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Montag, 5. Oktober 2009

Ardi: Forscher offenbaren die älteste Vorfahrin des modernen Menschen - auch Kryptozoologen zeigen sich interessiert

Grafische Rekonstruktion von "Ardi" | Copyright/Quelle: J.H. Matternes/AAAS

Berkeley/ USA - Nach mehr als 15 Jahren akribischer wissenschaftlicher Präparation Rekonstruktion und Bewertung der zusammengetragenen Funde, präsentieren Wissenschaftler in einer Sonderausgabe der Fachzeitschrift "Science" den Fund der bislang ältesten Fossilien eines Vorfahren des modernen Menschen - rund eine Million Jahre älter als das Skelett von "Lucy", die bislang als die Urmutter der Menschheit galt. Auch Kryptozoologen zeigen sich von den nun beschriebenen Eigenschaften von "Ardi", so der Kurzname des dem Skelett zugeordneten weiblichen Ardipithecus ramidus, fasziniert, decken sich diese doch möglicherweise mit Beschreibungen einiger kryptiden Großaffen und Waldmenschen.

Schon 1992 wurde ein erster Zahn von Ardi in der Afar-Senke im nordöstlichen Äthiopien entdeckt, deren zu großen Teilen vorhandenes Skelett von einem Team aus 47 Wissenschaftlern interdisziplinär untersucht und ausgewertet wurde. Das Ergebnis stellt nicht nur die bisherige populärwissenschaftliche Vorstellung von der um eine Million Jahr jüngeren "Lucy", einem 1974 gefundenen weiblichen Exemplar der Gattung Australopithecus afarensis, als Urmutter der modernen Menschen, sondern stellt auch weitere liebgewonnene Vorstellungen und Theorie auf den Kopf und eröffnet neue Fragen.

Vor rund 4,4 Millionen Jahren durchstreifte Ardi immer dann auf zwei Beinen gehend den Boden einer waldigen Landschaft, wenn sie sich nicht auf Ästen laufend durch die Bäume bewegte. Dabei, so heben es die Wissenschaftler um den Paläoanthropologen Tim D. White von der University of California in Berkeley hervor, könne der wahrscheinlich kurios wirkende aufrechte Gang der rund 1,2 Meter großen Ardi nicht mit dem sogenannten Knöchelgang, etwa von Schimpansen und auch nicht mit deren sich von Ast zu Ast schwingender Fortbewegungsart verglichen werden. Auch unterscheiden die deutlich kleinen Eckzähne, wie sie bei heutigen Schimpansen und Gorillas als Ausdruck einer aggressiven Gesellschafts- und Sexualordnung gelten, Ardi von diesen Primaten und zeichnet ein deutlich friedlicheres Bild des Zusammenlebens zwischen weiblichen und männlichen Vertretern ihrer Gattung.

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Der Fund legt nahe, dass sich die Linie der Hominiden tatsächlich vor etwa sieben Millionen Jahren trennte und es wissenschaftlich nicht mehr sinnvoll ist, Gorillas und Schimpansen als Vorbild für den letzten gemeinsamen Vorfahren mit den Menschen heranzuziehen.

Stattdessen, so die Forscher, stelle Ardipithecus ramidus eine Art Zwischenphase dar, weil sie sowohl Merkmale primitiver Primaten, aber auch einige für Hominiden typische Eigenschaften aufzeige.

Bei der Auswertung weiterer Funde offenbarte sich den Forscher nach jahrelanger Detailarbeit auch ein recht ausführliches Bild der Umwelt, in der sich Ardi bewegt haben musste und erneut stürzen damit liebgewonnene Vorstellungen in sich zusammen, wenn angesichts der Fossilien die Theorie, nach der sich der aufrechte Gang erst in den größtenteils baumfreien Grasländern entwickelt hatte, fallen gelassen werden muss. Denn zumindest Ardi lebte in bewaldetem Buschland und in den Randgebieten tropischer Regenwälder.

Die deutlich unterschiedliche Fortbewegungsart zwischen Ardi und Schimpansen, zeige zudem eindeutig, dass sich Affen und Hominiden nicht auf einem gemeinsamen Evolutionspfad entwickelt haben.

Wer hierin nun jedoch einen Schlag gegen Darwinsche Evolutionstheorien heraushört, wird von den tatsächlichen Aussagend es Naturforschers und den heutigen Wissenschaftlern enttäuscht: Darwin sei sehr klug mit diesem Fragestellung umgegangen, kommentiert denn auch White. "Er sagte, dass wir hier sehr vorsichtig sein müssen. Der einzige Weg, wirklich zu erfahren, wer unser gemeinsamer Vorfahre war und wie dieser ausgesehen hatte, ist, ihn zu finden."

Im Interview mit der "Süddeutsche Zeitung" zeigt sich Professor Friedemann Schrenk, Professor am Forschungsinstitut Senkenberg und Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Afrikaforschung der Universität Frankfurt zwar fasziniert von dem Fund und der wissenschaftlichen Akribie, mit der dieser ausgewertet und schlussendlich publiziert wurde, glaubt jedoch nicht, dass mit Ardi schon der lange gesuchte gemeinsame Vorfahre bzw. ein Bindeglied in der menschlichen Evolutionsgeschichte gefunden wurde. "Ich wäre vorsichtig. Wir haben noch einige ältere Funde, die man noch nicht so recht einordnen kann." Dabei verweist der Wissenschaftler auf einen sieben Millionen Jahre alten Sahelanthropus aus dem Tschad und einen sechs Millionen Jahre alten Orrorin aus Kenia. Einen Grund, die Menschheitsgeschichte alleine aus dem aufrechten Gang abzuleiten, sieht Schrenk nicht.

Leichte Kritik von Seiten Schrenks kommt hinzu auch durch, wenn es um die Frage geht, ob auch unabhängige Wissenschaftler Zugang zu dem Skelett hatten: "Nein, das wird seit 15 Jahren unter Verschluss gehalten." Zwar könne die aufwändige und notwendige Arbeit einen solchen Schritt rechtfertigen, doch gerade der in "Science" federführende White hatte zuvor immer wieder gefordert, dass derartige Funde spätestens fünf Jahre nach ihrer Entdeckung für alle Forscher zugänglich sein sollten.

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Wie bereits Anfangs erwähnt, zeigen sich natürlich auch Kryptozoologen, Forscher also, die sich mit der Suche nach sogenannten Kryptiden, also bislang unbekannten Tierarten, wie sie zwar in Legenden und Augenzeugenberichten zu Hauf, jedoch noch nicht wissenschaftlich beschrieben wurden, befassen, an Ardi und der wissenschaftlichen Auswertung interessiert.

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Sichtung eines sogenannten Orang Pendek auf Sumatra durch Teilnehmer einer Expedition (...wir berichteten), fallen die Gemeinsamkeiten zwischen den Eigenschaften der bereits von zahlreichen Augenzeugen beschriebenen aufrechten indonesischen Waldmenschen und Ardi auf. So weisen beide in etwa die gleiche Größe auf, bewegen sich aufrecht auf dem Boden aber auch durch die Bäume. Und wenn bislang auch kein Kryptozoologe in Orang Pendek überlebende Exemplare von Ardipithecus ramidus vermutet, so geht doch genau diese Spekulation in Richtung der auf der indonesischen Insel Flores gefundene Knochen der sogenannten Hobbits (Homo florensis), wie sie vor rund 100.000 bis 12.000 Jahren die indonesische Inselwelt bevölkerten.

Der Orang Pendek (dt.: Kleiner Mensch) soll ein Primat sein, der vornehmlich auf Sumatra beheimatet sein ist und soll sich - so Zeugenaussagen - von anderen Primaten vor allem durch seine geringere Größe sowie durch seinen aufrechten Gang unterscheiden.

Aufgrund der Ähnlichkeit des Orang Pendek und gefundenen menschenähnlichen Fußspuren glauben einige Kryptozoologen, dass verschiedene, paläoanthrope Hominiden Vorfahren des Orang Pendek sein könnten. Hierfür kämen der Homo erectus, dessen Überreste auf der Nachbarinsel Java entdeckt wurden, der Homo floresiensis, der auf der nahe gelegenen Insel Flores lebte, und der Paranthropus in Frage.

Deborah Martyr, eine britische Orang-Pendek-Forscherin, konnte "Fauna & Flora International" (FFI) davon überzeugen, sie bei der Suche nach dem Orang Pendek zu unterstützen. Sie und ihr Team geben an, mittlerweile vier Individuen anhand ihrer Fußabdrücke unterscheiden zu können. Die längste Fährte, bestehend aus zwanzig Fußabdrücken, hinterließ dabei der so genannte Marathon Man. Marty stellt außerdem fest, dass, aufgrund der massiven Zerstörung seines Lebensraumes, das Überleben der Art stark gefährdet sei. Dafür spricht jedenfalls die große Abnahme von Sichtungen innerhalb der letzten fünfzig Jahre. Die Expedition förderte unzählige Fußabdrücke und Haarbüschel zutage, die keiner bekannten Art zugeordnet werden konnten (Quelle: wikipedia.de).

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Orang Pendek: Expeditionsteilnehmer sichten den "Yeti Sumatras"
25. September 2009

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / aaas.org / sueddeutsche.de / wikipedia.de
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