Donnerstag, 28. April 2011

Extremophile Bakterien wachsen noch bei 400.000facher Erdanziehungskraft

Bakterien unter irdischer Schwerkraft (A) und unter "Hypergravitation" (B) | Copyright/Quelle: Shigeru Deguchi et al

Yokohama/ Japan - Als Extremophile werden in der Biologie Bakterien bezeichnet, die selbst unter widrigsten Bedingungen nicht nur überleben können, sondern sich auch vermehren. Mit dieser Eigenschaft gelingt es einigen irdischen Mikroorganismen sogar, die Bedingungen im freien All, unter starkem Druck, großen Temperaturextremen und selbst schädigender Strahlung ausgesetzt, zu überstehen. Neue Tests japanischer Forscher belegen nun, dass es unter diesen extremen Überlebenskünstlern sogar Exemplare gibt, die selbst das 400.000-Fache der irdischen Gravitation überstehen und dabei sogar noch wachsen können. Damit wäre einmal mehr außerirdisches Leben auch unter Extrembedingungen wahrscheinlicher, wie sie bislang als absolut lebensfeindlich erachtet wurden.

Wie das Team um Dr. Shigeru Deguchi von Universität von Yokohama aktuell im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences " berichten, wurden verschiedene Bakterien in Ultrazentrifugen einer sogenannten "Hypergravitation" mit einer Beschleunigung von etwas mehr als 400.000 g ausgesetzt. 1g entspricht der durchschnittlichen Erdbeschleunigung.

Noch bei einer Beschleunigung von bis zu 20.000 g klumpten sich "Paracoccus denitrificans" und das Darmbakterium "Escherichia coli" zwar zusammen, vermehrten sich jedoch weiterhin. Selbst als die Leistungsfähigkeit der Zentrifugen mit 403.627 g erreicht worden war, waren die Mikroorganismen noch in der Lage, sich zu teilen.

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Aus ihren Beobachtungen schlussfolgern die Forscher, dass Leben also auch an Orten bzw. auf Planten und Himmelskörpern möglich ist, an welchen die Schwerkraft mehrere tausendmal stärker ist als auf der Erde. So könnten Bakterien also durchaus auch im Inneren etwa von Asteroiden von einem Planeten zu einem anderen Reisen - die Grundlage der Theorie der Panspermie, nach der sich das Leben auf diese Weise im Universum ausgebreitet hat, weiterhin ausbreitet und so auch einst auf die Erde gelangt ist.

Im Gegensatz zu eurkaryotischen Zellen, aus welchen auch der menschliche Körper besteht, verfügen Bakterien nicht über eine spezialisierte Struktur ihrer Organellen. Diese sind dafür bekannt, dass sie sich mit zunehmender Erdanziehungskraft zusammenballen und gerade unter der simulierten "Hypergravitation" so eng gedrängt werden, dass die Zelle regelrecht dicht macht. "Die sogenannten proakryotischen Zellen der Bakterien haben jedoch keine Organellen und sind aus diesen Grund auch für die beschriebenen Effekte nicht anfällig", so Deguchi.

Selbst das bislang unter Wissenschaftlern undenkbare Szenario von Leben auf bzw. im Innern sogenannter Brauner Zwerge, Himmelskörper von der vielfachen Größe von Gasriesen wie Jupiter, jedoch wiederum mit zu wenig eigener Masse, um damit einer fortwährende Kernfusion in ihrem Innern antreiben zu können und damit zu einem Stern zu werden, rückt nun in vorstellbare Nähe.

Zumindest zeigen die Experimente der japanischen Forscher, dass schon irdische extremophilen Mikroorganismen die auf Braunen Zwergen herrschende starke Schwerkraft durchaus ertragen könnten. Zudem liegen die dortigen Temperaturen mit rund 125 Grad Celsisus nur unmittelbar über dem Bereich, in dem selbst gewöhnliches Leben auf der Erde gedeihen kann.

Zwar seien die Untersuchungsergebnisse kein Beweis für außerirdisches Leben, noch für die Theorie der Panspermie, doch "sollte es Leben außerhalb unseres Sonnensystems geben, dann kann es wahrscheinlich an deutlich mehr Orten gedeihen als man sich das bislang auch nur vorstellen konnte", zitiert "nationalgeographic.com" den Wissenschaftler.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / xbr.jp/yokohama-cu / nationalgeographic.com
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