraus

Mittelmeer-Erdkröten bei der Paarung (Amplexus) | Copyright: JanekPfeifer/GNU FDL

London/ England - Britische Zoologen haben erstmals durch Beobachtungen wissenschaftlich belegt, dass Kröten Erdbeben vorausahnen können. Die aktuell im "Journal of Zoology" veröffentlichte Studie zeigt, dass Erdkröten bevorstehende seismische Aktivität wahrnehmen können und entsprechend dieser Situation ihr Verhalten in auffälliger Weise ändern.

Forscher um Dr. Rachel Grant von der "Open University" beobachteten 2009, dass 96 Prozent der männlichen Erdkröten (Bufo bufo) einer Population ihren Laichgewässer, rund 74 Kilometer von dem am 6. April von einem Erdbeben verwüsteten L'Aquila, fünf Tage vor dem Beben verließen. Zugleich fiel auch die Anzahl der sich paarenden Tiere drei Tage vor dem Erdstoß auf Null und es konnte keinerlei frischer Laich aus der Zeit zwischen Beben und dem einige Tage später folgenden schweren Nachbeben mit einer Stärke von 4,5 auf der Richterskala gefunden werden.

Die Laichplätze von Erdkröten werden zahlenmäßig von männlichen Tieren etwa im Verhältnis 3:1 dominiert, die normalerweise bis zum Ende der Laichablage an Ort und Stelle bleiben.

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Die Veränderung des Verhaltens der Tiere fiel zudem mit Störungen in der Ionosphäre zusammen, der obersten elektromagnetischen Schicht der Erdatmosphäre, wie sie mittels Niedrigfreuqenz-Radiopeilungen ermittelt werden konnten. Auch Die Freigabe von Radongasen, u.a. ins Grundwasser oder Gravitationswellen im Vorfeld von Erdbeben wurden bereits zuvor mit Veränderungen elektromagnetischer Felder und Ströme in der Atmosphäre in Verbindung gebracht.

Auch andere Umweltveränderungen, wie Mondphasen (...wir berichteten) oder Wetter, wie sie bekanntermaßen das Verhalten von Kröten beeinflussen, wurden in die Beobachtungen miteinbezogen, erklärten das Verhalten der Tiere jedoch nicht. So war von den Beobachtungen bekannt, dass die Anzahl der laichenden Kröten an dem Laichplatz nahe L'Aquila während Vollmondphasen für gewöhnlich anstiegen. Dennoch betrug die Zahl der Kröten während des dem Beben folgenden Vollmonds nur 34 Tiere, während hier in den Vorjahren jeweils zwischen 67 und 175 Individuen gezählt wurden.

"Unsere Studie ist die erste Untersuchung des Verhaltens von Tieren vor, während und nach einem Erdbeben. Die Ergebnisse legen nahe, dass Kröten in der Lage sind, vor-seismische Hinweise auf die Abgabe von Gasen und geladene Partikel wahrzunehmen, und diese als eine Art Erdbeben-Frühwarnsystem zu nutzen", erläutert Grant die Beobachtungen.

Schon seit vielen Jahren gilt das Verhalten von Tieren besonders der Landbevölkerung als Vorwarnung für Naturkatastrophen wie See-, Erbeben und Tsunamis. Erst 2004 flüchteten Elefanten auf Sri Lanka kurz vor dem Tsunami von den Küsten ins Landesinnere und auch zwei Tage vor dem starken Erdbeben im April 2008 in Südwestchina zeigten Tausende von Kröten ein auffallendes Fluchtverhalten, dem jedoch kaum jemand Beachtung schenkte (...wir berichteten).

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / open.ac.uk
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