Flagge der tibetischen Exilregierung | Copyright: PDDharamshala/ Indien - In einem Kommentar zur aktuellen Krise und dem gewaltsamen Vorgehen der chinesischen Regierung gegen die Demonstrationen in Tibet, hat der Dali Lama eindringlich vor einem "kulturellen Völkermord" in seiner Heimat gewarnt.
Die Zahl der bei den blutigen Unruhen zu Tode gekommenen Tibeter wird mittlerweile auf mehr als 80 geschätzt. Für den Fall, dass Peking seine Politik nicht ändere, befürchtet das geistige Oberhaupt und der gleichzeitige politische Exil-Führer Tibets gegenüber der BBC, dass noch mehr Menschen getötet werden.
Der Dalai Lama sprach sich in seiner Erklärung für eine Untersuchung der Situation durch eine unabhängige internationale Organisation aus. "Ob beabsichtigt oder nicht - es findet eine Art kultureller Völkermord statt", so der Friedensnobelpreisträger gegenüber Journalisten. Peking übe eine "Herrschaft des Terrors" aus, welche die Tibeter als "Bürger zweiter Klasse" behandele. Dabei verwehrte er sich zugleich gegen Gerüchte, er selbst habe die Aufstände angeregt.
Trotzdem sprach sich der Dalai Lama für die Durchführung der kommenden Olympischen Sommerspiele in Peking aus. "Ich will die Spiele", so der Dalai Lama. "Die Chinesen sollen stolz darauf sein. China verdient, Gastgeber der Olympischen Spiele zu sein". Allerdings müsse Peking daran erinnert werden, "ein guter Gastgeber zu sein". Seine Landsleute rief der Dalai Lama weiterhin zum Gewaltverzicht auf.
Ausgelöst wurde die Krise durch Proteste am 49. Jahrestag des Aufstandes in der tibetischen Hauptstadt Lhasa gegen die chinesischen Besatzungstruppen, die Tibet seit 1950 regieren. Danach flüchtete der Dalai Lama ins indische Dharamshala, wo er seit 1959 die Exil-Regierung Tibets führt. China lehnt hingegen von je her eine Autonomie der Himalaya-Region strikt ab und erkennt auch die Autorität des Dalai Lama sowohl politisch als auch spirituell-religiöse nicht an.
Mittlerweile hat Peking in Tibet den "Volkskrieg gegen die Separatisten" ausgerufen, in dem die Bevölkerung dazu aufgerufen wurde, gegen die Feinde der Partei vorzugehen. Derzeit werden alle sich im Land befindenden Ausländer und selbst Mitglieder von Hilfsorganisationen des Landes verwiesen und aus Tibet ausgeflogen. Beobachter befürchten, dass Peking massiv gegen seine Kritiker und Demonstranten vorgehen werde und dabei keine Zeugen wolle.
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International wird die Situation in Tibet mit großer Sorge beobachtet. In einem fast einstündigen Telefonat forderte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gestern von seinem chinesischen Amtskollegen Yan Jiechi ein Ende der Gewalt und größtmögliche Transparenz über die Ereignisse in Tibet. Zugleich mahnte er eine friedliche Lösung und Deeskalation der Lage an.
Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / bbc.co.uk / spiegel.de / tagesschau.de
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