Dienstag, 13. Dezember 2011

Ist der Asteroid Vesta in Wirklichkeit ein erdartiger Planet?

Der "Asteroid" Vesta weist eine Vielzahl geologische komplexer Oberflächenmerkmale auf. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)| Copyright: NASA (Beschrift. grewi.de)

Los Angeles/ USA - Vier Jahre lang war die NASA-Sonde Dawn zum Asteroiden Vesta unterwegs. Hier angekommen könnte sie, so zeigen sich einige NASA-Wissenschaftler anhand der neusten Daten der Sonde überzeugt, statt auf einen Asteroiden getroffen zu sein, den kleinsten bislang bekannten erdartigen Planeten entdeckt haben.

Seit seiner Entdeckung vor nun mehr als 200 Jahren, galt und gilt Vesta unter Astronomen als Asteroid und war bis zur Ankunft der Dawn-Sonde nur als unscharfer Punkt bekannt, von dem man ausging, dass es sich lediglich um einen großen kosmischen Felsbrocken - eben einen Asteroiden - handelt.

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Die neuen Daten der Sonde zeichnen nun jedoch ein völlig anderes Bild des Himmelskörpers und belegen dessen in Wirklichkeit geologisch hoch komplexe Geologie.

"Wir sehen gewaltige Berge, Täler, Hügel, Klippen, Bodensenken, Grate, Ebenen und Krater in allen Größen (s. Abb. o.)", kommentiert der wissenschaftliche Leiter der Dawn-Mission Chris Russell von der University of California Los Angeles (UCLA) das neue Bild des Asteroiden. "Vesta ist nicht nur einfach ein großer Felsbrocken. Es handelt sich um eine Welt mit einer reichhaltigen geologischen Geschichte, die uns eine ganze Menge zu erzählen kann."

Der innere Aufbau von Vesta (vorne) entspricht dem eines erdartigen Felsplaneten (hinten). | Copyright: NASA

Wie die Erde und andere erdartige Planeten (Merkur, Mars und Venus), so der Forscher weiter, weise Vesta wahrscheinlich Spuren urzeitlicher Lavaflüsse auf der Oberfläche auf. Zudem verfügt Vesta über einen Eisenkern. Es finden sich tektonische Merkmale wie Bodensenken Grate, Klippen Hügel und ein gewaltiger Berg.

Tatsächlich sei der Asteroid derart komplex, dass das Team um Russel dazu übergegangen sei, von Vesta nicht mehr als "Asteroiden" sondern als dem "kleinsten erdartigen Planeten" zu sprechen.

Der einzige Unterschied, der laut Planetendefinition aus geologischer Sicht noch bestehe, sei, dass das Innere eines aktiven Planeten heiß genug wird, um hier Material zu schmelzen, so in Schichten anzuordnen wenn leichte Materialien an die Oberfläche zu befördert werden, während schwere Elemente wie Eisen und Nickel ins Innere sinken und hier den Planetenkern bilden.

Künstlerische Interpretation von Planetesimalen in einem frühen Planetensystem. | Copyright: NASA

Tatsächlich glauben Russel und Kollegen, dass genau dies allerdings einst auch auf Vesta passierte. Sie vermuten, dass der Asteroid ursprünglich ein sogenannter Planetesimal - also ein Planetenvorläufer - war und vor rund 4,57 Milliarden Jahren durch den die zunehmenden Gravitationskräfte des anwachsenden Jupiter, die sich auf die Objekte des Asteroidengürtels auszuwirken begannen, in seiner weiteren Entwicklung hin zu einem ausgewachsenen Felsplaneten aufgehalten wurde.

"Obwohl Vestas Wachstum angehalten wurde, ist der Himmelskörper immer noch wie ein wirklicher Planet aufgebaut (s. Abb.). Wir vermuten, dass das Sonnensystem zu der Zeit als Vesta in seiner Entwicklung begriffen war, einen zusätzlichen Schwall an Radioaktivität durch eine nahe gelegene Supernova-Explosion abbekommen hat. Bei Zerfall dieses Materials wurde starke Hitze abgegeben und genau dieses Material wurde von Vesta, der damals tatsächlich "nur" ein Asteroid (also ein geologisch toter Felsbrocken) war, aufgenommen und in seinem Inneren eingeschlossen."

Als dieser Kern dann schmolz, stiegen die leichteren Materialen in Richtung Oberfläche und bildeten hier Vulkane, Berge und Lavaflüsse. "Wir suchen immer noch nach weiteren entsprechenden Oberflächenmerkmalen", so Russel. "Die Ebenen auf Vesta gleichen der Oberfläche Hawaiis, die wiederum aus erstarrter basaltischer Lava besteht."

Sollte Vesta mit all seinen geologischen Übereinstimmungen mit Felsplaneten als formell als "Zwergplanet" anerkannt werden? "Natürlich liegt eine solche Entscheidung bei der Internationalen Astronomischen Union (IAU), aber zumindest das Innere von Vesta verhält sich ganz so wie ein Planet", zitieren die Science@NASA den Wissenschaftler. "Würde man mich frage, so wüsste ich ganz genau, wie ich in dieser Frage abstimmen würde."

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