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Donnerstag, 2. April 2009

Küken beherrschen einfache Arithmetik

Küken im Rechenexperiment | Copyright: Lucia Regolin/Univ. Padua

Padua/ Italien - Italienische Wissenschaftler verblüffen mit den Ergebnissen ihrer Experimente mit Hühnerküken. Sollten die Forscher recht haben, so wären die kleinen gelben Plüschknäule selbst jungen Affen und Menschen überlegen, wenn es um einfache Rechenaufgaben geht.

Von verschiedenen Tierarten ist bekannt, dass sie den Unterschied zwischen "kleiner" und "größer" erkennen können. Doch Jungtieren gelingt diese Erkenntnisleistung in den meisten Fällen nur dann, wenn sie die beiden Gruppen in einem direkten Vergleich betrachten können.

Die kleinen Hühnchen jedoch scheinen schon nach wenigen Tagen zu abstrakterem Denken in der Lage und unterscheiden selbst dann größere Mengen von kleineren, wenn die Auswahlgruppen nach kurzer Zeit verdeckt werden. Mehr noch: Das Team um Rosa Rugani und Lucia Regolin von den Universitäten Trient und Padua konnte in seinen Experimenten sogar belegen, dass die Küken sogar mitrechnen, wenn die Mengen der Gruppen vor ihren Augen verändert wurden. Die Ergebnisse haben die Forscher aktuell im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht.

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Bei jungen Affen und mehreren Monate alten Kleinkindern ist die Fähigkeit einen Zahlenraum zu erkennen und zu überblicken auf eins bis drei beschränkt. Bei drei bis vier Tage alten Küken erstreckt sich dieser Wahrnehmungsraum statt dessen bis auf sage und schreibe fünf.

Vor den eigentlichen Experimenten platzierten die Wissenschaftler für einige Stunden fünf kleine gelbe Plastikeier bei den Küken, um sie an diese künstlichen Artgenossen zu gewöhnen. Nach dieser Eingewöhnungsphase entfernten sie die Eier aus dem Käfig und ließen diese - an Fäden hängend - vor den Augen der Hühnchen langsam hinter zwei Abschirmwänden verschwinden (s. Abb.). Einzeln Freigelassen liefen die Küken spontan zu jener Abschirmung, hinter der mehr Plastik-Küken verschwunden waren.

In einem nächsten Schritt wurden die Küken nun mit einer einfache Rechenaufgabe konfrontiert, indem zunächst vier Eierbälle hinter der linken und ein Ball hinter der rechten Abschirmung verschwanden, gefolgt von zwei Bällen, die von links nach rechts wanderten. Auf der linken Seite befanden sich nun also nur noch zwei Bälle, während auf der rechten Seite drei abgeschirmt waren. Mathematisch entsprach der von den Küken beobachtete Vorgang also zum einen der Subtraktion "4 - 2 = 2" auf der Linken Seite und der Addition "1 + 2 = 3" auf der rechten Seite. Tatsächlich liefen die Küken nun hinter die rechte Abschirmungswand und belegten somit, dass sie offenbar mitgezählt hatten, so die Schlussfolgerung der Forscher. Auch weitere Kontrollaufgaben ähnlichen Aufbaus wurden von den Küken erfolgreich gemeistert.

In einem weiteren Test überprüften die Wissenschaftler zudem, ob sich die Tiere auch dann für de größere Zahl an Objekte entschieden, wenn diese Objekte unterschiedlich groß waren. Vor die Wahl zwischen zwei Würfeln zur Linken und drei kleineren Würfeln zur Rechten gestellt, entschieden sich die Küken für die rechte Seite, also für den Ort, an dem sie die meisten Objekte unabhängig von deren Größe wähnten.

Für die Forscher ist damit erstmals beweisen, "dass die Fähigkeit zu abstraktem Rechnen unabhängig von Kultur, Sprache oder Ausbildung existieren könne", so Rugani gegenüber dem "Spiegel".

Bei den Versuchen hatten sich die Forscher die Tatsache zunutze gemacht, dass das Überleben von Küken davon abhängt, nicht von der Gruppe getrennt zu werden. Da andere Küken in der Natur bzw. Freilandhaltung schnell einmal hinter Hindernissen wie Steinen, Büschen und Wänden verschwinden können, sei es für die Tiere nützlich, wenn sich sogar Überlebensnotwendig auch ohne Sichtkontakt zu wissen, hinter welchem Hindernis bzw. wo sich die größere Gruppe von Artgenossen befindet. Hierin sehen die Forscher denn auch die Erklärung für die erstaunliche kognitive Rechenleistung der flauschigen Genies.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / rspb.royalsocietypublishing.org / unipd.it / portale.unitn.it / spiegel.de
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