Freitag, 28. Oktober 2011

"Codex Copiale": Kryptographen entziffern okkultes Manuskript

Zwei Seiten des "Codex Copiale" (Klicken Sie auf die Abbildung, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.) | Copyright/Quelle: stp.lingfil.uu.se/~bea/copiale/

Uppsala/ Schweden - Gemeinsam mit US-amerikanischen Kollegen ist es schwedischen Wissenschaftlern gelungen, ein Buch aus dem 18. Jahrhundert zu entziffern. Wie sich zeigt handelt es sich bei dem "Codex Copiale" (Copiale Cipher) um ein Manuskript einer deutschsprachigen Geheimgesellschaft.

Auf 105 Seiten und in 75.000 Zeichen wurde das Manuskript in einer bislang unverstandenen Geheimschrift verfasst, die sich selbst wiederum aus insgesamt 90 unterschiedlichen Zeichen besteht. Neben lateinischen und griechischen Buchstaben besteht die Geheimschrift aus diakritischen Zeichen und mystischen Symbolen, sogenannten Logogrammen.

Wie die Forscher um Beáta Megyesi, Christiane Schäfer von der Universität von Uppsala und Kevin Knight vom "Information Sciences Institute" an der "University of Southern California" erläutern, verwendeten sie eine Dechiffrierungsmethode, die die im Manuskript am häufigsten vorkommenden Zeichenkombinationen mit den am häufigsten vorkommenden Schriftzeichen der dem Code zugrunde liegenden Sprache vergleicht.

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"Zu Beginn wussten wir jedoch nicht einmal, welche Sprache die Zeichen verbergen sollten", erläutert Megyesi die Arbeiten. "Nach einigen ersten Versuchen, die allesamt kein positives Ergebnis erbracht hatten, versuchten wir Deutsch, da ein handschriftliches Lesezeichen eines offenbar früheren Besitzers, 'Philipp 1866', aufgrund der deutschen Schreibweise sowie die vermutete Herkunft des Buches darauf hindeuteten."

Nachdem die Forscher erkannt hatten, dass die lateinischen und griechischen Buchstaben, keinen Inhalt wiedergaben und lediglich eine den Leser verwirrende und die Wörter trennende Funktion hatten, entdeckten sie zudem, dass das Kolon (der Doppelpunkt) für die Wiederholung des jeweils vorangegangenen Buchstaben verwendet wurde.

Nachdem so der eigentliche Inhalt, wie er durch die Logogramme wiedergegeben wird, isoliert werden konnte, konnte die Geheimschrift, die nunmehr nur noch 16 Seiten beanspruchte, dann relativ schnell dekodiert werden.

Aus dieser Übersetzung offenbart sich, dass es sich bei dem Manuskript um ein Buch einer okkulten Geheimgesellschaft handelt und Initiationsrituale beschreibt. Derzeit, so die Forscher, werde der Inhalt von Historikern, Wissenschaftlern und Religionsforschern begutachtet, die sich davon auch Hinweise auf die Einflüsse der Geheimgesellschaften auf historisch-politische Ereignisse. Der vollständige Text wurde transkribiert und steht nun sowohl in einer englischen Übersetzung als auch im deutschen Original öffentlich zur Verfügung.

Als nächstes wollen sich Knight, Megyesi und Kollegen weiteren bekannten verschlüsselten Texten und Botschaften widmen, darunter die Chiffren des sogenannten Zodiac Killers, die "Kryptos"-Botschaft in einer Skulptur vor dem CIA-Hauptquartier und das "Voynich Manuskript" (...wir berichteten, s. Links). Als praktische Anwendung des Entzifferungsprogramms erhoffen sich die Forscher zudem Hilfe bei der Entwicklung von Computerprogrammen zur Zwei-Wege-Übersetzung exotischer Sprachen deren bzw. Schriften.

- Weitere Informationen zur Übersetzung, Scans sowie die Transkripte des Texts finden Sie HIER

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Quellen: grenwissenschaft-aktuell.de / uu.se / usc.edu
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