Montag, 15. April 2013

Hoa Hakananai’a: Archäologen erkunden Osterinsel-Statue in neuem Licht


Photogrammetrische Abbildung des Hoa Hakananai’a.
| Copyright/Quelle: James Miles, britishmuseum.org 


Southampton (England) - Britische Archäologen haben die Ergebnisse einer genauen Analyse und Dokumentation der Vorder- und Rückseite einer Moai-Statue der Osterinsel vorgestellt, die sich heute im British Museum in London befindet. Gravuren auf der Rückseite des sogenannten "Hoa Hakananai’a" belegen, dass dessen Rückseite - nachdem sich die Bewohner der Osterinsel von den gewaltigen Statuen abgewandt hatten - als eine Art Altar für die neue Vogelmann-Kult (Tangata Manu) diente. Die jetzt neu entdeckten Details werfen ein neues Licht auf den Kilt der Vogelmenschen.

Die Statue selbst wurde 1869 von der Crew der "HMS Topaz" nach England gebracht. Allgemein wird angenommen, dass sie etwa im Jahre 1200 gemeinsam mit rund 1.000 ähnlicher Statuen auf der Osterinsel geschaffen wurde. Der "Hoa Hakananai’a" ist für die Wissenschaftler jedoch von besonderem Interesse – weist er doch auf seiner Rückseite komplexe Gravuren auf.

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Wie das Team um James Miles, Hembo Pagi und D. Graeme Earl von der "Archaeological Computing Research Group" an der University of Southampton aktuell im Fachjournal "British Archaeology" berichtet, war der erste Schritt der Analyse eine detaillierte 3D-Abbildung des Maoi.


"Die Statue des Hoa Hakananai’a wurde bislang nur selten von Archäologen genauer untersucht. Jetzt ist es uns dank der Entwicklungen auf dem gebiet der digitalen Abbildung und Darstellung jedoch möglich, den Maoi in bislang nicht gekannter Detailgenauigkeiten zu untersuchen", berichtet Earl.


Archäologen nehmen allgemein an, dass die Bewohner der Osterinsel, Rapa Nui, gegen 1600 im Angesicht einer ökologischen Katastrophe ihre Religion um die Maois aufgaben und sich stattdessen dem sogenannten Vogelmann-Kult zuwandten. Zu dieser neuen Religion gehörte u.a. auch ei Ritual, bei dem es darum ging, schwimmend das erste Ei von Seeschwalben von der nahegelegenen Insel Motu Nui auf die Hauptinsel zu bringen und anhand dieser Trophäe ein Jahr lang einen heiligen Status zu erlangen.


"Der Hoa Hakananai’a überstand den Wechsel der religiösen Glaubenssysteme, in dem er in einer Steinhütte rückwärts aufgestellt und seine Rückseite mit neuen Petropglyphen verziert wurde, die Motive des Vogelmann-Kults darstellen", erläutern die Forscher. Aus diesem Grund gilt er vielen Wissenschaftlern als Zeuge dieses religiösen Übergangs.


Mit dem photogrammetrischen Aufnahmeverfahren, bei dem ein Objekt hundertfach aus den verschiedensten Blickrichtungen abgelichtet und anhand dieser Aufnahmen ein hochauflösendes, frei rotierbares 3D-Modell errechnet wird, und der "Reflectance Transformation Imaging" (RTI)-Methode, mit der eine virtuelle Lichtquelle um ein 3D-Modell bewegt und dieses so unter jedem gewünschten Lichteinfallswinkel betrachtet und analysiert werden kann, analysierten die Archäologen den Maoi im Londoner Museum sprichwörtlich in völlig neuem Licht.


Animation anhand der photogrammetrischen Daten des Hoa Hakananai’a


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Auf diese Weise gelangen den Forschern einige faszinierende Entdeckungen. "Die vielleicht bedeutendste ist die, dass einer der dargestellten Vogelschnäbel nicht - wie bislang angenommen - lang und spitz, sondern kurz und rund ist. Damit können die beiden dargestellten Vogelmenschen nun als Mann und Frau unterschieden werden. Aus dieser neuen Sicht ergibt sich eine völlig neue Komposition der überlieferten Hintergrundgeschichte des Vogelmann-Kults." Zudem sind sich die Forscher nun sicher, dass die Statue nicht - wie ebenfalls bislang gedacht - einst auf einer Plattform am Strand positioniert war, sondern ursprünglich im Erdreich auf einer hohen Klippe stand.



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Zudem entdeckten die Forscher, dass zu jener Zeit, als die Statue zur Hälfte im Boden und in Lebensmittelresten begraben war, kleine Gravuren in Form weiblicher Genitalien, sogenannten Komari, in den Hinterkopf des Hoa Hakananai’a geritzt wurden. Zu einem noch späteren Datum wurde eine der Zentralszenen des Vogelmann-Kults hinzugefügt, in der ein männliches Küken sein Nest verlässt und dabei von seinen Vogelmenschen-Eltern beobachtet wird.

Von der Veröffentlichung der neuen Daten und Entdeckungen zum Hoa Hakananai’a erhoffen sich die Archäologen nun eine neuen Diskussion über die Bedeutung der Petroglyphen auf der Rückseite des Londoner Maois.


- Teilw. Interaktive Ansichten des Hoa Hakananai’a finden Sie HIER und HIER


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