Donnerstag, 26. Januar 2012

"Planetary Society" kommentiert Entdeckung von Leben auf der Venus

Angeblicher "Venus-Skorpion" | Copyright/Quelle: L. Ksanfomaliti, Solar System Research / planetary.org

Pasadena/ USA - Nachdem Berichte über einen Fachartikel des russischen Astronomen Leonid V. Ksanfomaliti über dessen Entdeckung von "Lebensformen" auf der Venus anhand von Aufnahmen der russischen Landeeinheit der "Venera 13"-Mission international für Aufsehen gesorgt hat (...wir berichteten), hat sich nun auch die "Planetary Society" zu Ksanfomalitis Behauptungen geäußert und liefert damit zugleich auch erstmals auch unabhängig von den Pressemeldungen der russischen Nachrichtenagentur RiasNovosti, bestätigte Informationen über die Publikation, Ksanfomalitis Behauptungen und einige der konkreten benannten Aufnahmen. In ihrem Kommentar spricht die Planetengeologin Emily Lakdawalla, den von Ksanfomalitis zitierten Bilddetails jedoch die jegliche Beweiskraft für Leben auf der Venus ab.

1980 von Carl Sagan, Bruce Murray und Louis Friedman gegründet, hat die "Planetary Society" (planetary.org) mittlerweile mehr als 100.000 Mitgliedern weltweit und bemüht sich als nicht staatliche Organisation die Erforschung des Sonnensystems und die Suche nach außerirdischem Leben zu unterstützen und voranzutreiben.

Im Blog der Gesellschaft erläutert Lakdawalla, dass die Nachrichtenstory "derart lächerlich" sei, dass sie an sie normalerweise keinen weiteren Gedanken daran verschwendet hätte. "Eine Sache machte mich dann aber dennoch stutzig und das war der Name des Autors: Leonid Ksanfomalit ist ein erfahrener staatlicher, Planetenwissenschaftler. Zusätzlich zu seinen wissenschaftlichen und technischen Beiträgen ist er auch ein Populärwissenschaftler, Vortragsredner und Autor, der die Weltraumwissenschaft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht."

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Nach einem Studium des in Russisch erschienenen Artikels von Ksanfomalitis, erläutert Lakdawalla zum Artikel selbst, dass dieser sich erneut der Aufnahmen der Landeeinheit angenommen habe, da die bisherige Auswertung der Aufnahmen der Venera-Missionen lediglich anhand einzelner Panoramaaufnahmen der Landestellen durchgeführt wurden. Tatsächlich handele es sich bei diesen Panoramen jedoch um Mosaike, die aus ganzen Serien von zeitlich aufeinanderfolgend erstellten Aufnahmen zusammengestellt wurden. Somit stellen die Panoramen also Bilder dar, auf denen zahlreiche Details der Einzelaufnahmen verloren gingen, da nur die besten Teile der einzelnen Aufnahmen verwendet wurden oder nachträglich durch Bildbearbeitung verändert wurden.

Anhand dieser, den Mosaik zugrunde liegenden Einzelaufnahmen machte sich Ksanfomalitis dann auf die Suche nach Bilddetails, die sich von einem zu den folgenden Einzelbildern unterscheiden. In einem weiteren Schritt habe er dann versucht zu bestimmen, ob die sichtbaren Veränderungen durch nichtbiologische Phänomene wie beispielsweise Wind erklärt werden könnten oder ob sie ein Hinweis dafür sind, dass der Planet belebt ist. "Anhand ihrer Form, können wir dann bestimmen, ob es sich um ein gewöhnliches Oberflächendetails handelt", so Ksanfomalitis, "oder ob es ungewöhnlich erscheint."

Von diesem Punkt an, so kommentiert Lakdawalla, beginne der Artikel "zu entgleisen". Zwar sei es eine "exzellente Absicht", Folgeaufnahmen auf Oberflächenveränderungen hin zu untersuchen, allerdings sei genau dies schon zuvor getan worden, wobei festgestellt worden sei, dass es auf den Aufnahmen solche Veränderungen gibt. Tatsächlich beschreibt schon Don Mitchell auf seiner Webseite zu den Venera-13-Aufnahmen (mentallandscape.com/V_Venus.htm) folgendes: "Zwei Aufnahmen, die im Abstand von rund zwei Stunden zueinander aufgenommen wurden, zeigen das allmähliche Wegwehen von Bodenpartikeln auf dem Landering von Venera-13. Veränderungen der Beleuchtungsqualität scheinen mit der Zeit weniger diffus zu werden. Dies wird möglicherweise von Wolkenbewegungen verursacht, die wiederum vage Regionen von hellerem und dunklerem Himmel entstehen lassen, wie er von der Oberfläche aus zu sehen ist."

Vor diesem Hintergrund, so Lakdawalla, sei es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass der von Venera fotografierte Ort - wie auch alle anderen Landestellen von Landern auf jedem anderen Himmelskörper - schon alleine durch die Landung selbst verändert wurde. "Die Venera-Sonden haben Staub und Erde aufgewirbelt und danach wieder auf der flachen Umgebungsoberfläche abgelagert. Einiges davon wurde auch während der kurzen Zeit weggeblasen, noch während die Sonde ihre Bilddaten von der Oberfläche übertrug."

Einen weiteren Grund dafür dass sich die einzelnen Folgeaufnahmen unterscheiden können, sieht Lakdawalla in der Übertragungsart der Bilder von der Venusoberfläche zur Erde, da diese mittels zwei unterschiedlicher Arten von Modulationen des Trägersignals des Orbiters zur Erde gefunkt wurden und so unterschiedliche Arten von Bildrauschen erzeugten. Selbst wenn Venera also zwei identische Aufnahmen übermittelt hätte, würde dieser Umstand also eine Vielzahl von feinen Unterschieden auf den Fotos erzeugen, die jedoch alleinig vom Bildrauschen stammen.

Aufgrund all dieser natürlichen und künstlichen Gründe, hält es Lakdawalla für "gewagt", wie Ksanfomalitis dies tue, in kleinsten und zudem unscharfen Veränderungen von einem zum nächsten Bild derartiges hineinzuinterpretieren. Zumal Ksanfomalitis zwar zunächst behaupte, dass "jegliche nachträgliche Bearbeitung der Bilder ausgeschlossen" werden könne, später jedoch genau diese Operationen (etwa Schärfekorrekturen oder das Ausfüllen leerer oder beschädigter Stellen anhand der Bildwerte der direkten Umgebung oder anderer Aufnahmen des gleichen Bildausschnitts) korrekterweise als Standard darstellt.

Ein Beispiel einer beschädigten Venera-Aufnahmen (oben) und deren Bildbearbeitung bzw. Rekonstruktion (unten). | Copyright/Quelle: L. Ksanfomaliti, Solar System Research / planetary.org

Anhand eines Beispiels für die von Ksanfomalitis als ungewöhnliche Veränderungen bezeichneten Bilddetails beendet Lakdawalla dann jedoch leider ihre Diskussion und Darstellung der Behauptungen des Wissenschaftlers - ohne die anderen von Ksanfomalitis angeblich entdeckten "Lebewesen" zumindest zu zeigen.

Fünf Aufnahmen mit angeblichen Veränderungen (a u. b; Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.) | Copyright/Quelle: L. Ksanfomaliti, Solar System Research / planetary.org

Alleine diese fünf Bilder (s. Abb) zeigen für Lakdawalla "derart viele Unterschiede im Bildrauschen und wurden so stark etwa durch nachträgliche Schärfeeinstellungen und eingefügte Daten verändert, dass ich es für sinnlos halte, derartige kleinste Bildmerkmale darauf zu untersuchen, ob diese sich von Bild zu Bild verändern. Noch weniger Sinn macht es, in diesen Bilddetails Bewegungen und damit Hinweise auf Lebewesen zu suchen."

- Den vollständigen Kommentar Lakdawallas finden Sie HIER

- Einen Kommentar von Don Mitchel zu Ksanfomalitis Artikel finden Sie HIER

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