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Montag, 5. Juli 2010

Ferner Exoplanet gibt Rätsel auf

Bestätigt: Planetarer Begleiter (o.l.) um "1RXS J160929.1-210524" | Copyright: Gemini Observatory

Pasadena/ USA - Im November 2008 gelang es Astronomen erstmals, einen Exoplaneten direkt zu fotografieren (...wir berichteten). Seither galt jedoch als umstritten, ob es sich bei dem Objekt nicht auch um andere Himmelskörper - etwa um einen weiteren, entfernten Stern handeln könnte. Diese Zweifel konnten nun ausgeräumt werden. Doch mit der Bestätigung, dass es sich tatsächlich um ein Objekt von Planetengröße handelt, stehen die Astronomen vor einem neuen, noch größeren Rätsel: Eigentlich dürfe es diesen Planeten so gar nicht geben.

Der Planet hat etwa die achtfache Masse unseres Jupiters und umkreist den noch verhältnismäßig jungen sonnenähnlichen Stern "1RXS J160929.1-210524" im Sternbild Skorpion. Das Problem für die Wissenschaftler liegt nun jedoch darin, dass der Planet seinen Stern in einer Entfernung umkreist, die etwa dem 300-fachen des Abstands zwischen Erde und Sonne (= Astronomische Einheit = AU = fast 150 Millionen Kilometer) entspricht.

Damit handelt es sich bei "1RXS J160929.1-210524 b" um den massemäßig kleinsten bekannten Planeten auf einer derart weit von seinem Zentralgestirn entfernten Umlaufbahn, berichten die Forscher um David Lafrenière von der "University of Montreal" aktuell in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal", die den Planeten mit Beobachtungen am "Gemini Observatory" bestätigen könnten.

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Für Astronomen stellt sich damit die Frage, wie ein derart kleines Objekt, so weit von seinem Zentralgestirn entfernt überhaupt existieren kann: "Es gibt derzeit keine Theorie, die erklären könnte, wie ein wirklicher Planet 300 Astronomische Einheiten von seinem Stern entfernt überhaupt entstehen kann", erläutert John Johnson vom "California Institute of Technology" (Caltech) gegenüber "Discovery News". "Dies ist keine Frage von mangelnder Vorstellungskraft. Es ist eine Frage mangelnder Physik."

Laut den derzeitig geltenden Vorstellungen der Planetenentstehung bilden sich diese aus Staub- und Gasscheiben, wie sie junge Sterne umgeben. Je weiter man sich vom Stern wegbewegt, desto weniger Material findet sich in diesen protoplanetaren Scheiben, aus dem sich dann Planeten bilden können. "300 AU von einem Stern entfernt, sollte es also nicht genügend Material geben, um überhaupt einen Planeten entstehen zu lassen."

Eine mögliche Erklärung für "1RXS J160929.1-210524 b" wird jedoch schon jetzt diskutiert: Es könnte sich auch um eine bislang unbekannte Art eines verhinderten Sterns handeln - zu vergleichen mit einem Braunen Zwerg, jedoch nur von in etwa der Hälfte der Mindestgröße Brauner Zwerge. Dieses Objekt müsste sich dann zur gleichen Zeit, wie der Hauptstern, gemeinsam mit diesem in einer Form von Doppelsternsystem gebildet haben.

Doch auch diese Theorie wirft weitere Fragen auf, da angezweifelt wird, dass ein derart kleines astronomisches Objekt den Press der Sternentstehung in der Nähe eines wirklichen Sterns überhaupt überstanden haben hätte können, gibt auch David Lafreniere zu bedenken.

Erst zukünftige Entdeckungen ähnlicher Objekte in anderen Systemen oder weiterer Planeten im System um "1RXS J160929.1-210524" könnten Antworten auf die derzeitigen Fragen um das mysteriöse Objekt geben.

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Erstmals eindeutige Direktaufnahmen von Exoplaneten

13. November 2008

Quellen: grenzwssenschaft-aktuell.de / umontreal.ca / news.discovery.com
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