Ein Einhorn? Kontrastverstärktes Standbild aus dem Urlaubsvideo | Copyright: Jörn HansenCama/ Schweiz – Zwei deutsche Urlauber haben bei ihrem Urlaub im Camathal im Schweizer Kanton Graubünden ein Tier gefilmt, dass bei genauer Betrachtung einem klassischen Einhorn zu gleichen scheint. Auch wenn das Tier nur für wenige Augenblicke zu sehen ist, scheinen die charakteristischen Einhorn-Merkmale deutlich erkennbar.
Zwar gilt das Einhorn allgemein als reines Fabeltier und somit als ein Produkt der Fantasie, doch historischen Quellen und modernen Augenzeugenberichte rücken immer wieder die Frage nach dem tatsächlichen Hintergrund dieser Mythen in den Blickpunkt (s. unten).
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Im aktuellen Fall waren Jörn Hansen und seine Freundin Anne in den Bergen rund um Cama unterwegs und filmten dabei das Panorama der Waldgegend. Auf Film und Tonspur geht hervor, dass auch die beiden Zeugen, eigentlich nur das weiße Tiere sehen und für den kurzen Moment, bevor es in den Wald trabt filmen. Erst eine Nachbetrachtung weist dieses Tier als weißes Pferd aus, das einen Horn auf der Stirn zu haben scheint.
Allerdings erschwert die wackelige Qualität der Bilder eine genauere Analyse, wodurch eine Vielzahl von Deutungen möglich ist. Auch eine Manipulation des Films kann mit heutigen Mitteln der allgemein zugänglichen Computertechnik natürlich nicht ausgeschlossen werden.
Hintergrund: Das Einhorn
"Gezähmtes Einhorn" im Palazzo Farnese, von Domenichino, um 1602 | Copyright: Public DomainDas „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“ (1927) erläutert zum Einhorn folgendes:
„Das Einhorn wird als ein wildes, ungeheuer starkes Tier meist in Pferdegestalt, aber auch antilopen- oder bocksartig gedacht und trägt als Haupteigentümlichkeit ein langes, spitziges, gewundenes Horn mitten auf der Stirn. Auch hat e eine wulstartige Erhebung auf dem Kopf, worin man wohl einen Karfunkelstein sah. Das Tier stirbt in Gefangenschaft. Es ist einsiedlerisch und hasst männliche Wesen.
Von den Sagen über das Einhorn ist sein Kampf mit den Löwen bemerkenswert; dieser stellt sich vor einen Baum und weicht dem anstürmenden Einhorn blitzschnell aus, sodass es sein Horn tief in den Stamm einbohrt und dadurch wehrlos wird. Gelegentlich wird das auch von Menschen, die vom Einhorn angegriffen werden, so gemacht. Vor allem aber war die Sage von seinem Fang durch eine reine Jungfrau verbreitet, zu der das sonst so wilde Einhorn traulich herankommt und seinen Kopf in ihren Schoß legt.
Bücher zum Thema:
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(...) Im Volksglauben hatte das Horn des Einhorns die größte Bedeutung; es galt als kostbarer Talisman, man fertigte Amulette und Ringe daraus. 1416 ließ der Herzog Johann von Burgund an ein Stück Einhorn einen Griff machen, 1565 gab Friedrich II. von Dänemark sein Einhorn gegen eine große Summe als Pfand, ein „probiert und ein rechtes natürliches“ Einhorn wird 1568 für die Pfalz gesichert. Man bezahlte diese Hörner teuer, und so wurde Handel damit getrieben.
(Anm. d. Redaktion v. grenzwissenschaft-aktuell: Die Hörner mit den man im Mittelalter Handel trieb, waren meist Narwalzähne oder passende fossile Funde.)
Man brauchte sie, um festzustellen, ob etwas gift enthalte, so Karl der Kühne, der das Stück eines Einhorns stets auf seiner Tafel hatte, aber auch zu sonstigen Heilzwecken. Daher kommt das Einhorn auch als Giebelschmuck vor, und als Wappentier in der Heraldik war es sehr beliebt; so führten es Dietmar von Aist, der englische Dichter Chaucer, die Markgrafen von Este; da es die Könige von Schottland im Wappen trugen, kam es auch in das englische Staatswappen. Auch Schillers Adelswappen zeigt den Oberleib eines Einhorns.
Die Fabeleien vom Einhorn sind kein bodenständiger deutscher Volksglaube gewesen, sondern sie beruhen, wie die anderen europäischen Einhornsagen, sämtlich auf gelehrter, literarischer Überlieferung aus dem Altertum.“
Die verschiedenen antiken Darstellungen (u.a.: Ktesias, Leibarzt des Artaxerxes II. Memnon; Meganthenes; Physiologos) gehen wahrscheinlich auf eine Vermischung verschiedener altindischer Sagen zurück. Zum einen auf Schilderungen des indischen Nashorns (Rhinozeros), das eine besondere Rolle in der buddhistischen Symbolik spielt - galt es doch in der buddhistischen Literatur als Sinnbild der Tugend, Friedfertigkeit und Weltabgewandtheit. Auch dürfte bei einigen frühen Beschreibungen des Tieres ein Einfluss babylonisch-assyrischer Fabelwesen nachklingen. Zum anderen die weitverbreitete altindische Geschichte eines Einsiedlers mit dem Namen „Einhorn“ (Ekasrnga), den eine Königstochter mit Vorbedacht betört und ihn mit dieser List in den Palast ihres Vaters bringt, wo er die furchtbare Dürre des Landes mit seiner Wunderkraft beseitigen soll.
Quelle: grenzwissenscahft-aktuell.de / metacafe.com
