Montag, 12. Dezember 2011

Studie: Brutale Videospiele verändern Hirnfunktionen

Die fMRT-Aufnahmen der beiden Gruppen belegen einen Rückgang der Hirnaktivität durch exzessives Spielen gewaltverherrlichender Videospiele (s. Abb. m. u.). Klicken Sie auf die Abbildung, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen. | Copyright/Quelle: medicine.iu.edu

Indianapolis/ USA - Nach einer Woche intensiven Spielens gewaltverherrlichender Videospiele konnten US-Neurologen bei jungen Männern verstärkt neurologische Veränderungen von Aktivitäten in jenen Hirnregionen nachweisen, die mit kognitiven Funktionen und emotionaler Kontrolle assoziiert werden.

Wie die Wissenschaftler um Dr. Yang Wang von der University School of Medicine auf dem Jahrestreffen der Radiological Society of North America berichteten, untersuchen sie schon seit rund zehn Jahren in experimentellen Studien die Auswirkungen gewaltverherrlichender Video- und Computerspiele und glauben nun belegen zu können, dass die Spiele tatsächlich anhaltende negative neurologische Auswirkungen auf Vielspieler haben.

"Zum ersten Mal haben wir anhand einer Gruppe zufällig ausgewählter junger Erwachsener zeigen, dass bestimmte frontale Hirnregionen nach einer Woche des Spielens entsprechender Videospiele deutlich weniger Aktivität aufweisen", so Wang. "Die auf diese Weise beeinflussten Hirnregionen sind für die Kontrolle von Emotionen und aggressivem Verhalten verantwortlich."

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Für die Studie wurden 29 gesunde junge männliche Erwachsene im Alter von 18 bis 29 Jahren mit keiner oder nur geringer Spielerfahrung bezüglich gewaltverherrlichender Videospiele ausgewählt und nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen zu jeweils 14 Personen aufgeteilt. Dann wurden die Mitglieder der einen Gruppe dazu angehalten eine Woche lang jeden Tag mindestens 10 Stunden mit dem Spielen eines sogenannten Ego-Shooter-Spiels zu verbringen und daraufhin eine Woche lang nicht mehr zu spielen. Die zweite Gruppe, die Vergleichsgruppe, wurde angehalten während der ganzen zwei Wochen keinerlei Videospiele zu spielen.

Jeder der 28 Probanden wurde jeweils zu Beginn, dann nach der ersten Woche und wiederum nach Ablauf der zweiten Woche der "Spielphase" einer fMRT-Untersuchung unterzogen, während derer sie durch Drücken einen Knopfes Wörter, die auf einem Bildschirm in einer bestimmten Farbe dargestellt wurden, zu bestätigen. Bei dieser Aufgabe wurden immer wieder Wörter mit gewalttätigem Inhalt unter nicht-gewalttätige Wörter gemischt. Zusätzlich mussten die Probanden einem kognitiven Hemmschwellentest unterzogen.

Die Ergebnisse nach der ersten Woche zeigten, dass die Mitglieder der Spieler-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich weniger Aktivitäten während der Tests im linken inneren Frontallappen und wenige Aktivität im präfrontalen Cortex aufwiesen. Nachdem die Gruppe der Spieler danach eine Woche den "Ballerspielen" entsagt hatten, näherten sich die Aktivitätsmuster in den entsprechenden Regionen wieder denen der Mitglieder der Kontrollgruppe an.

Das Signet der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) für Videospiele ohne Jugendfreigabe. | Copyright: usk.de

Ein wichtiger Punkt, der die aktuelle Studie von früheren Untersuchungen unterscheidet, ist der Umstand, dass die Testphase nicht in einem Labor, sondern von den Spielern in ihrer "natürlichen Umgebung" (vornehmlich zuhause) stattfand.


"Diese Ergebnisse", so zeigt sich Wang besorgt, "legen Langzeiteffekte (durch das Spielen entsprechender 'Games') auf die Hirnfunktion nahe. Diese Effekte könnten sich bei dauerhaftem Spielen auch in Form von Verhaltensveränderungen auswirken."

Ob eine vergleichbare Auswirkung auch durch das exzessive Spielen gewaltfreier Videospiele ausgelöst wird, geht indes aus der Studie von Wang und Kollegen nicht hervor.

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