Montag, 17. Oktober 2011

Zeigen früheste UFO-Fotos einen zerbrechenden Killer-Kometen anno 1883?

Eines der von Josè Bonilla auf einer Nassplatte festgehaltenen Objekte vor der Sonnenscheibe am 12. August 1883. | Copyright/Quelle: Public Domain

Mexico-City/ Mexiko - Schon seit den Kindertagen der Fotografie wurden auch unbekannte Flugobjekte (UFOs) auf Bild festgehalten. Die ersten möglichen UFO-Fotos stammt von dem mexikanischen Astronom José Bonilla, der eigentlich Sonnenflecken dokumentieren wollte und plötzlich eine Vielzahl unbekannter Objekte vor der Sonnenscheibe vorbeifliegen sah und einige davon auf Nassplatten festhalten konnte. Eine neue Studie mexikanischer Astronomen vermutet nun, dass die Aufnahmen einen zerbrochenen Killerkometen zeigen, die damals nur um Haaresbreite die Erde verfehlt hätte.

HINWEIS: In der ursprünglichen Version war die Rede von einer Größe der angenommenen Trümmerteile von 50 bis 800 KILOMETER. Diese angabe musste natürlich auf 50 bis 800 METER korrigiert werden! Wir bitten um Verständnis.


Am 12. August 1883 war der damalige Direktor des Obsevatoriums in Zacatecas eigentlich mit der Beobachtung von Sonnenflecken beschäftigt, als er das Vorbeiziehen zahlreicher dunkler Objekte vor der Sonne bemerkte und mehrere Nassplatten mit Belichtungszeiten von etwa 1/100 Sekunde erstellen konnte.

Während das Foto von vielen UFO-Forschern als früheste Fotografien unidentifizierter Flugobjekte (Unidentified Flying Objects, UFOs) diskutiert wird, sahen UFO-Skeptiker in den Aufnahmen von jeher Momentaufnahmen eines vor der Sonnenscheibe vorbeifliegenden Zugvogelschwarms. Allerdings konnte Bonilla das Phänomen über mehrere Stunden und zwei aufeianderfolgenden Tagen beobachten.

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Alles Begann mit der Beobachtung eines hellen Objekts: "Am 12. August 1883 begann ich um 8 Uhr mit dem Abzeichnen von Sonnenflecken, als ich plötzlich ein kleines Licht bemerkte, das in das Linsensichtfeld, wie es sich auf dem Projektionspapier abzeichnete, eintrat und sie Sonnenscheibe überflog und dann wie ein nahezu kreisrunder Schatten aussah. Ich hatte mich von meiner Verwunderung noch nicht erholt, als sich das gleiche Phänomen erneut und immer wieder wiederholte. Dies geschah derart oft, dass ich über einen Zeitraum von zwei Stunden bis zu 283 dieser Körper zählen konnte." Auch am folgenden Tag setzte sich das Phänomen fort. Insgesamt konnte Bonilla 447 dieser Objekte zählen. Seine Beobachtung und einige seiner Fotografien wurden am 1. Januar 1886 im Fachmagazin "L'Astronomie" veröffentlicht. Schon der damalige Herausgeber der Zeitschrift vermutete Zugvögel als Erklärung für die angeblichen UFOs.

Eine neue Studie von Astronomen um Hector Javier Durand Manterola von der "Universidad Nacional Autónoma de México", die die Wissenschafter vorab auf "arXiv.org" veröffentlicht haben, vermutet nun jedoch, dass es sich um die Bruchstücke eines auseinandergebrochenen Kometen gehandelt hatte, die damals beinahe die Erde getroffen hätten.

Neben dem Umstand, dass ein solches Phänomen für die Astronomen die ebenfalls von Bonilla beschriebene nebelartige Erscheinung der meisten der beobachteten Objekte und deren Dichte zueinander erklärt, verweisen die Autoren der Studie auch darauf, dass ein vor der Sonne vorbeiziehender Komet an diesem Tag offenbar von niemand anderem beobachtet wurde – und das, obwohl die nächstgelegenen Observatorien nur wenige hundert Kilometer von Bonnila entfernt waren.

