https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de


Samstag, 19. Dezember 2009

Sonne glitzert auf neu entdecktem See auf Saturnmond Titan

Sonnenspiegelung im Infraroten Lichtspektrum des Sees im Kraken Mare am Nordpol des Titan | Copyright: NASA/JPL/University of Arizona/DLR.

Berlin/ Deutschland - Nach nachgewiesenen Seenlandschaften aus flüssigen Kohlenwasserstoffen am Südpol des eisigen Saturnmondes Titan, haben Wissenschaftler des "Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt" (DLR) nun auch in der Nähe des Nordpols des Trabanten einen großen See ausgemacht, als sich in diesem die Sonne spiegelte.

"Wir sind sicher, dass diese Reflexionen von einer Flüssigkeit in einem stehenden Gewässer herrühren", kommentieren Dr. Katrin Stephan und Prof. Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung. Ihre Beobachtung haben die Forscher aktuell auf dem Jahrestreffen der "American Geophysical Union" (AGU) in San Francisco präsentieren.

In Anlehnung an das nordische Seeungeheuer wurde das Landschaftsmerkmal, das bereits 2006 durch einen Hell-Dunkel-Grenzverlauf auffiel, auf den Namen "Kranken Mare" getauft. Mit einer Fläche von bis zu 400.000 Quadratkilometern sei das Gewässer größer als das Kaspische Meer, der größte See auf der Erde.

Mit einem Durchmesser von 5150 Kilometern ist Titan der größte Trabant des Saturn und verfügt als einziger Mond im Sonnensystem über eine dichten Atmosphäre umgeben, aufgrund derer jedoch kein direkter Blick auf die Oberfläche möglich ist. Dieser gelingt lediglich mit Infrarot-Spektrometern in bestimmten Wellenlängen. Zusätzliche Messungen deuten eher auf eine Flüssigkeit als auf Eis hin.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
>>> HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen <<<

Die Beobachtungen mit dem Spektrometer VIMS (Visual and Infrared Mapping Spectrometer) machten die Forscher während des 59. Titan-Vorbeifluges am 8. Juli 2009. Unter natürlichen Umständen könne nur die Oberfläche einer Flüssigkeit das Sonnenlicht derart spiegeln, schlussfolgern die Forscher. "Eine Eisfläche - selbst wenn sie zu Beginn spiegelglatt ist - wird sehr schnell durch die Erosion, die schmirgelnde Wirkung kleiner Partikeln und durch abgelagerte Bestandteile der Atmosphäre immer rauer", erklärt Prof. Jaumann.

"Auch ein Vergleich der VIMS-Messungen mit Cassini-Radaraufnahmen von früheren Vorbeiflügen der Saturnsonde scheinen die Vermutung zu bestätigen, dass es sich bei der Erscheinung um eine Spiegelung an einer glatten Oberfläche nahe der südlichen Küstenlinie des Kraken Mare handelt, das in der nördlichen Hemisphäre bei 71 Grad Nord und 337 Grad westlicher Länge liegt", so die DLR-Pressemitteilung.

Die neuen Messungen bestätigen einen stabilen Küstenverlauf des Kraken Mare. Ebenso deuten die gemessenen Spiegelungen darauf hin, dass das Kraken Mare Becken vollständig mit einer Flüssigkeit gefüllt ist.

Die Kohlenwasserstoffe Ethan und Methan, aus deren Gemisch die Titan-Seen aller Wahrscheinlichkeit nach bestehen, sind selbst bei den tiefen Temperaturen auf Titan noch flüssig. Zudem konnten die Cassini-Wissenschaftler konnten Spuren von Flussläufen nachweisen, die vermutlich durch Niederschläge gespeist werden (...wir berichteten). Dabei erodieren diese fließenden Gewässer tief eingeschnittene Täler aus der eisigen Landschaft. Die Vermutung lag nahe, dass die Kohlenwasserstoff-Ströme in Seen münden. Schon 2008 hatten die VIMS-Teams in der Nähe des Titan-Südpols einen See entdeckt, der mit flüssigen Kohlenwasserstoffen gefüllt ist.

Erst im vergangenen Monat errechneten französische Wissenschaftler, dass in den ausgedehnten Seenflächen aus flüssigen Kohlenwasserstoffen auf Titan Nährstoffe möglicherweise in solchen Mengen vorhanden sind, dass diese potentiellen Lebewesen auf dem Saturnmond als Nahrungsgrundlage dienen könnten (...wir berichteten).

>>>WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA<<<

Forscher lüften Rätsel um asymmetrische Verteilung der Seen auf Titan

1. Dezember 2009
Seen auf Saturnmond Titan könnten Lebewesen ernähren
24. November 2009

Saturnmond Titan gleicht der Erde mehr als bislang gedacht
12. August 2009


Solare Röntgenstrahlung könnte auf Titan DNA-Bausteine entstehen lassen
1. Juli 2009


Huygens-Sonde fotografierte erstmals Flüssigkeit auf fremdem Himmelskörper
10. Dezember 2008


Leben auf Saturnmond Titan?
18. August 2008


NASA und ESA bestätigen flüssigen See auf Saturnmond Titan
1. August 2008


Verborgener Wasserozean auf Saturnmond Titan?
21. März 2008



Bücher zum Thema:

- - -

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / dlr.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE