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Freitag, 19. Juni 2009

Erster eindeutiger Beweis für urzeitlichen See auf dem Mars

Grafische Rekonstruktion des Sees im Mars-Tal Shalbatana Vallis | Copyright: G. Di Achille, colorado.edu

Boulder/ USA - Anhand von Aufnahmen der HiRISE-Kamera an Bord der NASA-Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter" (MRO) haben Wissenschaftler an der University of Colorado in der Mars-Region Shalbatana Vallis den ersten eindeutigen Beweis für eine einstige Uferlinie und damit für einen ehemaligen tiefen urzeitlichen See auf dem Roten Planeten entdeckt.

Die Forscher um Gaetano Di Achille datieren das Alter des einstigen Sees auf mehr als drei Milliarden Jahre. Mit bis zu 500 Metern Wasser gefüllt, bedeckte er damals eine Fläche von rund 130 Quadratmetern und entsprach damit in etwa dem heutigen Lake Champlain an der östlichen Grenze zwischen den USA und Kanada.

Der Nachweis der einstigen Uferlinie gelang den Wissenschaftlern entlang eines breiten Deltas aus zahlreichen aufeinander folgenden Erhöhungen und Mulden, bei welchen es sich um Überbleibsel von Strandablagerungen handelt. Ihre Entdeckung haben Gaetano Di Achille und sein Team aktuell in der Onlineausgabe der "Geophysical Research Letters" veröffentlicht.

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Die Analyse der MRO-Aufnahmen belegen, dass der rund 50 Kilometer lange Canyon, der sich in ein breites Tal öffnet, einst von Wasser gegraben wurde und an den Seiten Sedimente abgelagert hat, die dann ein Delta formten.

Zusätzlich belegen die Aufnahmen, dass der See während jener Periode entstanden sein und existiert haben muss, die bislang eigentlich als kalt und trocken eingestuft wurde. "Unsere Ergebnisse beweisen also nicht nur, dass es auf dem Mars einst ein langlebiges Seen-System gegeben hat; sie zeigen auch, dass dieses sich erst nach der eigentlich als warm und feucht qualifizierten Periode gebildet haben muss", erläutern die Forscher ihre Entdeckung.

Bislang gehen Planetenforscher davon aus, dass sich die ältesten noch vorhandenen Oberflächen auf dem Mars während der feuchten und warmen, so genannten Noachischen Periode vor 4,1 bis 3,7 Milliarden Jahren geformt haben, als der Planet während des so genannten Großen Bombardements über lange Zeiträume von zahlreiche große Asteroiden und sonstigen Restkörpern der Planetenbildung getroffen wurde.

Der nun entdeckte einstige See hat sich wahrscheinlich jedoch erst während der "Hesperianische Periode", also rund 300 Millionen Jahre nach der feucht-warmen Mars-Epoche gebildet.

Wie genau, wann und warum der See plötzlich verschwand, wissen auch die Forscher bislang noch nicht. Das Fehlen tieferer Uferlinien deutet jedoch daraufhin, dass das Wasser relativ schnell verschwand. "Möglicherweise ist der See sehr schnell verdunstet oder aber auch zugefroren, während das Eis dann wiederum nach und nach innerhalb einer Phase starker klimatischer Veränderungen verdampft sein könnte", versucht sich Di Achille an einer ersten Erklärung.

Besonders das an den See angrenzende Delta könnte für die Suche nach einstigem Leben auf dem Roten Planeten von besonderer Bedeutung sein, da zumindest auf der Erde gerade in derartigen geologischen Strukturen besonders viel organisches Material begraben wird. Damit katapultiert sich das Flussdelta ganz nach oben, wenn es um Primärziele zukünftiger Missionen geht, die im Marsboden nach Hinweisen auf einstiges oder sogar derzeitiges Leben auf dem Roten Planeten suchen sollen: "Auf der Erde sind Seen und Deltas exzellente Sammelorte und zugleich Speicher für Anzeichen einstigen Lebens", erklärt Di Achille. "Sollte es je auf dem Mars Leben gegeben haben, so sind es wahrscheinlich grade derartige Deltas, die diese biologische Vergangenheit des Planeten offenbaren werden."

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