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Samstag, 18. Dezember 2010

Gibt es Ozeane unter Plutos Eiskruste?

Kombination mehrerer Hubble-Aufnahmen von Pluto | Copyright: NASA/ESA/RHorning

Santa Cruz/ USA - Der 2006 zu einem Zwergplaneten degradierte ehemalige neunte Planet im Sonnensystem Pluto, könnte unter einer eisigen Kruste Ozeane aus flüssigem Wasser bergen. Diese erstaunliche Hypothese stellen US-amerikanische Wissenschaftler anhand neuer Modellberechnungen auf. Demnach könnte radioaktive Hitze das Innere des Zwergplaneten erwärmen und von der dicken Eisdecke perfekt isoliert werden.

Die Berechnungen von Guillaume Robuchon und Francis Nimmo von der "University of California" belegen zudem, dass diese Ozeane nicht nur aus einer matschigen Substanz sondern aus flüssigem Wasser bestehen würden, sondern - verborgen unter einem rund 200 Kilometer dicken Eispanzer - auch 100 bis 180 Kilometer tief reichen könnten. Die Ergebnisse ihrer Berechnungen haben die Forscher aktuell auf dem Jahrestreffen der "American Geophysical Union" (AGU) in San Francisco vorgestellt.

Sollten die Berechnungen zutreffen, würde sich auch Pluto, der kleiner ist als der Erdenmond, in die Reihe von Himmelskörpern im äußeren Sonnensystem (Saturnmonde Titan und Enceladus sowie der Jupitermonde Europa und der Zwergplanet Ceres) einreihen, auf denen es möglicherweise flüssiges Wasser und damit die Grundvoraussetzung für die Entstehung von Leben, wie wir es auf der Erde kennen, geben könnte, berichtet "nationalgeographic.com".

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Die Wärme des Planeten könnte demnach beim Zerfall radioaktiver Nuklide, vornehmlich von Kalium-40, im Gestein tief im Planeteninnern entstehen. Obwohl auf der Planetenoberfläche wahrscheinlich Temperaturen von bis zu minus 230 Grad Celsius herrschen, könnte diese Wärme absolut ausreichen, um flüssiges Wasser unter der Eisdecke des Planeten zu halten, gerade auch, weil der Eispanzer bestens isoliert.

Schon einige hundert Teile Kalium pro Milliarde im Felsgestein des angenommenen Planetenkerns sollten, so die Berechnungen der Wissenschaftler, ausreichen, um einen Wasserozean unter dem Oberflächeneis ermöglichen. Allerdings müsste das Gestein hierzu auch in einem Kern konzentriert sein und sich über diesem Kern Schichten aus Wasser und der Eisdecke befinden. "Sollte der Planetenkörper aus einer Mischung aus Wasser und Eis bestehen, müssten wir unsere Berechnungen wieder von vorne beginnen", gesteht Nimmo ein.

Alle Hoffnungen der Forscher liegen nun auf der "New Horizons"-Mission der NASA. Die im Januar 2006 gestartete Sonde soll 2015 den Pluto erreichen und könnte hier die Hypothese der Forscher schon mit relativ einfachen Mittel überprüfen.

Sollte es tatsächlich verborgene Ozeane auf Pluto geben, dann sollte der Zwergplanet vergleichsweise abgeflachte Polregionen und einen äquatorialen Wulst aufweisen. Bei beiden Strukturen handelt es sich um zu erwartende Überbleibsel aus der frühen Geschichte der Planetenentwicklung, als Pluto noch deutlich schneller rotierte.

Zudem hoffen die Forscher darauf, auf den Aufnahmen der Sonde Risse in der Eisdecke des Planeten zu entdecken, wie sie entstanden wären, als Pluto nach und nach abkühlte, dabei die Eiskappen über Jahrmillionen immer dicker geworden wären und sich dabei zunehmende Eismassen auftürmten und aufbrachen. Sollte es immer nur festes Eis und keine flüssigen Ozeane gegeben haben, so sollte dies stattdessen zu einer Kontraktion des Planetenkörpers und nicht zu dessen Ausdehnung geführt haben, da sich Eis bei Abkühlen zusammenzieht.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nationalgeographic.com
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