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Mittwoch, 17. Dezember 2008

Eisvulkane auf Saturnmond Titan

Auf Aufnahmen der Regionen 1 (22. Februar 2008) und 2 (30. April 2006) fanden sich Fließstrukturen, die auf Kryovulkanismus hindeuten | Copyright: NASA/JPL/University of Arizona

Pasadena/ USA - Forscher des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA glauben, anhand aktueller Daten der Saturnsonde Cassini Hinweise auf Eisvulkane auf dem Saturnmond Titan gefunden zu haben. Statt heißer Lava entströme den dortigen Schloten ein schlammiges Kältegemisch aus Wassereis, Ammoniak und Methan.

In zwei Regionen in der Nähe des Äquators des Saturnmondes, die von der Sonde zwischen 2004 und 2008 untersucht werden konnten, fanden sich deutliche Helligkeitsveränderungen der Oberflächen. Gemeinsam mit Radaraufnahmen deuten diese Merkmale auf fließende Strukturen hin, wie sie von Vulkanen bekannt sind.

Doch statt heißem flüssigen Gestein, handelt es sich bei der Lava auf Titan aller Wahrscheinlichkeit nach um ein zähes Gemisch aus Wassereis, Ammoniak und Methan - bei den Titan-Vulkanen nicht um Feuerberge, sondern um so genannte Kryovulkane - eine besondere Form von außerirdischem Vulkanismus, die sich nur bei niedrigen Temperaturen unter -150°C bildet. Anhand der Daten vermuten die Wissenschaftler, dass die frostige Lava bis zu 200 Meter dick sein könnte und haben ihre Untersuchungsergebnisse nun auf dem Herbsttreffen der American Geophysical Union (AGU) erstmals vorgestellt.

Schon bei früheren Vorbeiflügen der US-amerikanisch-europäischen Sonde wurden Strukturen ausgemacht, die auf Kryovulkanismus auf Titan hindeuteten. Bislang hinderte die wolkenschwangere dicke Atmosphäre des Saturnmondes jedoch eine eindeutige Bestätigung dieser Vermutungen.

Fließende Helligkeitsveränderungen der Region 2 in einer Animation von Aufnahmen von Oktober 2005, Januar 2006 und März 2006. KLICKEN SIE AUF DAS BILD, UM DIE ANIMATION ZU STARTEN | Copyright: NASA/JPL/University of Arizona

Der Nachweis von Ammoniak durch die spektrografischen Analysen der Sonde unterstützt indes die Theorie, dass es sich um Vulkanismus und bei Ausfluss um Material aus dem Inneren des Mondes handelt, da Ammoniak auf der Oberfläche eigentlich nicht vorkommen sollte - im Innern von Titan jedoch von den Wissenschaftlern erwartet wird. Auch würde aktiver Kryovulkanismus die verhältnismäßig großen Mengen an Methan in der Titan-Atmosphäre erklären, da diese ohne derartigen Nachschub aus dem Mondinnern sonst schon längst durch die ultraviolette Strahlung der Sonne zersetzt worden sein müsste.

Dennoch, so berichtete die BBC, sind nicht alle planetenforscher überzeugt. Die fließartigen Strukturen könnten, so der Planetengeologe Jeffrey Moore, auch von Eisbruchstücken verursacht worden sein, die durch den auf Titan angenommenen Methan-Regen angetaut wurden, dabei Abhänge heruntergeglitten sein könnten und am Fuße dieser Hänge sich in sinuskurvenartigen Ablagerungen gesammelt habe.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / bbc.co.uk / jpl.nasa.gov
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