Montag, 11. August 2014

Beteigeuze: Astronomen erwarten spektakuläre Doppelexplosion am Sternenhimmel


Künstlerische Darstellung des Riesensterns Beteigeuze (Illu). | Copyright: ESO/L. Calçada

Bonn (Deutschland) - Eine neue Studie, die erklärt, wie einst die Materiehülle um den 600 Lichtjahre von der Erde entfernten Riesenstern Beteigeuze entstanden ist, kommt zu der Schlussfolgerung, dass dieser schon in naher Zukunft sein Leben wahrscheinlich mit einem gewaltigen Doppelschlag beenden wird: Zunächst wird Beteigeuze in einer Supernova verglühen. Wenige Monate später wird die Hülle für die spektakuläre zweite Explosion sorgen. Diese Explosionen könnten so stark sein, dass sie von der Erde aus sogar am Tageshimmel sichtbar sein werden.

Wie die Astronomen um Dr. Jonathan Mackey von der Universität Bonn aktuell im Fachjournal "Nature" (DOI: 10.1038/nature13522) berichten, ist schon seit 2012 ist bekannt, dass Beteigeuze von einer Hülle aus Materie umgeben ist. Der Riesenstern selbst hat den unvorstellbar 600fachen Durchmesser unserer Sonne und ist u.a. deshalb auch an unserem Nachthimmel als zehnthellster Stern zu sehen.


"Als so genannte Supernova (Sternexplosion) wird er dann das Firmament überstrahlen - so hell wie der Mond. Wahrscheinlich ist die Explosion sogar tagsüber von der Erde sichtbar", so die Forscher in ihrer Pressemiteilung. Wann es soweit ist, lasse sich jedoch nicht genau sagen: "Es kann morgen passieren oder in hunderttausend Jahren", erklärt Mackey.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Da Beteigeuze jedoch von einer Hülle aus Materie umgeben ist, wird es bei dieser Supernova aber wohl nicht bleiben. "Das Material in dieser Hülle summiert sich auf ein Zehntel der Sonnenmasse", so die Forscher weiter. "Bei der Supernova-Explosion werden die äußeren Schichten von Beteigeuze abgesprengt und ins All geschleudert. Diese Sternenfragmente rasen mit vielen tausend Kilometern pro Sekunde auf die Materiehülle zu. Nach einigen Monaten bis maximal drei Jahren kommt es dort zu einem riesigen Crash, der auf der Erde als weitere Explosion sichtbar werden dürfte."


Beim Flug durch das All schiebt Beteigeuze eine Bugwelle aus Materie vor sich her - im Bild als "bow shock" zu sehen. Wenn Beteigeuze als Supernova explodiert, rasen Sternenfragmente mit unvorstellbarem Tempo auf diese Hülle zu. | Copyright: ESA / Herschel / PACS / L. Decin et al.

Dass es diese Materiehülle um Beteigeuze gibt, ist erst seit 2012 bekannt. Ihre Die Entstehung Materiehülle gab den Astronomen bislang Rätsel auf. Mackey und Kollegen legen in ihrem Artikel nun eine plausible Hypothese vor: "Schon lange ist bekannt, dass Rote Riesen (wie andere Sterne auch) von ihrer Oberfläche ständig Materie ins All schleudern - den Sternenwind."


Anhand von Computersimulationen können die Bonner Forscher zeigen, dass die Strahlung des interstellaren Mediums diesen Sternenwind erhitzt und diese Hitze eine Schockwelle erzeugt, die den Wind abbremst. "So entsteht in einiger Entfernung um Beteigeuze eine nahezu bewegungslose Hülle aus ehemaligem Sternenmaterial." Dieser Vorgang sollte nach den Bonner Überlegungen auch bei anderen Roten Superriesen auftreten.


Dort könnten die Materieansammlungen sogar noch erheblich größer sein. Die Forscher rechnen mit bis zu fünf Sonnenmassen. Das könnte erklären, warum Supernova-Explosionen mitunter 10- bis 100-mal heller sind als theoretisch zu erwarten. Denn wenn die Reste des explodierten Sterns in eine derart dichte Materiehülle rasen, wäre eine zweite Explosion gewaltigen Ausmaßes die Folge.


"Supernovae sollten in der Milchstraße im Schnitt etwa alle hundert Jahre zu beobachten sein", berichtet die Pressemitteilung der Bonner Universität abschließend. "In unserer Nachbargalaxie, der Großen Magellanschen Wolke, wurde am 24. Februar 1987 eine Supernova-Explosion entdeckt. Trotz der großen Entfernung von 160.000 Lichtjahren war sie auf der Südhalbkugel ebenfalls mit bloßem Auge sichtbar, allerdings nur nachts.


Die letzte Supernova-Explosion in der Milchstraße liegt schon ein Weilchen zurück: Italienische Himmelskundler bemerkten im Oktober 1604 einen neuen Himmelskörper, der alle anderen Sterne überstrahlte. Der deutsche Astronom Johannes Kepler beschrieb das Phänomen ausführlich; daher wurde die Supernova nach ihm benannt."


Die Explosion von Beteigeuze dürfte für Erdbewohner um Einiges spektakulärer sein - liegt der Rote Superriese doch 30mal näher als Keplers Supernova. Jetzt heißt es abwarten. Schon morgen könnte es soweit sein...


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Roter Riesenstern Beteigeuze schrumpft dramatisch
17. Juni 2009


grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: uni-bonn.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE