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Dienstag, 27. Mai 2008

Sonnenfinsternis: Erzeugt Infraschall die Fliegenden Schatten?

Lithografie der Fliegenden Schatten der Finsternis in Sizilien und Süditalien anno 1870 | Copyright: Public Domain

Guildford/ England - Kurz bevor und nachdem sich die Sonne während einer totalen Sonnenfinsternis vollständig verdunkelt, kann immer wieder das Phänomen der so genannten Fliegenden Schatten beobachtet werden, die in schlierenartigen Bändern über Boden und Wände huschen. Bislang wurde dieses Phänomen mit atmosphärischem Luftflimmern erklärt. Eine neue Theorie glaubt jedoch, macht Infraschall für die Schattenbänder verantwortlich.

Kurz vor der totalen Verfinsterung bewegen sich die Fliegenden Schatten für gewöhnlich in gleicher Bewegungsrichtung wie die Finsternis selbst. Kurz danach bewegen sie sich in Winkeln zu dieser Richtung. Früher glaubte man, dass der Effekt von der Beugung der Sonnenstrahlen durch den Mondrand verursacht werde. Heute vertreten die meisten Astronomen die so genannte Szintillationstheorie des Astronomn Johanan L. Codona. Demnach entstehen die Schattenmuster durch Interferenz von Lichtstrahlen, die kurz vor und nach der Verfinsterung noch von der dann nur noch dünnen Sonnensichel ausgehen und bei ihrer Durchquerung der Turbulenzen und Dichtevariationen in der Atmosphäre einen etwas unterschiedlichen Weg nehmen.

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Wie die BBC berichtet, vertritt der Astrophysiker Dr. Stuart Eves von "Surrey Satellite Technology Limited" (SSTL) nun eine neue Theorie, wonach Infraschall, der von menschlichen Ohr nicht wahrgenommen werden kann, die Schatten erzeugt: "Wenn sich der Finsternis-Schatten mit Überschallgeschwindigkeit durch die Erdatmosphäre bewegt, verändert das plötzliche Verschwinden des Sonnenlichts auch die Erdtemperatur. Diese rapide Abkühlung der Luft verändert auch deren Druck. Die dabei entstehende Energie entlädt sich dann als höchst intensiver Infraschall".

Im Gegensatz zum Durchbrechen der Schallmauer, etwa durch einen Düsenjet, würden die Infraschallpulse jedoch nicht von einem einzigen Ereignis erzeugt, sondern entstünden fortwährend an der Kannte der Schockwelle, die der Finsternis vorausgeht. Diese Infraschall-Front könnte in der Atmosphäre die Geschwindigkeit und Ausrichtung der Lichtwellen beeinflussen und brechen und somit wiederum am Boden oder auf Hauswänden die fliegenden Schattenbänder erzeugen. Gegenüber der BBC vergleicht Eves den von ihm postulierten Effekt mit dem Effekt der Helligkeitsmuster auf Wasseroberflächen (Kaustik), wie er besonders aus sonnenbeschienenen Swimmingpools bekannt ist.

"Wenn meine Theorie bestätigt werden kann, würde dies zeigen, dass astronomische Finsternisse nicht nur ein optisches, sondern auch ein akustisches Phänomen sind", so Eves und erklärt weiter, dass keine der bisherigen Theorien den Umstand erklären, dass die Fliegenden Schatten vor und nach der Finsternis ihre Richtung verändern. Vergleicht man den von Eves beschriebenen Effekt nun jedoch mit den Wellen die ein Schiff im Wasser verursacht, könnte seine Theorie die Bewegung der Schatten tatsächlich erklären.

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Kritiker von Eves' Theorie, wie Dr. Barrie Jones von der astronomischen Fakultät der "Open University" zeigen sich jedoch skeptisch: "Infraschallwellen würden sich innerhalb der Atmosphäre mit Schallgeschwindigkeit ausbreiten. Die Schattenbänder bewegen sich jedoch mit Windgeschwindigkeit und können sogar stationär verweilen."

Dennoch zeigt sich Eves zuversichtlich, dass seine Theorie auch andere, bislang nur wenig verstandene Phänomene währen Sonnenfinsternissen erklären kann. So wurde beispielsweise anhand foucaultschesn Pendeln, mit der die Erdrotation anschaulich nachgewiesen werden kann, festgestellt, dass diese während der Finsternisse unregelmäßig schwingen. Bislang nahm man an, dass hierfür Gravitationseffekte verantwortlich sein könnten. Dr. Eves glaubt, dass die Störung der Pendel ebenfalls durch die Infraschallpulse ausgelöst werden, wenn diese auch den Boden zum Schwingen bringen und somit den Rhythmus der Pendel beeinträchtigen. Auch das oft auffallend merkwürdige Verhalten von Tieren, so Eves, könnte auf deren Wahrnehmungsfähigkeit für Infraschall zurückzuführen sein.

Eine ausführliche Beschreibung der Beobachtung, fotografische und filmische Dokumentation und Diskussion des Phänomens der Fliegenden Schatten durch Dr. Wolfgang Strickling finden Sie HIER

Quellen: bbc.co.uk / grenzwissenschaft-aktuell.de
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