Dieser Umstand, so die Astronomen um Manterola, könnte durch das Phänomen der sogenannten Parallaxe erklärt werden. Diese bezeichnet die scheinbare Änderung der Position eines Objektes, wenn der Beobachter seine eigene Position (nur leicht) verschiebt.

Hätten sich die Kometenfragmente also nahe genug an der Erde befunden, so könnte dieses Phänomen dazu geführt haben, dass sie nur von ganz bestimmten Beobachtungsstandorten entlang einer Breitengradszone als vor der Sonnenscheibe vorbeiziehend zu sehen waren. Selbst verhältnismäßig nahe gelegenen Observatorien wäre dadurch das Schausiel entgangen. Da Mexiko auf demselben Breitengrad wie die Sahara, Nordindien und das südöstliche Asien liegt, wo es zur damaligen Zeit noch keine Observatorien gab, erkläre dies auch, warum die Erscheinung nicht auch von anderen Erdteilen aus beobachtet wurde.

Manterola und seine Kollegen Maria de la Paz Ramos Lara und Guadalupe Cordero habe zudem berechnet, wie nahe die Trümmer der Erde bereits gekommen sein müssen, um auf die von Bonilla beschriebenen Art und Weise beobachtet werden zu können und kommen auf eine Distanz von 8.000 bis 600 Kilometern. Der postulierte Komet bzw. seine Trümmer hätte die Erde demnach nur um Haaresbreite verfehlt. Zugleich schätzen die Astronomen die Größe der Trümmer auf zwischen 50 und 800 Meter im Durchmesser. Der ursprüngliche Mutterkörper hätte also ein Gewicht von mehr als einer Milliarde Tonnen haben müssen und währe damit in etwa so groß wie der Halleysche Komet gewesen.

Ähnliche Vorbeiflüge von Kometentrümmern wurden bereits zahlreich beobachtet. Erst 2006 zerbrach der Komet "Schwassmann-Wachmann3" bei Wiedereintritt ins innere Sonnensystem. Aus astrophysikalischer Sicht gibt es also keinen Grund, weswegen solche Fragmente nicht auch entsprechend nahe die Erde passieren könnten.

Bei seiner Passage durch das innere Sonnensystem 2006 zerbrach der Komet "Schwassmann-Wachmann3" in mindestens 73 sichtbare Fragmente. | Copyright: NASA, ESA, H. Weaver, (JHU/APL), M. Mutchler and Z. Levay (STScl)

Warum der Komet von 1883 allerdings nicht schon zuvor entdeckt wurde, können sich auch die mexikanischen Astronomen nicht wirklich erklären. Sie vermuten allerdings, dass es sich möglicherweise um den Kometen Pons-Brooks gehandelt hatte, der im selben Jahr von US-Astronomen entdeckt wurde.

Anhand Bonillas Beobachtungen der "Objekte" über einen Zeitraum von jeweils dreieinhalb Stunden an zwei Tagen zeigen die Astronomen auf, wie knapp die Erde 1883 wahrscheinlich einer Katastrophe entgangen war. Insgesamt bestand der postulierte Trümmerschweif demnach aus rund 3275 Objekten. Da jedes dieser Fragmente mindestens so groß war, wie jener Körper, den Astronomen für die gewaltige Explosion im Jahre 1908 über Tunguska verantwortlich machen (...wir berichteten s. Links) , sei die Erde damals "innerhalb von nur zwei Tagen 3275 Tunguska-Ereignissen" entgangene, wie sie "wahrscheinlich zu einer globalen Auslöschung geführt hätten."

- Den Originalartikel von Manterola et al. Finden Sie HIER


- Den Originalbericht von José Bonilla in einer englischen Übersetzung finden Sie HIER

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