Donnerstag, 23. Juli 2009

Aramäische Schriftzeichen auf Turiner Grabtuch entdeckt

Positiv- (l.) und Negativansicht (r.) der Kopfpartie des Turiner Grabtuches | Copyright: Public Domain

Turin/ Italien - Auf dem sagenumwobenen und nicht minder kontrovers diskutierten Grabtuch von Turin, das ein mystisches Abbild des Gekreuzigten zeigen soll und vielen Gläubigen als eine der bedeutendsten christlichen Reliquien gilt, hat die Historikerin Barbara Frale Schriftzeichen in aramäischer Sprache identifiziert.

Wie die italienische Tageszeitung "La Stampa" berichtet, sieht die Historiker darin ein weiteres Indiz für die Echtheit des Grabtuchs, da die verwendeten Zeichen aus der Zeit vor dem Jahr 70 stammen. Kritiker glauben hingegen, dass es sich bei dem Turiner Grabtuch um eine mittelalterliche Fälschung handelt.

Bei ihren Darlegungen beruft sich Frale auf die Beobachtungen des französischen Technikers Thierry Castex. Dieser hatte bereits 1994 mit einem physikalisch-optischen Verfahren schwache Zeichen auf dem Leinen ausgemacht, diese jedoch damals nicht zuordnen können. Castex' Aufnahmen legte Frale nun zwei Experten für Hebraistik vor, ohne dass diese jedoch wussten, woher die Zeichen stammten.

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Übereinstimmend attestierten beide Spezialisten unabhängig voneinander, dass es sich um Buchstaben handele, die ein aramäisches Wort mit der Bedeutung "wir haben gefunden", bilden. Auf dem Tuch finden sich die Buchstaben auf der Partie, unterhalb des Kinns.

Laut Frale wurden die Buchstaben durch eine chemische Reaktion eines Schriftdokuments, das einst auf dem Tuch gelegen habe, auf das Leinen übertragen. Möglicherweise handelte es sich um ein Schriftstück, welches Auskunft über die Identität des Toten gab.

Sollte e sich tatsächlich um jenen Zweig der semitischen Sprachen aus der Zeit Jesu handeln, wäre dies ein weiterer Hinweis - wenn nicht sogar Beweis - dafür, dass das Tuchbildnis aus dem ersten Jahrhundert stammt, da - so Frale – diese Sprache nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahre 70 keine Rolle mehr spielte und selbst Paulus schon in den 50er Jahren nur noch in Griechisch schrieb.

Gemeinsam mit dem für Juden undenkbaren Totenkult verwiese die aramäische Schrift auf die erste Generation von Christen. Doch selbst Frale gibt sich derzeit noch behutsam, wenn es um eine Bewertung des Fundes geht: "Es sind Hypothesen. Die Indizien verweisen aber auf eine Spur, die es wert ist, sie weiterhin zu verfolgen."

Die neue Entdeckung und weitere Indizien für die Authentizität wird Frale in einem schon bald erscheinenden Buch belegen. Hierbei, so beton die Forscherin, handelt es sich jedoch um eine private Arbeit, mit der der Vatikan, für den Frale offiziell arbeitet, nichts zu tun habe.

Frale selbst gehört zu jenen Grabtuchforschern, welche die Radiokarbondatierungen aus den 1980er Jahren anzweifeln. Diese hatten das Grabtuch auf ein Alter zwischen 1260 und 1390 n. Chr. und somit in genau jene Zeit datiert, in der das Grabtuch, 1357, zum ersten Mal als solches erwähnt wird.

Auch Frale verweist jedoch auf noch frühere Beschreibungen eines Tuches, auf das die Merkmale des Turiner Grabtuchs passen, etwa in den Inquisitionsakten zur Auflösung des einst mächtigen Templerordens im Jahre 1314 (...wir berichteten).

Die C-14-Datierung könne aufgrund von Verunreinigungen, wie etwa dem Brand in der Schlosskapelle von Chambéry im Jahre 1532 und den darauf folgenden Ausbesserungsgarbeiten, erheblich beeinflusst worden sein, bestätigte auch der Oxford-Professor und Experte für die Radiokarbondatierung Christopher Ramsey erst im vergangenen Jahr: "Schon zwei Prozent Verunreinigung des untersuchten Leinen könnte demnach die Datierung um rund 1500 Jahre verfälschen." (...wir berichteten)

Nach zehn Jahren unter Verschluss soll das Turiner Grabtuch im kommenden Jahr, 2010, vom 10. April bis 23. Mai erneut öffentlich ausgestellt werden.

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