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Dienstag, 3. November 2009

Computer bildet erstmals Gedanken in bewegten Bildern ab

Archiv: fMRT-Aufnahmen des Gehirns eines 24-jährigen Probanden | Copyright: M.R.W.HH

Berkeley/ USA - Neurologen der University of California ist es gelungen, Gehirnaktivität in Videobilder umzuwandeln. Dabei zeigten die Aufnahmen das, was die Probanden sahen oder an was sie sich während der Hirnscans erinnert hatten. Während die Arbeit von vielen als wissenschaftlicher Durchbruch gefeiert wird, regen sich zugleich massive Befürchtungen und Kritik an der neuen Technologie.

Bereits im vergangenen Frühjahr war es Dr. Jack Gallant und Dr. Shinji Nishimoto gelungen, eine Methode zu entwickeln, mit der sie anhand von Hirnaktivitäts-Mustern erkennen konnten, welches Bild der Proband gerade betrachtet. Die Trefferquote lag dabei bei bis zu 92 Prozent (...wir berichteten).

Wie die Londoner "The Times" nun berichtet, ist den Forschern vergangenen Woche der nächste Schritt bei ihrer Arbeit gelungen, mittels der Hirnsignale sogar erste Bewegtbilder zu generieren.

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In ihren bislang noch nicht in einem Fachjournal publizierten Experimenten, verwendeten die Wissenschaftler das bildgebende Verfahren der sogenannten funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) und scannten damit die Hirnaktivitäten während die Probanden Videos ansahen. Zugleich suchte ein Computerprogramm nach Verbindungen zwischen der Anordnung von Formen, Farbe und Bewegungen der betrachteten Videobilder und der Aktivitäten im visuellen Kortex.

In der Folge wurde das Computersystem 200 Tage lang auf wahllose Youtube-Videos angesetzt. Basierend auf diesen "Beobachtungen" simulierte das System dann die bei einem potentiellen Anblick dieser Videos zu erwarteten Hirnaktivitätsmuster.

Abschließend wurde die Software dazu verwendet, Hirnscans zweier Probanden zu analysieren, die einen neuen, bislang noch nicht analysierten Film betrachteten und zugleich basierend auf der neuralen Aktivität Bilder zu erzeugen.

Laut dem Bericht der Times soll das Computerprogramm dabei tatsächlich erfolgreich eine fortlaufende, wenn auch verschwommene Reproduktion des betrachteten Films erzeugt haben. So zeigte die Betrachtete originale Filmszene den Schauspieler Steve Martin in einem weißen T-Shirt. Das dazu passen generierte Computerbild zeigte einen weißen Torso, konnte allerdings keine Details wie etwa Gesichtszüge abbilden. Eine andere Vorgabesequenz zeigte den Anflug eines Flugzeuges auf die Skyline einer Stadt. Das darauf basierend generierte Computerbild zeigte zwar nicht das Flugzeug, aber immerhin noch eine Skyline.

Laut den Forschern gibt es bestimmte Bildszenen, die besser und andere die schlechter übertragen werden können. Gerade schnelle Kamerafahrten sollen die Algorithmen des Systems noch verwirren.

"Mit diesem Gerät wird man eines Tages ganz faszinierenden Dinge tun können", zitiert die Zeitung die Wissenschaftler. "Wenn Sie beispielsweise etwas einmal Gesehenes einer unbeteiligten Person beschreiben wollen, Ihnen hierzu aber die Worte oder zeichnerische Fähigkeiten fehlen, können Sie die mit diesem System erzeugten Bilder zeigen."

In der Vision der Wissenschaftler könnte das System einst Künstlern als Hilfsmittel dienen aber auch, um Erinnerungen etwa von Augenzeugen von Straftaten sichtbar zu machen. Auch auf medizinischer Ebene könnte es die Technologie eines Tages Wachkoma-Patienten ermöglichen, nach intensivem Training, mit ihren Mitmenschen zu kommunizieren.

Doch das enorme Potential dieses wissenschaftlichen Durchbruchs stößt nicht nur auf Enthusiasmus. Kritiker befürchten, dass die Technologie zur Überwachung und Gedankenkontrolle eingesetzte werden könnte. Tatsächlich wurde erst im vergangenen bekannt, dass das US-Militär tatsächlich an Technologien zum Gedankenlesen forscht (...wir berichteten).

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / timesonline.co.uk
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