Archiv: Ein sich aus einer Immunzelle herauslösendes HI-Virus | Copyright: NIH / Public DomainTucson/ USA - Anhand einer Genanalyse der beiden ältesten bekannten Erreger-Proben des HI-Virus ziehen amerikanische Wissenschaftler eine erstaunliche Schlussfolgerung: Die Proben unterscheiden sich derart deutlich voneinander, dass sie sich bereits vor rund 100 Jahren von einem gemeinsamen Vorfahren getrennt haben müssen.
Die untersuchten HI-Virusvarianten, so berichtet das Team um Michael Worobey von der "University of Arizona" in der Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 455, S. 661), stammen aus den Jahren 1959 und 1960. Obwohl zwischen den beiden Proben nur ein Jahr liegt, unterschied sich das Erbgut bereits um 12 Prozent - eine Abweichung, wie sie nur durch eine lange voneinander getrennte Entwicklung der beiden Stämme zu erklären sei.
Die Forscher vermuten, dass dieser HIV-Stamm erstmals um die Wende von 19. zum 20. Jahrhundert aufgetreten sei. Da diese Abwandlung des besonders in Kamerun vorkommenden SI-Virus vor allem Schimpansen befällt, vermuten die Wissenschaftler weiterhin, dass das Virus durch den Verzehr von infiziertem Affenfleisch auf den Menschen übertragen wurde.
Der Grund dafür, dass dieser Übergang nicht schon viel früher stattgefunden habe, sehen Worobey und seine Kollegen in der fehlenden Grundlage für eine Epidemie: Vor 1910 gab es in Zentralafrika keine Siedlungen mit mehr als 10.000 Einwohnern. Diese entstanden erst mit dem Eintreffen der neuzeitlichen europäischen Kolonialisten und boten somit die Grundlage für die Ausbreitung des Virus ausgehend von einzelnen Fällen.
Schon zu jener Zeit, aus der die beiden untersuchten Proben stammen, den frühen 1960er Jahren, dürfte es in Kinshasa einige Tausend infizierte Menschen gegeben haben. Noch heute lebt die Mehrheit der weltweit mehr als 55 Millionen mit dem HI-Virus infizierten Menschen auf dem afrikanischen Kontinent. Zwar erhöhen neue Medikamente die Überlebenschancen und Lebensqualität der Infizierten deutlich, doch sind diese Medikamente gerade in ärmeren Ländern für die meisten Betroffenen noch immer unerschwinglich.
Quellen: grenzwisenschaft-aktuell.de / uanews.org
