Donnerstag, 13. Januar 2011

Forscher hoffen auf Urzeit-Leben im antarktischen Wostoksee

Radar-Aufnahme des Wostoksees durch von "RADARSAT-1" | Copyright: NASA

St. Petersburg/ Russland - Wahrscheinlich seit mehreren Millionen Jahren ist der Wostok-Süßwassersee unter einem bis zu vier Kilometer dicken Eispanzer der Antarktis verborgen und dadurch hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen. Russische Forscher wollen nun in den See vordringen und hoffen hier, auf urzeitliche Lebensformen zu stoßen.

Eine direkte Anbohrung der Forscher um Valery Lukin und Sergei Bulat vom russischen "Arctic and Antarctic Research Institute" (AARI) wurde erst kürzlich vom "Sekretariat für das Antarktische Vertragssystem" ("Antarctic Treaty Secretariat", ATS), das für den Schutz des weißen Kontinents verantwortlich ist, genehmigt.

Zur Erkundung des Wostoksees haben die Forscher eine Methode erdacht, durch die eine Kontamination des versiegelten Gewässers unter dem Eis vermieden werden soll. "Sobald unser Bohrkopf den Wasserkörper unter dem Eis erreicht, wird der Wasserdruck den Bohrkopf durch den Bohrkanal zurück an die Oberfläche pressen", erläutert Lukin gegenüber "NewScinetist.com". Das Wasser im Bohrkanal wird dann erneut gefrieren und wir kehren dann später zurück, um diese Eissäule selbst zu beproben.

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Von mehr als 150 bislang bekannten antarktischen Seen ist der Wostoksee mit einer Fläche von 16 Quadratkilometern der Größte und ist bis 1050 Meter tief. "Alles, was im Wostoksee lebt, ist entweder sehr alt oder eine bislang unbekannte Form von Leben", zeigen sich die Wissenschaftler schon jetzt von möglichen Entdeckungen fasziniert.

Schon seit 1998 bemühen sich die russischen Forscher um eine Genehmigung für eine Anbohrung des Wostok, konnten aber erst jetzt eine Methode vorweisen, die eine Kontamination des Gewässers ausschließt und so auch vom ATS akzeptiert werden konnte.

Das nun schon seit Ende Dezember entstehende Bohrloch soll bis in eine Tiefe von 3725 Metern vorstoßen. Danach wird der traditionelle Bohrkopf durch einen neuentwickelten Hitzebohrkopf ersetzt, der - mit einer Kamera ausgestattet - die restlichen Meter im Eis bis zum Wasserreservoir zurücklegen soll. Während Kritiker bezweifeln, dass der derzeitige Bohrversuch noch binnen der nächsten Wochen bis zum Wasser des Wostok vorstoßen kann, zeigen sich die Russen aktuell zuversichtlich und hoffen, schon bald den See erkunden zu können.

Auch die NASA zeigt sich an einer Anbohrung des Wostoksees interessiert, nicht zuletzt, weil Wissenschaftler Parallelen zum wahrscheinlich unter einem dicken Eispanzer verborgenen Ozean auf Jupitermond Europa ziehen. Eine Beprobung des Sees plant die NASA im Rahmen der "Europa/Wostok Initiative" ebenfalls schon seit 1998. Mit Hilfe eines sogenannten Kryobots, einer Sonde, die sich mittels eines thermalen Schmelzbohrkopfs bis zur Wassergrenze des Sees vorarbeitet, soll eine weitere Sonde, ein sogenannter Hydrobot, zur Erkundung des Gewässers ausgesetzt werden. Auch diese Mission wurde aufgrund ungeklärter Kontaminationsgefahren noch 2003 um rund 10 Jahre verschoben.

Die bei früheren Bohrversuchen, wie sie jedoch nur bis zu 60 Meter an den See vordrangen, entdeckten Mikroben im Bohrkern weisen darauf hin, dass es im Wostoksee tatsächlich Leben gibt. Kritiker vermuten jedoch lediglich eine Kontamination mit Mikroben von der Oberfläche.

Sowohl die niedrigen Temperaturen als auch ein aufgrund des enorm hohen Drucks extrem hoher Sauerstoffgehalt, der jenen von normalem Süßwasser um etwa das Fünfzigfache übersteigt, aber durch das Vorkommen von Klathraten, also Einschlussverbindungen gasförmiger Stoffe im Eis, dürfte der Wostoksee einen sehr extremen Lebensraum darstellen. In welcher Form sich hier also Leben erhalten und entwickelt haben könnte, bleibt reine Spekulation.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / aari.nw.ru / newscientist.com
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