Montag, 22. August 2011

US-Wissenschaftler präsentieren Studie über mögliche Auswirkungen des Kontakts mit intelligenten Außerirdischen

First Contact (Illu.) | Copyright: NASA / grewi.de

University Park/ USA - Welche Auswirkung würde der direkte Kontakt mit einer intelligenten außerirdischen Spezies für die Menschheit haben? Neben zahlreichen philosophischen Bemühungen um eine Antwort, hängt diese doch hauptsächlich davon ab, welche Absichten die Außerirdischen selbst hätten. Gemeinsam mit Kollegen der "Planetary Science Division" der NASA haben Wissenschaftler der "Pennsylvania State University" sich dieser Frage angenommen und drei mögliche Grundszenarien in einer 33 Seiten starken Studie ausführlich diskutiert.

"Obwohl die Menschheit bislang zwar noch keine außerirdische Intelligenz (extraterrestrial intelligence, ETI) entdeckt hat, bleibt ein zukünftiger Kontakt mit einer solchen intelligenten Spezies weiterhin im Bereich des Möglichen", erläutern die Autoren Seth D. Baum, Jacob D. Haqq-Misra, Shawn D. Domagal-Goldman im Vorwort ihrer Arbeit, die sie vorab auf "arxiv.org" veröffentlicht haben.

"Ein solcher Kontakt könnte in einer Vielzahl von Szenarien ablaufen, die wiederum ebenso viele Konsequenzen mit sich brächten. Viele bisherige Diskussionen dieser Frage folgen meist jeweils einem bestimmten Szenario, welches stark von den Hoffnungen und Ängsten des jeweiligen Autors bestimmt wird. In unserer Studie analysieren wir eine große Bandbreite von Szenarios bezüglich der Frage, ob ein solcher Kontakt für die Menschheit nützlich oder schädlich sein würde." Die Forscher erhoffen sich von dieser Herangehensweise Antworten, die "dabei behilflich sein könnten, uns auf einen tatsächlichen Kontakt mit intelligenten Außerirdischen vorzubereiten und das auch dann, wenn die Details eines solchen Kontakts nicht vollständig den hier skizzierten Szenarien entsprechen."

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Unter anderem könnte die Frage, ob uns potentielle außerirdische Besucher freundlich, neutral oder feindlich gesinnt sind, gravierende Auswirkungen auf die Entscheidung haben, ob die Menschheit einen solchen Kontakt, etwa durch die absichtliche Sendung von Botschaften ins All (Messaging Extraterrestrial Intelligences, METI), aus eigener Kraft anstreben sollte.

In ihrem Bemühen um einen möglichst umfassenden Überblick und Diskussionen der unterschiedlichen Optionen, haben die Forscher die diskutierten Szenarien in drei grundlegende Kategorien aufgeteilt, die danach fragen, ob ein solcher Kontakt für die Menschheit a) nützliche, b) neutrale oder c) schädliche Konsequenzen hätte.

Da die Menschheit derzeit und voraussichtlich auch mittel- und sogar bis langfristig technologisch nicht in der Lage sein wird, praktikable Wege in der direkten interstellaren Kommunikation oder gar eines direkten Besuchs ferner Planetensysteme zu realisieren, geht eine weitere Grundlage für die ausgeführten Szenarien von der Feststellung aus, dass im Falle eines baldigen oder mittel- bis langfristigen Kontakts, die Außerirdischen die technologisch überlegene Spezies darstellen würden: "Auch wenn wir natürlich nicht das Niveau der technologischen Entwicklung abschätzen können, so gibt es doch überzeugende Gründe für die Annahme, das die außerirdische Intelligenz und deutlich überlegen sein wird und uns aus diesem Grund auch ohne Weiteres gänzlich auslöschen könnte."

Auch vor diesem Hintergrund stelle sich als nächstes dann eine weitere grundlegende Frage, nämlich die nach der Natur der Gesinnung und Absichten der Außerirdischen. Im Sinne der Übersichtlichkeit der Studie haben sich ihre Autoren auf eine starke Verallgemeinerung in dieser Frage geeinigt und diskutieren im Weiteren zwei Möglichkeiten: Egoismus versus Universalität.

Zugleich heben die Forscher jedoch hervor, dass beispielsweise die Variante der universalistischen Gesinnung nicht automatisch gleichbedeutend mit einer für die Menschheit positiven Tendenz ist. "Gerade im Sinne einer universellen Ganzheitlichkeit könnte die Menschheit auch als Problem für den eigenen Planeten der gar seine Nachbarn wahrgenommen werden, dessen es sich zu entledigen gilt."

Ebenso gelte es natürlich auch in Betracht zu ziehen, wie die Gesellschaft der Außerirdischen selbst strukturiert sein könnte. Handelt es sich um eine heterogene oder homogene Kultur und welche Vertreter haben das Sagen? "Diese Fragestellung könnte den weiteren Verlauf des Kontakts von Interesse sein, wenn sich Absichten möglicherweise sogar ändern oder unterschiedliche Tendenzen der Außerirdischen parallel verfolgt werden. Es könnte schließlich auch möglich sein, dass wir von zwei oder mehren Parteien einer Spezies Botschaften mit unterschiedlichem Inhalt und Absicht erhalten. (...) Man führe sich nur einmal die unterschiedlichen Haltungen und Emotionen von uns Menschen angesichts des Szenarios eines möglichen Erstkontakts vor Augen."

In ihren ausführlichen Ausführungen und Diskussionen stellen die Forscher drei Grundszenarien und eine jeweilige Vielzahl von Variationen vor, nach welchen der Kontakt für die Menschheit entweder nützliche neutrale oder schädliche Konsequenzen hat. Zugleich heben sie jedoch hervor, dass die Tatsache, dass deutlich mehr Szenarios mit negativer Auswirkung auf die Menschheit diskutiert werden, nicht gleich bedeutend damit sei, dass für einen solchen Ausgang des Kontakts die Wahrscheinlichkeit höher liege als für einen neutral oder gar positiv verlaufenden Kontakt.

Als für die Menschheit positiv bzw. nützlich verlaufenden Kontakt-Szenarien, diskutieren die Wissenschaftler folgende Optionen:

- Der "reine Nachweis der Existenz intelligenter Außerirdischer", aus dem heraus sich jedoch noch kein weiterer, geschweige denn direkter Kontakt ergibt (s. Kapitel 3.1).

- Ein "Kontakt und Kommunikation mit kooperativen Außerirdischen" (s. 3.2).

- Ein "Kontakt mit unkooperativen Außerirdischen" (s. 3.3).

Von neutraler Konsequenz seien hingegen folgende Szenarien:

- Außerirdische existieren zwar und sind sich auch unserer Existenz bewusst, beobachten uns vielleicht sogar schon, vermeiden aber einen Kontakt: Vorbilder für ein solches Verhalten finden sich unter anderem in der Science Fiction Literatur wie etwa die "Erste Direktive" aus "Star Treck" (s. 4.1).

- Wir entdecken Außerirdische zwar, diese sind für die Menschheit jedoch nicht von Interesse sind (s. 4.2).

Für Projekte wie SETI und METI von besonderer Bedeutung sind die Ausführungen der Wissenschaftler zu jenen Szenarien, die eine von der außerirdischen Seite beabsichtigte schädliche Konsequenz für die Menschheit zum Inhalt haben. Grundlage für die entsprechenden Überlegungen und Ausführungen sind dabei folgende Szenarien:

- Auf vielerlei Ebenen egoistische bzw. "eigennützige Außerirdische" (s. 5.1).

- "Universalistisch eingestellte Außerirdische", die die Menschheit als Problem (für wen und was auch immer) betrachten, das es zu eliminieren gilt (s. 5.2).

- Außerirdische die uns "unbeabsichtigt Schaden" zufügen, etwa durch eingeschleppte invasive Krankheiten oder durch das teilen von Technologien, die letztendlich eine Bedrohung darstellen könnten (s. 6.1, 6.2).

"Selbst wenn die Menschheit nie Kontakt zu einer intelligenten außerirdischen Spezis haben wird", so die Forscher abschließend, "eignet sich unsere Analyse möglicher Szenarien auch als Ausgangsgrundlage für zukünftige Ausrichtung der menschlichen Zivilisation. Unsere Überlegungen über die Natur von Außerirdischen und intelligentem Leben im Allgemeinen sind eine Vorstellungsübung über die Art und Weise, wie die Menschheit zukünftig auch unter anderen Bedingungen und in andersartigen Umgebungen existieren könnte. Unsere Arbeit hilft also dabei, die Konsequenzen bestimmter Entscheidungen zu beleuchten, wenn es etwa darum geht, unsere Ausdehnungsbestrebungen oder ethische Rahmenbedingungen für eine intelligente Zivilisation zu skizzieren und zwischen begehrenswerten und unerwünschten Ausrichtungen des Weges der Menschheit in Betracht zu ziehen.

Während wir also weiterhin nach Außerirdischen suchen, könnte unser Nachdenken über die unterschiedlichen Optionen eines Kontakts der Menschheit dabei behilflich sein, einen eigenen Kollaps zu vermeiden und ein langfristiges Überleben zu sichern."

- Die vollständige ausführliche Studie "Would Contact with Extraterrestrials Benefit or Harm Humanity? A Scenario Analysis" finden Ssie (als PDF, 33 Seiten) HIER

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