Freitag, 28. Oktober 2011

Existenz eines großen heißen Wasserplaneten um erdnahen Stern bestätigt

Künstlerische Darstellung von "55 Cancri e" vor seinem Stern "55 Cancri A". | Copyright: NASA/grewi.de

Liege/ Belgien - Der nur 40 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernte Stern "55 Cancri" ist schon mit bloßem Augen im Sternbild Krebs zu entdecken und ist für seine bislang fünf entdeckten Planeten bekannt, von denen mindestens einer möglicherweise lebensfreundliche Bedingungen aufweist. Zwar wurde der innerste Planet, "55 Cancri e" bereits 2004 entdeckt, doch lagen bislang noch keine Messungen vor, anhand derer die Größe und somit die Dichte des Planeten bestimmt werden konnte. Diese Daten liegen jetzt vor und bestätigen erstmals frühere Vermutungen, dass es sich dabei um eine gewaltige Wasserwelt von der doppelten Größe der Erde handelt.

Neben der Vorstellung von "55 Cancri e" als gewaltiger Wasserwelt, standen bislang auch Modelle eines Eisriesen von der Größe des Neptun oder auch eines eher erdähnlichen Planeten, einer sogenannten Super-Erde (...wir berichteten, s. Links), zur Diskussion.

Wie das Astronomenteam um Michael Gillon von der "Université de Liège" vorab auf "arXiv.org" berichtet, gelangen die neuen Messungen der Eigenschaften des Planeten durch die Beobachtung seiner Passage vor seinem Muttergestirn (Transit) mit Hilfe des NASA-Weltraumteleskops "Spitzer" und dem kanadischen Weltraumteleskops "MOST".

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Anhand der neuen Werte konnten die Wissenschaftler die Größe des Planeten nun als in etwa doppelt so groß wie die Erde bestimmen. Somit handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Felsplaneten.

Ebenfalls wahrscheinlich ist somit auch eine Zusammensetzung, die jener der Felsplaneten unseres Sonnensystems gleicht und aus einer Kombination aus Eisen und Magnesium-Silizium-Oxiden besteht. Doch basierend auf dieser Annahme ergibt sich für "55 Cancri e" zugleich auch ein Problem: "Der Planet ist zu groß, um nur aus Gestein zu bestehen", zitiert der "The Physics arXiv Blog" (technologyreview.com/blog/arxiv) aus der Studie. "Aus diesem Grund muss der Planet eine Hülle aus flüchtigen Bestandteilen haben."

Angesichts dieser Vorstellung, wäre es zwar auch möglich, dass es sich bei dieser Hülle um eine Gasatmosphäre aus Wasserstoff und Helium handelt, wie sie den Atmosphären unserer Eisriesen gleichen würde. Allerdings verweisen die Astronomen um Gillon angesichts dieses Modells darauf, dass eine solche Atmosphäre schon in wenigen Millionen Jahren ins All entschwunden wäre.

Stattdessen scheint es sehr viel wahrscheinlicher, dass der Felsplanet von Wasser umgeben ist, das immerhin in etwa 20 Prozent der gesamten Planetenmasse ausmacht. Zum Vergleich: Die gesamte Wassermasse auf der Erde entspricht gerade einmal 0,023 Prozent der Masse unseres Planeten. Wie Gillon und Kollegen erläutern, würde es viele Milliarden Jahre benötigen, damit diese Wassermassen gänzlich ins All verfliegen. "Es muss sich also eine Wasserwelt handeln", so die Astronomen.

Allerdings schränken die Wissenschaftler zugleich Vorstellungen eines Wasserplaneten, wie sie etwa in Kevin Costners Hollywoodfilm "Waterworld" gezeichnet werden, deutlich ein. Aufgrund seiner dichten Nähe zu seinem Stern, befinden sich die Wassermassen wahrscheinlich in einer extrem kritischen Phase zwischen flüssigem und gasförmigem Zustand. Zudem könnte der Planet seinen Stern rotationsgebunden umkreisen - ihm also immer die gleiche Seite zuwenden. Die Unterschiede zwischen einer permanenten Tag- und einer ebensolch dauerhaften Nachtseite würden wahrscheinlich zu extremen Wettererscheinungen und einer ebenso Chemie führen.

Gillon und Kollegen hoffen nun darauf, dass "55 Cancri e" schon in wenigen Jahren mit Hilfe der nächsten Generation von Weltraumteleskopen direkt beobachtet und damit weiter genauer untersucht werden wird.

- Die vollständige Studie finden Sie HIER

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Erde2.0: Astronomen entdecken lebensfreundlichen Exoplaneten
20. Juli 2011
Astronomen beschreiben exotische Super-Erde
30. April 2011
Totgeglaubte Exoplaneten könnten doch Leben tragen
23. Oktober 2008

Bücher zum Thema:

- - -

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / arxiv.org / technologyreview.com/blog/arxiv
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE